„Aus zwei Metern das leere Tor nicht zu treffen ist, schon eine Kunst!"

Traditionsteams Oststeinbek und ASV Bergedorf teilen die Punkte

23. April 2016, 00:13 Uhr

Sowohl der Oststeinbeker SV als auch der ASV Bergedorf 85 versuchten ihr Glück und kamen zu Chancen. Einen Sieger fand das Duell aber nicht. Foto: Mathias Merk

Die Ausgangslagen vor dem Aufeinandertreffen waren unterschiedlich, da sich der Oststeinbeker SV mitten im Abstiegskampf der Kreisliga 3 befindet und der ASV Bergedorf 85 nach einer kleinen Serie im Mittelfeld des Tableaus weilt und keinerlei Befürchtungen mehr hegt. Bedeutet: Es war ein bissiger OSV zu erwarten! Denn die Hausherren benötigten dringend wichtige Zähler, um sich weiter aus der unteren Tabellenhälfte raus zu manövrieren. Doch von drei gewünschten Zählern sprang am Ende, nach einem torlosen Remis, ein Pünktchen heraus. OSV-Coach Maxwell Pelpes war darüber nicht sehr glücklich, akzeptierte das Resultat aber auch: „Mit dem Punkt müssen wir heute zufrieden sein.“ Vor allem auch, weil seine Mannschaft 20 Minuten in Unterzahl spielte.

Foto: Mathias Merk

Über den Kampf zum Sieg! So oder so ähnlich konnte man die Einstellung der Oststeinbek-Akteure bezeichnen, da sie von Beginn an versuchten, einerseits die Angriffe der Gäste mit Körpereinsatz zu unterbinden und andererseits selbst gefährliche Abschlüsse zu kreieren. Im Spielaufbau beider Mannschaften erkannte man viel Unruhe, was sich über die kompletten 90 Minuten so hinzog. Torgelegenheiten gab es dennoch, wobei sich einige Male ASV-Torhüter Marc Stückler formidabel auszeichnete. Doch auch Daniel Jäger, der auf der anderen Seite zwischen den Pfosten stand, hielt sein Team durch sehr gute Abwehraktionen im Spiel. Es war sozusagen eine Partie der Torleute.

Als erstes zeigte Jäger seine Qualitäten, als er einen Schuss aus sieben Metern von Florian Heinze hielt (6.), aber in der 14. Minute das Nachsehen gehabt hätte, als abermals Heinze mit einer sehr schönen Volleyabnahme das Leder in den rechten Winkel drosch. Doch Schiedsrichter Dennis Daniel gab diesen Treffer nicht! Anschließend dauerte es etwas, bis die „Men in Black“ - heute in roten Trikots ausgestattet - beinahe durch Marc Langer in Führung gingen, dessen Schuss nur Zentimeter links am Gehäuse vorbei sauste. Generell waren beide Mannschaft bemüht, ihre Angriffe bis zum Schluss auszuspielen, rannten sich aber zumeist in der gegnerischen Abwehr fest. Für die Gäste versuchte Amadou Fofana nochmal etwas Zählbares vor der Pause zu erwirken, als er es einfach mal aus 16 Metern probierte, aber Jäger vor keine große Herausforderung stellte (37.). Schöner anzusehen war der Abschluss von Stephan Funk. Sein Bergedorfer Teamkollege Felix Bender schlug eine Flanke von rechts, Funk drehte sich mit dem Rücken zum Tor und setzte zu einem unbedrängten Fallrückzieher an. Diese Einlage war wie aus einem Bilderbuch. Haltung in der Luft: Note 1; der Schuss mit dem Vollspann: Note 1; die Verwertung: Note 4, da der Ball zwar wie ein Strich, allerdings knapp über die Querlatte flog!

Starke Reflexe und versagte Nerven

Kurz bevor der Unparteiische zum Pausentee lud, kam dann aber nochmal der OSV zu einer riesigen Doppelchance, doch die "Elstern" hatten mit Stückler einen Schlussmann, der tolle Reflexe zeigte: Erst schoss Orcun Kaplan aus kürzester Distanz auf das Tor, doch der Keeper reagierte stark. Der Abpraller fiel vor die Füße von Dimitri Terestschuk, der es sofort aus elf Metern versuchte, aber ebenfalls an Stückler scheiterte, da sich dieser blitzschnell aufrappelte (40.)!

