RL Nord (Nord-Staffel)

Bergmann sieht „schlechtestes Spiel, seit ich hier bin“ und Brüning nutzt es mit einem Tor, „das zur Hälfte ‚Lüne‘ gehört“

11. Oktober 2020, 18:38 Uhr

Kollektiver JUbel: Die Eintracht bejubelt den Treffer von Nils Brüning (re.), während Altonas Dallas Aminzadeh (li.) geknickt von dannen schleicht. Foto: Sellhorn

Das Lob kam aus berufenem Munde. „Gut gespielt, Langer“, raunte „Eddy“ Münch, beim FC Eintracht Norderstedt als Sponsoring-Beauftragter tätig, nach dem Heimspiel von „EN“ gegen Altona 93 (Hier gibt's den Live-Ticker zum Nachlesen) Nils Brüning zu, als dieser noch auf dem Feld am Rande der Werbebande stand. Münchs Lob traf den Richtigen. Denn Nils Brüning war es, der vor 407 Zuschauern im Edmund-Plambeck-Stadion den einzigen Treffer des Nachmittags im Derby der beiden Nord-Regionalligisten erzielte und damit der Eintracht den vierten Sieg aus den letzten fünf Spielen bescherte. Nach dem 1:0 gegen den AFC hat „EN“ damit jetzt 13 Punkte aus sieben Spielen auf dem Konto und geht am kommenden Wochenende als Tabelldritter ins Spitzenspiel beim Zweitplatzierten FC Teutonia 05. 

„Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass wir das so durchzegogen und mit Kampf die Führung behalten haben. Wir sind jetzt seit fünf Spielen ungeschlagen, damit können wir zufrieden sein“, ordnete Brüning zunächst den Eintracht-Erfolg ins große Ganze ein, um dann auf zwei Szenen einzugehen, die die Geschichte dieses Spiels nachhaltig beeinflussen sollten: auf seinen Treffer und den Platzverweis von Jordan Brown. „Bei der Roten Karte sieht Jordan unglücklich aus. Er ist ein erfahrener Spieler und weiß selbst, dass er da nochmal zurückziehen muss. Auf jeden Fall kann man sich über die Karte nicht unbedingt beschweren. Aber der Schiedsrichter hätte auch vorher schon ein Foul an Jordan pfeifen können. Dann hätte es anders ausgesehen“, sagte der 25-Jährige und erklärte im Hinlick auf seinen Treffer: „Zur Hälfte gehört das Tor auch Jan Lüneburg, weil er selbst schon schießen kann, den Ball aber schlau durchlässt.“

Brüning: „Ich bin stolz, dass wir das durchgezogen und mit Kampf die Führung behalten haben“

Eintracht-Torschütze Nils Brüning (re.) nimmt es mit den Altonaern Ole Wohlers (Mi.) und Leon Mundhenk auf. Foto: Sellhorn

Damit rein ins Geschehen: Die erste Halbzeit erlebte eine Eintracht, die den AFC die meiste Zeit im Griff hatte und nicht mal eine einzige Chance zuließ. Auf der anderen Seite aber vergaben die Hausherren die eine oder andere gute Möglichkeit – entweder, weil immer noch ein Abwehrbein dazwischen war oder der letzte Pass nicht ankam. Erst nach 21 Minuten machten die Norderstedter etwas aus ihrer Spielkontrolle und ihren Vorteilen: Dylan Williams brachte den Ball von rechts flach in die Box, wo Jan Lüneburg – wie eingangs von Brüning erwähnt – klug durchließ und der 25-Jährige so am zweiten Pfosten freistehend das Spielgerät über die Linie bringen konnte. Es hätte sich vermutlich nicht viel an den Vorzeichen geändert, wenn da nicht die 27. Minute und der Platzeverweis für Jordan Brown gewesen wären. Im Mittelfeld kam der Kapitän der Eintracht gegen Kevin Krottke einen Schritt zu spät, traf den Altonaer mit der offenen Sohle und löste damit eine Rudelbildung aus, an deren Ende Schiedsrichter Marco Scharf (TSV Altenwalde) dann den Roten Karton herausholte und Brown vom Platz stellte.

