Bezirksliga 06

Am Blomkamp brennt die Luft: Zehn Tore, acht Gelbe, drei Rote!

04. Oktober 2021, 16:50 Uhr

Die Entscheidung: Jeremy Rossbach (li.) überwindet Moritz Kühn und markiert das Osdorfer 6:4. Foto: Klaas Dierks

Am Samstagnachmittag, nicht lange nach „Highnoon“, trafen sich am Blomkamp die U23 vom TuS Osdorf und die Liga-Mannschaft der Alsterbrüder zum Spitzenspiel in der Sechser-Staffel der Bezirksliga. Am Tag zuvor hatte die Oberliga-Mannschaft des TuS den HSV III mit 9:1 unter tatkräftiger Beteiligung von Bennet Krause nach Hause geschickt. Krause wurde für sein 1000. Spiel in fast 26 Jahren Osdorf unter anderem mit einem eigenen Banner geehrt. Auch von dieser Seite einen herzlichen Glückwunsch!

Osdorfs prominente Liga-Leihgabe Jeremy Wachter (Mi.) versucht es per Heber - zu ungenau. Foto: Klaas Dierks

Einen Tag später steht Bennet Krause als engagierter Trainer der Osdorfer U23 an der Seitenlinie und zeigt auch hier vorbildlichen Einsatz. Osdorf hat als Vierter nur einen Punkt Rückstand auf den Tabellennachbarn vom FC Alsterbrüder und kann den Kontrahenten mit einem Sieg vom dritten Platz verdrängen. Die Alsterbrüder würden mit einem Sieg bei entsprechendem Ausgang der anderen Partien sogar punktgleich mit dem Spitzenreiter Falke auf den zweiten Platz vorrücken. In der Vorbesprechung hatte der Trainer der Gäste noch darauf hingewiesen, besonnen und wachsam in die Anfangsminuten der Partie gegen Osdorf hineinzugehen. Pustekuchen.

Osdorf mit drei Liga-Leihgaben - darunter Wachter

Kaum hatte sich der Fan-Anhang der Osdorfer und der Alsterbrüder in der mittäglichen Sonne seinen Platz gesucht, da lagen die Gäste bereits durch ein feines Tor von Nando Ehlert über links im Rückstand (1.). Die Alsterbrüder, eher bekannt als Team der späten Tore, ließen sich aber nicht beirren und schlugen nur zwei Minuten später durch Antonio Pabst – nach Vorarbeit durch Tim Algner – zurück und markierten den Ausgleich. In der Folge entwickelt sich eine muntere Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Die Osdorfer haben sich mit drei Spielern aus der Ersten Mannschaft verstärkt: Kevin Trapp und Jannik Ahrens sollen hinten für Ordnung sorgen, vorne wirbelt Jeremy Wachter, der noch gesundheitlich leicht angeschlagen ist, aber in der 20. Minute die Chance zur Führung hat. Allein vor Torwart Kühn ist sein Heber jedoch zu ungenau.

Unglückliches Eigentor bringt den Ausgleich

Luca Drude (li.) bringt die Alsterbrüder mit 2:1 in Front. Foto: Klaas Dierks

Drei Minuten später machen es die Alsterbrüder besser. Wieder ist Algner beteiligt. Er bekommt den Ball aber nicht im Kasten unter. Das besorgt der ewig fleißige Luca Drude, der nicht aufgibt, nachsetzt und aus fünf Metern überlegt und überlegen trifft. Partie gedreht. Großer Jubel auf dem Platz und bei den Fans der Alsterbrüder. Doch der Jubel währt nicht lange. Nur drei Minuten später auf der anderen Seite: wie macht er das bloß? Osdorfs Gianluca D‘Agata sieht eine Lücke, wo eigentlich keine ist, geht im Strafraum an zwei Alsterbrüdern vorbei. Der Ball kommt fast von der rechten Grundlinie ins Zentrum, wo bereits ein Stürmer wartet, doch der kommt nicht mehr an den Ball. Den befördert Philipp Dechow selbst an Kühn vorbei in höchster Bedrängnis beim Klärungsversuch ins eigene Netz. Das ist der Ausgleich (23.).

