Oberliga

Angestachelt, heiß gelaufen – und „eklig weggerotzt“: Wallner bringt die Würze, Kramer krönt Kurzeinsatz!

09. September 2022, 23:11 Uhr

"Schreib auf: 'Mandelkau knipst zwei Spiele hintereinander'", scherzte der verletzte Lion Mandelkau (li.) nach dem Siegtreffer von Malik Kramer, der mit seinem Trikot auflief. Foto: Bode

„Lenny, ganz entspannt jetzt“, warnte Marius Nitsch seinen Linksverteidiger Lennard Wallner, sich nicht auf die verbalen Scharmützel von Maurizio d'Urso einzulassen. Der Kapitän des Hamm United FC, der in der Saison 2015/16 mit Wallner zusammen bei Concordia Hamburg kickte, forderte seine Teamkollegen nach einer guten Stunde dazu auf, immer wieder über die rechte Angriffsseite zu spielen. „Mauri“ d’Urso machte Wallner als Schwachpunkt beim USC Paloma aus. In der Folge lieferten sich beide Akteure einige heiße Duelle (alle Highlights im LIVE-Ticker). Und Wallner hielt mit sehr viel Körperlichkeit dagegen. So viel, dass er nach 72 Minuten von Referee Dr. Gerrit Breetholt (GW Eimsbüttel) den gelben Karton sah. Natürlich nach einem Foulspiel an d’Urso…

Lieferten sich in der zweiten Halbzeit einige heiße Duelle - auch verbal: Lennard Wallner (li.) und Maurizio d'Urso. Foto: Bode

„Das ganze Spiel jetzt über ihn – nun hat er seine Gelbe“, stieg auch Hamm-Coach Sidnei Marschall in das Wortgefecht ein. Und so musste Nitsch seinen heiß gelaufenen Linksverteidiger ins Gebet nehmen. Hinterher erklärte er auf der Pressekonferenz: „Bei ‚Lenny‘ habe ich jede Woche die Bedenken. Er ist vom Typ her halt so und man wird es auch nicht ändern können. Ich fand aber eher, dass ihn das so ein bisschen angestachelt hat und er dadurch nochmal einen Tick besser ins Spiel gekommen ist, weil er gemerkt hat, dass sich der Gegner in der Phase sehr mit ihm beschäftigt hat“, so der USC-Übungsleiter über den 26-Jährigen, der oft auf dem schmalen Grat „zwischen Genie und Wahnsinn“ wandelt. „Manchmal muss man ihn da einfangen“, gestand Nitsch.

18-jähriger Jungspund setzte den "Lucky Punch"

Der gegen Sasel so stark auftrumpfende Georges Essaka (Mi.) - hier gegen Marco Schroeder - kam diesmal nicht zur Geltung. Foto: Bode

Allerdings betonte er auch: „Das sind zwei Spieler, die emotional sind. Letztendlich war da alles in Ordnung und es gehört auch ein Stück weit dazu, dass man das leidenschaftlich annimmt.“ Gesagt, getan. Wallner hielt nicht nur dagegen, sondern spielte 60 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit den alles entscheidenden öffnenden Pass auf Can Luka Topcu. Der Offensivakteur, der die „Tauben“ Ende des Monats studienbedingt in Richtung Köln verlassen wird, brachte den Ball von der linken Seite vor den Kasten. Freund und Feind rauschten an der Kugel vorbei – aber am zweiten Pfosten lauerte der kurz zuvor eingewechselte Malik Kramer und setzte den „Lucky Punch“ (89.)!

"Wir wissen, was für ein Potenzial er hat"

Nach einem Check von Wallner, der ungeahndet blieb, musste "Mauri" d'Urso kurz behandelt werden. Foto: Bode

„Ich glaube, heute hätte keiner drei Punkte verdient gehabt“, befand Marschall – und fügte an: „Ich dachte, der Ball ist schon im Aus. Dass er den noch reinbekommt, war für mich ein bisschen überraschend.“ Ausgerechnet Youngster Kramer sorgte für den einzigen Treffer vor 203 Zuschauern im Hammer Park und ließ den USC jubeln. Sehr zur Freude von Nitsch: „Er hat eine Tortur an Arztbesuchen hinter sich. Wir wissen, wie wichtig er sein kann und was für ein Potenzial der Junge hat. Deshalb haben wir ihn auch schon letztes Jahr hochgezogen“, forderte er den gerade mal 18-Jährigen dazu auf, „geduldig dran zu bleiben“.

"Ich glaube, es war heute sehr einfach gegen uns zu spielen"

Der "Lucky Punch": Aus ganz spitzem Winkel behält Malik Kramer (re.) die Ruhe und trifft zum 1:0-Sieg für die "Tauben". Foto: Bode

Generell könne er sich „in der aktuellen Situation auf jeden verlassen. Egal, wer ausfällt – wir sind da und können auch so ein Spiel mal eklig 1:0 wegrotzen“, strahlte Nitsch. „Es war sicher nicht das ansehnlichste Spiel für den neutralen Zuschauer, sondern eher ein Abnutzungskampf und 90 brutale Minuten von der Intensität.“ Mit dem besseren Ende für die Uhlenhorster. „Ich glaube, es war heute sehr einfach gegen uns zu spielen, weil wir zu wenig gemacht haben“, gab Marschall unumwunden zu – und meinte sogar: „Es kommt nicht oft vor, dass ich dem gegnerischen Trainer zustimme. Aber heute habe ich dem eigentlich nichts hinzuzufügen. Du hast es auf den Punkt gebracht“, entgegnete er auf das Statement von Nitsch.

"Du bist schuld, Sid"

Der 18-jährige Matchwinner Malik Kramer konnte sein Glück kaum fassen und blickte etwas ungläubig drein. Foto: Bode

Beide Torhüter hätten „keinen Ball halten müssen“, so Marschall, der deshalb der Meinung war: „Letzte Woche hätten wir es eher verdient gehabt, zu verlieren. Aber da haben wir gekämpft, getan und gemacht. Heute war das einfach zu wenig“, zeigte er sich davon auch überrascht. Auf Nachfrage, ob das an der taktischen Ausrichtung gelegen habe, konterte Hamm-Präsident Jörn Heinemann mit einem dicken Augenzwinkern: „Ja, du bist schuld, Sid!“ Doch am Ende beendeten eine undurchsichtige Situation, ein angestachelter Spieler und ein Youngster die saisonübergreifend zwölf Spiele andauernde Ungeschlagen-Serie der „Geächteten“…

Die komplette PK mit beiden Trainern im Video:

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren