Oberliga

„Aus den letzten zwei Spielen nur zwei Punkte – das ist ungenügend“

12. Oktober 2020, 08:30 Uhr

Konsternierter Blick: Für Jean.Pierre Richter und die TuS Dassendorf läuft es aktuell (noch nicht) rund. Foto: Bode

Die Bilanz liest sich genau gleich: So wie der TSV Buchholz 08, der Gegner des zurückliegenden Wochenendes, hat auch die TuS Dassendorf derzeit acht Punkte aus vier Spielen auf ihrem Konto. Doch die Stimmungslage bei den beiden Clubs könnte eigentlich unterschiedlicher nicht sein. Während sich bei de Nordheidern die Freude über den unerwartet guten Saisonstart breit macht, muss man auf Seiten des Serienmeisters zu dem Schluss kommen: Es läuft (noch nicht) rund. Auch, wenn dies bei einem vierten Platz nach vier absolvierten Begegnungen der neuen Spielzeit nur eine Momentaufnahme, Jammern auf hohem Niveau und sprichwörtlich weder ein Hals- noch ein äußerst komplizierter Beinbruch ist. Dennoch, um im Medizinjargon zu bleiben: Bei 100 Prozent ist der Patient vom Wendelweg noch nicht, und „Doktor“ Jean-Pierre Richter weiß um Gründe, Risiken und Nebenwirkungen.

„Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Im Fußball willst du als Mannschaft zeigen, dass du besser bist“, beginnt der Dassendorfer Coach bei der Suche dafür, warum es derzeit bei der TuS hier und da noch holpert, beim banalsten aller Punkte. So weit, so gut – doch schon im nächsten Satz geht Richter ins Detail: „Ich glaube, dass wir derzeit einen zu hohen Aufwand betreiben müssen, um eigene Tore zu erzielen. Wenn man den Aufwand sieht, den wir in den letzten Wochen betreiben, um überhaupt ein Tor im Spiel zu erzielen, dann muss man sagen. Es ist ein Wahnsinn, wie viel Ballbesitz und Tormöglichkeiten wir dazu benötigen“, sagt „JPR“ und ergänzt in Bezug auf das Spiel gegen Buchholz vom zurückliegenden Samstag: „Es ist klar, dass aufgrund der Konstellation und Spielphase auch auf der anderen Seite mal ein Treffer drin ist. Wir haben ein paar Minuten – oder Szenen – in denen Buchholz mit qualitativ guten Fußballern gute Umschaltmomente hatte. Aber man hat gesehen, dass wir gewillt waren, zu zeigen, dass wir es besser als in der letzten Woche machen wollen.“

„Die Unzufriedenheit ist da: Acht Punkte aus vier Spielen – das ist sicher nicht unser Anspruch“

Die Dassendorfer Offensive um Maximilian Dittrich (vo.) benötigt derzeit zu viele Chancen, um zum Torerfolg zu kommen. Foto: Bode

In besagter Woche spielte Dassendorf gegen den Bramfelder SV, nach Meinung der Experten eindeutig ein Kandidat für die Abstiegsrunde und den Gang in die Landesliga am Saisonende, wie auch jetzt gegen Buchholz „nur“ 1:1. „Aus den letzten zwei Spielen nur zwei Punkte – das ist ungenügend“, macht Richter deutlich klar und nimmt bei seiner Suche nach Ursachen erneut das Spiel gegen die Nordheider als Grundlage für seine Ausführungen: „Wir wussten um den Aufbau des Gegners, wir wussten wann und wie wir in Ballbesitz kommen wollten und auch, wo wir gezielt Ballbesitz haben wollten. Viel besser als in der ersten Halbzeit kann man es gar nicht umsetzen – außer im eigenen Ballbesitz 20 Meter vor dem gegnerischen Tor.“ Da, so „Jonny“ weiter, „ist ein Schnitt im Spiel. Das ist keine Kinderkankheit. Da fehlt uns einfach auch die Teamqualität, so etwas über 90 Minuten abzurufen. Es darf uns in einem Heimspiel nicht passieren, dass wir die zweite Halbzeit so verlieren. Wir können bei der einen oder anderen Umschaltaktion auch noch den zweiten Treffer kriegen. Wenn wir die Chancen hochrechnen, dann hätte – glaube ich – mit Maximilian Dittrich oder dem einen oder anderen aber auch auf der anderen Seite noch ein Treffer fallen müssen.“

„Wir sind derzeit als Team hinten nicht in der Lage, die Null zu verteidigen“

HInten, so Coach Richter, fehlt es dem team derzeit an der Qualität, die Null zu halten. Foto: Bode

Fiel er aber nicht – uns so tituliert Richter diesen Zustand auch ganz offen als „ungenügend“ und macht keinen Hehl daraus, dass am Wendelweg derzeit nicht alles eitel Sonnenschein ist. „Die Unzufriedenheit ist da: Acht Punkte aus vier Spielen – das ist sicher nicht unser Ansoruch“, zieht „JPR“ nach den ersten Spielen ein kleines Zwischenfazit. Dennoch: „Ich gehe davon aus, dass wir die Meisterrunde erreichen. Wir werden jedenfalls alles daran setzen. Hinten raus wird es dann ein Schlussspurt mit sieben Spielen. Für uns hat es aber alles nichts mit dem Modus zu tun: Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, fügt der 33-Jährige hinzu. „Wir haben in der Trainingswoche vor dem Buchholz-Spiel darauf hingearbeitet, das, was uns in Bramfeld gefehlt hat, dieses Mal besser zu machen“, erklärt Richter. Doch der A-Lizenz-Inhaber sieht auch: „Letztlich muss dafür der Ball in der richtigen Position auch richtig verwertet werden. Da haben wir noch deutlich Defizite und das macht dann auch unsere Ergebnisse zuletzt aus.“ Zudem, so Richter abschließend, „sind wir hinten als Team derzeit nicht in der Lage, die Null zu verteidigen. Und mit den Chancen vorne gehen wir eben ungenügend um.“ Nur gut, dass vorne Neuzugang Martin Harnik – er fehlte gegen Buchholz wegen seines Trainingsrückstandes noch – am kommenden Samstag im Auswärtsspiel beim FC Süderelbe vielleicht eine weitere Alternative ist... 


Jan Knötzsch

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