Golinski-Traumtor zur Pausenführung

Gianluca D'Agata (Mi.) tankt sich durch zwei Gegenspieler hindurch. Foto: Klaas Dierks

Und nun jubeln die Rot-Weißen. In der 35. Minute bedient Trapp Marlon Golinski mustergültig. Der ist im Sechzehner, nähert sich, bedrängt von einem Gäste-Akteur, dem rechten Eck des Fünfmeterraumes und zieht einfach mal volley ab. Der Ball geht über Kühn, der sich vergeblich lang macht, hinweg und schlägt am linken Pfosten ein. Traumtor. Spiel gedreht. Osdorfer Jubel. Nur drei Minuten später hat Ehlert das 4:2 auf dem Fuß, verzieht aber. Und in der 45. Minute rettet Leny Akpu vor dem einschussbereiten Golinski. So bleibt es beim 3:2 zur Halbzeit. Puh, jetzt heißt es durchschnaufen, runterkommen. Ein Duell auf Augenhöhe. Und für neutrale Zuschauer ein Fest.

Alsterbrüder-Trainer Gunnar Hitscher schwört sein Team auf die zweite Halbzeit ein, erinnert an die letzten Spiele, die die Alsterbrüder alle ab der 85. Minute noch zu ihren Gunsten gedreht haben. „Wir kriegen unsere Chancen! Wir müssen sie nur nutzen.“ So entlässt er sie in die zweite Halbzeit. Ob Bennet Krause sein Team vor den Endspurtqualitäten der Gäste gewarnt hat?

"War das gewollt? Keine Frage!"

Nach einer Partie auf Augenhöhe verschiebt sich das Gewicht der Kräfte zunehmend zu Gunsten von Osdorf. In der 57. Minute bekommen die Gäste den Ball auf ihrer rechten Seite nicht geklärt, das Spielgerät findet den Weg zum zentral postierten Till Börner, der zur zweiten Halbzeit gekommen ist. Der steht am Sechzehner und schiebt den Ball abgeklärt flach ins rechte Eck. Keine Chance für Kühn. 4:2. Frage von einem Zuschauer: „War das gewollt?“ Antwort aus den Reihen der Fans „Keine Frage!“

Philipp Dechow (li.) befördert die Kugel unglücklich in die eigenen Maschen - 2:2. Foto: Klaas Dierks

In der Folge bleiben die Alsterbrüder nicht ohne Chancen, den Rückstand zu verkürzen. Osdorf hat weitere Möglichkeiten, den Spielstand zu erhöhen. Das gelingt aber erst in der 80. Minute. Nachdem sich ein Osdorfer in abseitsverdächtiger Position befunden hat, flankt er gekonnt über die Breite des Platzes auf den links lauernden Leon Tebes, der aus vier Metern wuchtig zum 5:2 einnetzt. Jetzt dürfte der Drops doch wohl gelutscht sein? Mitnichten. Nur drei Minuten später schlagen die Alsterbrüder zurück. Mal wieder ist es Emmanuel Kontor, der in der Schlussphase die Nerven bewahrt und aus fünf Metern zentraler Position Tjorven Foerste im Tor keine Chance lässt. 5:3. Geht da noch was? Und ob! Fast scheint es so, als hätten die Osdorfer das Verteidigen eingestellt. Einzig der Einsatz von Keeper Foerste und ein wenig Glück auf Seiten der Platzherren lässt die Alsterbrüder verzweifeln. Die Chancen für ein erneutes Comeback des Teams für späte Tore sind jedenfalls da.

