Regionalliga Nord

Bei Teutonia 05: Volkmer gibt Vollgas – „Hier ist sicherlich viel möglich“

23. September 2020, 13:58 Uhr

221 Regionalliga-Spiele hat Jeffery Volkmer bereits auf dem Buckel. Für Teutonia 05 werden noch einige Partien mehr dazu kommen. Foto: KBS-Picture.de

Er stammt aus Kamen, einer Stadt in Nordrhein-Westfalen, die östlich des Ruhrgebietes liegt und zum Kreis Unna gehört. Schon in jungen Jahren kickte er für den dort ansässigen Kamener SC, ehe er sich dem ambitionierteren SuS Kaiserau anschloss. „Wenn man in der Jugend relativ hoch spielt, dann wird man irgendwann von den Nachwuchsleistungszentren gescoutet.“ So verhielt es sich auch bei Jeffery Volkmer, dessen nächste Station Borussia Dortmund war. Beim BVB kickte er im Nachwuchs unter anderem auch mit Marc Hornschuh zusammen. „Es ist immer witzig, wenn man sich dann eines Tages wiedertrifft“, war Volkmer die Freude anzusehen, als er seinen ehemaligen Teamkollegen am vergangenen Samstag wiedersah.

In der Saison 2012/13 war Volkmer für den BV Cloppenburg in der Regionalliga Nord aktiv und hatte 31 Einsätze zu verzeichnen. Foto: KBS-Picture.de

Die 90 Minuten waren bereits abgelaufen und die Nachspielzeit längst angebrochen, als ausgerechnet Marc Hornschuh zu spät kam, Davidson Eden zu Fall brachte – und damit einen Elfmeter zugunsten des FC Teutonia 05 verursachte. Diesen verwandelte Sinisa Veselinovic in der 95. Minute ganz sicher und rettete den „Kreuzkirchlern“ einen verdienten Punktgewinn bei der U21 des HSV (2:2). „Wenn man das vorher gesagt hätte, dass wir einen Punkt beim HSV mitnehmen, wären wir durchaus glücklich gewesen. Schade, dass wir in der ersten Halbzeit einen klaren Elfmeter nicht bekommen haben. Trotzdem bin ich zufrieden“, resümierte Jeffery Volkmer nach der turbulenten Partie. Der 29-Jährige, der bis zur B-Jugend bei Borussia Dortmund aktiv war und später dann für RW Ahlen 46 A-Jugend-Bundesligaspiele absolvierte, ist einer von zahlreichen Neuzugängen beim Regionalliga-Aufsteiger aus Ottensen.

Duell mit Uchida um den Platz bei Schalke 04

Ein Neuzugang, der eine durchaus spannende Vita vorzuweisen hat. Denn nach seiner Zeit in Ahlen habe Volkmer „schnell den Anschluss zu den Amateuren von Schalke 04 bekommen“, erinnert er sich – und meint: „Da war ich knapp dran.“ Zu der Zeit von Felix Magath seien etliche Spieler verpflichtet worden. Volkmer duellierte sich auf der Position des Rechtsverteidigers mit Atsuto Uchida. „Leider hat er sich für den entschieden.“ Und so fand sich der Volkmer in der Zweiten Mannschaft der Königsblauen wieder, trainierte aber „immer mal wieder oben mit“. Rückblickend sagt er: „Das war wie so ein Spieler-Karussell, weil da eben sehr viele Leute im Kader waren.“ Nach zwei Jahren auf Schalke zog Volkmer schließlich zum BV Cloppenburg weiter, war dort unumstrittener Stammspieler, ehe es für ihn zum SC Wiedenbrück ging und er der Regionalliga „treu“ blieb.

"Brise" und "Jeff" wieder vereint

46 Spiele (sechs Tore) absolvierte Volkmer (re.) - hier gegen HSV-Profi Bakery Jatta - für den VfB Oldenburg. Foto: KBS-Picture.de

Dass er nun – nach fünf Jahren in Wiedenbrück und zwei Spielzeiten beim VfB Oldenburg – in der Hansestadt gelandet ist, hat auch mit seiner Zeit beim West-Regionalligisten zu tun, wie er verrät. Denn: „Aus der Zeit in Wiedenbrück kenne ich noch Nick Brisevac.“ Nun ist das Duo bei Teutonia 05 wieder vereint. Ein anderer Grund für seinen Wechsel: „Ab einem gewissen Alter guckt man einfach auch, dass man zweigleisig fährt“, hatte sein Transfer auch berufliche und studienbedingte Gründe. „Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt. Und Hamburg ist eine geile Stadt. Ich kann hier studieren, arbeiten und noch Regionalliga spielen – das hat perfekt gepasst.“

"In der Form ist das für mich auch überraschend"

Beim Regionalliga-Neuling Teutonia 05 hat sich Volkmer (li.) auf der rechten Seite gleich zu einer wichtigen Stammkraft entwickelt. Foto: KBS-Picture.de

Und auch sportlich läuft es für Volkmer und seine Teutonen bisher rund. Drei Spiele, sieben Punkte – und Volkmer selbst stand in sämtlichen Partien auf dem Platz, erzielte im ersten Regionalliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte sogar den wichtigen 1:0-Führungstreffer gegen Phönix Lübeck (2:0). Gerechnet habe man mit solch einem erfolgreichen Saisonstart „gar nicht“, gesteht Volkmer. „Das ist in der Form auch für mich überraschend, weil wir eben so viele neue Spieler haben.“ Doch der Erfolg kommt auch nicht von ungefähr. „Das Mannschaftsgefüge ist top und wir haben Qualität – ganz so glücklich ist das also nicht“, fügte der Außenverteidiger an. Man habe zwölf bis 15 Spieler, die allesamt schon einige höherklassige Stationen hinter sich und Erfahrungen gesammelt haben, so Volkmer. „Die haben alle was drauf. Deshalb ist die Qualität schon da.“

"Mein persönliches Ziel ist die Meisterrunde"

Mit seiner bereits gesammelten Regionalliga-Erfahrung soll Volkmer (Mi.) bei den "Kreuzkirchlern" vorneweg marschieren. Foto: Both

Qualität, die letztendlich auch für mehr reicht? „Mein persönliches Ziel ist es, in der Meisterrunde mitzuspielen. Das strebe ich schon an. Aber für uns als Mannschaft ist es generell erstmal wichtig, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Das sollte das vorrangige Ziel sein – und da müssen wir auch alle realistisch bleiben“, warnt Volkmer vor zu großer Euphorie, glaubt aber auch: „Nach oben ist alles offen.“ Auch für ihn selbst? „Wenn irgendwann einmal irgendwo ein Profi-Vertrag winken würde, dann ist es doch klar, dass man sich damit beschäftigen würde. Aber ich fühle mich hier sehr wohl und wurde von jedem Verantwortlichen und jedem Spieler super aufgenommen. Deshalb könnte ich mir schon vorstellen, länger hier zu bleiben.“ Mit Sicherheit auch, weil er bei Teutonia langfristig eine Perspektive sieht. „Wir haben in so kurzer Zeit quasi aus dem Nichts schon relativ viel geschaffen. Wenn alles so weiterläuft wie bisher, dann ist hier sicherlich viel möglich.“

Autor: Dennis Kormanjos

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