Bergmann: „Wir bekommen wieder zu schnell ein Gegentor – das wiederholt sich unnötig“

Dylan Williams (re., hier gegen Altonas Emre Cem Töremis) bot eine starke Partie im Norderstedt-Trikot. Foto: Sellhorn

Aber, siehe da: Im zweiten Durchgang gelang es dem AFC trotz nicht, etwas aus der numerischen Überzahl zu machen. Ganz im Gegenteil: Die Merhzahl der zwingenden und gefährlicheren Offensivaktionen hatte auch nach den Seitenwechsel weiterhin die Eintracht. Abgesehen von Kevin Krottkes Kopfball direkt zu Beginn der zweiten Hälfte (49.) und einem Schuss von Ole Wohlers, den „EN“-Keeper Stefan Rakocevic locker aufnehmen konnte, hatte Altona keine nennenswerten Szenen nach vorne. Es fehlte den Gästen sowohl an der Genauigkeit beim letzten Pass als auch an Zweikampfstärke und an einer ordnenden Hand, die einmal eine wirkliche Linie in das Spiel der Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann bringen konnte. Zudem bezeichnend: Nicht eine der Standardsituationen, die Dennis Rosin nach dem Seitenwechsel bis zu seiner Auswechselung in die Box brachte, beschwor annähernd Gefahr herauf. Die Eintracht hätte derweil vor allem in der 77. Minute, nachdem Johann von Knebels Schuss geblockt und Brüning zum Abschluss kam, ausgleichen können. Doch Dallas Aminzadeh bekam noch irgendein Körperteil dazwischen und klärte zur Ecke.

Martens: „Der Schiri kann die Rote Karte verhindern, wenn er vorher das Foul an Jordan schon pfeift“

Für EIntrachts Kapitän Jordan Brown (re., hier gegen Dennis Rosin) war nach der Roten Karte in der 27. Minute frühzeitig Feierabend. Foto: Sellhorn

„Ich glaube sagen zu können, dass das unser schlechtestes Spiel ist, seit ich hier bin“, bilanzierte Andreas Bergmann ernüchtert. „In letzter Zeit haben wir gute Ansätze gezeigt und unglückliche Niederlagen weggesteckt. Auch diesmal haben wir alles versucht, aber wieder zu schnell ein Gegentor bekommen. Das wiederholt sich völlig unnötig. Den Rest der Zeit sind wir angelaufen und haben versucht, irgendwas zu machen, Dabei haben wir allerdings wenig Lösungsmöglichkeiten gehabt. Wir sind noch nicht ganz so weit, das Aufbauspiel in so einer Situation gegen zehn Mann mit Geduld zu gestalten und nicht in Konter zu laufen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns zu wenig erarbeitet. Unterm Strich fehlten uns die Lösungen. Wir müssen dieses Spiel abhaken“, resümierte der Altonaer Übungsleiter nach der Begegnung. „Der Sieg ist absolut verdient, Wir haben versucht, in der Anfangsphase Dominanz auszuüben. Wir sind stolz darauf, was die Mannschaft nach der Roten Karte alles rausgehauen hat und wie sie in Unterzahl das 1:0 verteidigen konnte. Das war großartig.Wir hatten dabei sogar noch Chancen, die man zum 2:0 versenken konnte“, befand derweil Jens Martens. Weniger großartig fand der „EN“-Coach indes das Schiedsrichter-Gespann: „Es waren schwierige Bedingungen – und damit meine ich nicht den Rasen, sondern andere am Spiel Beteiligte. Vor dem Platzverweis wird Jordan an der Schulter gezogen. Der Schiri kann die Rote Karte verhindern, wenn er vorher das Foul an Jordan schon pfeift.“ 


Jan Knötzsch

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