Auf 4:5 verkürzt: Alsterbrüder schlagen zurück

Was für ein Tor! Marlon Golinski (re.) jagt die Kugel über Kühn hinweg zum 3:2 ins Osdorfer Glück. Foto: Klaas Dierks

Noah Freyers Pass in aussichtsreicher Position findet keine Abnehmer, dann prallen Torwart Foerste und ein Spieler der Alsterbrüder im Strafraum zusammen, der Torwart bleibt angeknockt liegen, die Alsterbrüder und ihr Anhang fordern verzweifelt und nicht ganz unberechtigt Strafstoß. Doch nach längerer Behandlungspause entscheidet der Schiri auf Einwurf für die Alsterbrüder. Der kommt von rechts in den Fünfmeterraum. Drei Meter vom Tor kann Trapp den Versuch von Dechow noch blocken, aber Freyer reagiert gedankenschnell in Torjäger-Manier und pikt den Ball in die Maschen zum 5:4 in der 89. Minute. „Das darf doch nicht wahr sein!“, denken die einen, die anderen träumen vom „Wunder am Blomkamp“ und rechnen aufgrund der zahlreichen Unterbrechungen mit mindestens acht Minuten Nachspielzeit. Es gibt aber nur fünf. Die Alsterbrüder stehen hinten blank. Jeder Fehler kann nun fatale Folgen haben.

Roßbach macht den Deckel drauf

Nach seinem 1000. Spiel für den TuS Osdorf am Freitagabend feierte Bennet Krause auch am darauffolgenden Tag eine emotionale Achterbahnfahrt als Trainer. Foto: Klaas Dierks

Emmanuel Kontor hat den Ausgleich auf dem Fuß, der Ball ist nicht einfach. Aus der Luft nimmt er ihn direkt aus zwei Metern, aber Foerste steht richtig und pariert. Die Luft brennt am Blomkamp. Gian-LUca Verago steht frei vor Foerste. Zu schwach. Der Keeper hält. Fällt der Ausgleich oder fällt er nicht? Ein Befreiungsschlag gen Mittellinie kann von einem Alsterbruder nicht kontrolliert werden. Der Ball findet seinen Weg zu Börner, der den ebenfalls eingewechselten Jeremy Roßbach sieht – und dieser hat keine Mühe mehr, den Ball im leeren Tor der Alsterbrüder unterzubringen (90+4). Das war es jetzt doch wohl endgültig? Nein! Foerste mit Monster-Save gegen den Kopfball von Dechow aus drei Metern. Dann blockt ein Osdorfer Spieler den letzten Versuch von Verago im Fünfmeterraum. Dann erst ist Abpfiff. Aber noch nicht Schluss.

Wachter fliegt: Drei Rote Karten nach Spielschluss!

TuS-Keeper Tjorven Foerste (Mi.) zeigte einige starke Paraden - wie hier gegen Emmanuel Kontor. Foto: Klaas Dierks

Leider entwickelt sich nach dem Abpfiff ein Wortgefecht mit Rudelbildung und Geschubse. Obwohl Spieler und Betreuer beider Mannschaften die Streithähne versuchen, auseinander zu ziehen, ist es zu spät, um folgenlos zu bleiben. Zwei Spieler des TuS Osdorf, Marlon Golinski und der erfahrene Jeremy Wachter, bekommen glatt Rot und auch Emmanuel Kontor von den Alsterbrüdern wird der rote Karton gezeigt. Damit ist Wachter auch für Einsätze in der Oberliga gesperrt. Schade! Schade! Schade! Ein unpassendes Ende einer tollen Partie. Warum man für eine solche Partie einen sehr jungen Assistenten an die Linie stellt, der sein erstes Spiel auf diesem Niveau macht, erschließt sich mir nicht ganz. Auf alle Fälle kann ich ihm als neutraler Beobachter nur attestieren: „Gut gemacht, Herr Karow!" 


Zum nächsten Spiel muss Osdorf zum punktgleichen Tabellenzweiten Teutonia 05, während der FC Alsterbrüder zuhause den SV Lurup empfängt. Der Tabellenzweite hat am Blomkamp gegen Osdorf ein 3:3 erreicht. Man darf gespannt sein!

Klaas Dierks

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