Wieder raus aus den Kabinen und rauf auf das Feld, kam das Heimteam besser ins Spiel. Die Kicker von Trainer Phelps erarbeiteten sich mehr Ballbesitz, weshalb sie durch Langer (59.) und Terestschuk (61.) zu Gelegenheiten kamen. Doch entweder ging der Schuss vorbei oder Torwart Stückler parierte glänzend. Auf der anderen Seite hätte dann aber die Auswärtsmannschaft von Trainer Jörg Franke eine Bude machen MÜSSEN! Eine flache Hereingabe von rechts flutschte durch die Hände von Jäger. Heinze kam zum Abschluss und setzte den Ball an den rechten Pfosten. Von dort prallte die Kugel zurück zu Paul Schäfer, dessen Schuss Jäger abklatschte. Wieder flog die Kugel zu Heinze, der völlig frei stand, während der Torwart noch auf dem Boden lag. Aber die Nerven versagten und der Bergedorfer brachte es fertig, das Spielgerät unbedrängt aus allerkürzester Distanz über das leere Gehäuse zu hämmern (67.)! Unglaublich!

„Schiedsrichter, magst Du uns nicht?“

Es ging hin und wieder auch mal verbal ruppig zu. Hier diskutierten Bergedorfs Justin Gauger und Cornelius Moussong miteinander. Foto: Mathias Merk

Anschließend wurde der Kampf härter und man merkte allen Spielern an, dass sie mehr als diesen einen Punkt wollten. Der Spielfluss litt jedoch zunehmend aufgrund einiger Unterbrechungen. Ein Foul in der 71. Minute dezimierte die Gastgeber, da Langer wegen Nachtretens die Rote Karte sah! In den darauffolgenden Minuten verwarnte der Schiedsrichter zudem noch zwei Oststeinbeker mit Gelb, weshalb sich Coach Phelps an der Trainerbank lautstark über den Referee aufregte und rief: „Schiedsrichter, magst Du uns nicht?“ Grund genug, um auch den Übungsleiter hinter die Barriere zu beordern! Nach dem Spiel teilte Phelps schließlich seine klare Meinung über den Unparteiischen mit: „Ich fand den Schiedsrichter einfach desolat. Das war eine divenhafte Art. Beim Fußball gibt es auf dem Platz Emotionen, wo er einfach Fingerspitzengefühl haben muss und das hatte er nicht. Er verweigerte mir sogar später den Handschlag! Ich finde, das sagt einiges aus. Entweder ich bin ein Sportsmann oder eben nicht!“

„Aus zwei Metern das leere Tor nicht zu treffen ist, schon eine Kunst"

In der Schlussphase der Begegnung gelang es der Phelps-Elf, selbst in Unterzahl sehr gut dagegen zu halten und sogar die letzte Chance des Spiels inne zu haben, jedoch köpfte Mike Graudegus eine „Bogenlampe“ nur hinter das Gehäuse (81.). Sonst kam nichts Nennenswertes mehr zustande und das Unentschieden wurde mit dem Abpfiff, zwei Minuten nach der Zeit, besiegelt. ASV-Trainer Franke war alles andere als unglücklich über die Leistung seiner Schützlinge: „Ich bin sehr zufrieden! Meine Erwartunge vor dem Spiel war, dass Oststeinbek Gas gibt und die Punkte unbedingt holen will, da sie im Abstiegskampf stehen. Bei uns fehlten immerhin fünf Stammspieler“, resümierte der erfahrene Coach, der dann aber doch noch einen Kritikpunkt fand: „Nach dem Platzverweis waren wir ein bisschen unruhig. Aber eigentlich müssen wir davor schon das Tor machen. Ich meine: aus zwei Metern das leere Tor nicht zu treffen, ist schon eine Kunst. Aber dennoch bin ich zufrieden. Dann holen wir eben gegen Schwarzenbek nochmal drei Punkte!“ Sein Gegenüber nimmt die Situation hingegen ganz nüchtern auf: „Mit dem Punkt müssen wir heute zufrieden sein. Jetzt schauen wir, wie die Konkurrenz am Wochende spielt, aber im Abstiegskampf wird das nochmal eine ganz enge Kiste.“

Autor: Mathias Merk

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