Bezirksliga West

Alsterbrüder II unterliegt wuseligen Wedelern

30. September 2020, 08:05 Uhr

Artistisch versucht es Roland-Torjäger Baris Ayik (re.) per Fallrückzieher. Foto: Klaas Dierks

Am Sonntag um 14 Uhr empfing Roland Wedel die Alsterbrüder II zum ersten Ligaspiel der Saison im Elbe-Stadion bei Nieselregen unter grauem Himmel. Bei den Gästen schaut der derzeit verletzte Tim Aigner bei seinen ehemaligen Mannschaftskollegen vorbei (jetzt Alsterbrüder I), die bereits in der dritten Minute nach einer umstrittenen Elfmeterentscheidung durch ein Tor von Constantin Weis in Rückstand geraten. Es entwickelt sich ein relativ ausgeglichenes Spiel. 

In der 26. Minute dann ein erneuter Elfmeterpfiff. Diesmal deutlich weniger umstritten. Wieder läuft Weis an und schießt scharf ins rechte untere Eck, doch Alsterbrüder Torwart Henry Voßberger pariert stark, kann aber nicht verhindern, dass Sturmtank Baris Ayik den Nachschuss zum 2:0 in die Maschen setzt.

Beim Freistos zum 1:2-Anschlusstreffer war Wedel-Fänger Kadir Katran mal geschlagen. Foto: Klaas Dierks

Die Alsterbrüder beweisen Moral und kommen, vor allem immer wieder durch Kapitän Sönke Schal, zu mehr oder minder zwingenden Möglichkeiten. Aber wie schon in der Vorwoche im Holsten-Pokal gegen Lurup II fehlt aus dem Spiel heraus zu oft die Durchschlagskraft nach vorne. Gefährlicher sind die Eimsbütteler nach Standardsituationen. Aber der oberligaerfahrene und langjährige Torwart der Wedeler Abdil Kadir Katran beweist ein ums andere Mal Auge und ruhige Entschlossenheit, mit der er die Gefahrenmomente entschärft, wenn nicht zuvor schon ein Wedeler Abwehrspieler klärend eingreift. Angetrieben durch den nimmermüden Hüseyin Ayik, der unter anderem Baris Ayik und Fatih Arslan gekonnt in Szene setzt, kommt auch Wedel gefährlich vor das Tor des Gegners, ohne jedoch eine Resultatsverbesserung zu erreichen. 

Der Ball zappelt im Netz - Tugay Hayran (re.) bejubelt das 2:1 seiner Rolandstädter. Foto: Klaas Dierks

Unzufrieden mit sich gehen die Alsterbrüder in die Pause, während der Trainer der Wedeler, Olaf Elling, sich wünscht, dass seine Spieler in der ersten Hälfte häufiger den Abschluss auf dem seifigen Geläuf gesucht hätten. Diesen Wunsch gibt er seinen Spielern als Rat mit auf den Weg in die zweite Halbzeit, in der sich das Spiel anfangs ähnlich wie in der ersten Hälfte gestaltet. Das kämpferische Moment bekommt nun allerdings mehr Gewicht, und die verletzungsbedingten Unterbrechungen häufen sich, ohne dass man das Spiel als besonders unfair bezeichnen könnte. Im Gegenteil, als sich nach einem Zweikampf ein Alsterbruder ohne Schuld des Gegners so schwer verletzt, dass er ausgetauscht werden muss, hilft der Wedeler Spieler Ismail Ayik dem Gegner uneigennützig vom Platz (54.). Die Alsterbrüder entwickeln jetzt mehr Druck nach vorne. Erst vereitelt Torwart Katran eine gute Möglichkeit, den zweiten Versuch klärt Ismail Ayik per Kopf vor der Linie.

Jubel auf der einen, Verzweiflung auf der anderen Seite: Zweimal binnen zwei Minuten rettet Katran (li.) gegen Sönke Schal. Foto: Klaas Dierks

Der Druck auf den Gastgeber wächst, die Freistöße in Tornähe nehmen zu. In halbrechter Position, 23 Meter vom Tor der Wedeler entfernt, führt Benedikt Schütt einen solchen in der 65. Minute aus. Trocken und ohne viel Federlesen fliegt das Geschoß an Mauer und Torwart halbhoch rechts ins Tor. Das Ding sitzt und Katran grämt sich. Drei Minuten später hat Schal die Möglichkeit zum Ausgleich. Aus ca. 14 Metern aus halblinker Position abgezogen verfehlt die Kugel den Kasten nur knapp. Es scheint, als wären die Alsterbrüder dem Ausgleich nun näher als Wedel dem dritten Tor zu ihren Gunsten. Da klären die Alsterbrüder auf Kosten einer Ecke. Die wird zur Überraschung der Eimsbütteler kurz ausgeführt. Unbedrängt kann der auch sonst starke Kapitän der Roland-Städter, Tugay Hayran, in die Mitte flanken, wo der Ball in Jason Urban einen dankbaren Abnehmer findet, der den Ball zum entscheidenden 3:1 in die Maschen köpft (71. Minute). Etwas verblüfft, aber erleichtert applaudieren seine Mannschaftskollegen dem Torschützen, der ansonsten eher vom Fuß gebraucht macht. 

Harte Duelle um den Ball - meist mit dem besseren Ende für die roten Wedeler. Foto: Klaas Dierks

Kurz darauf verletzt sich Wirbelwind Hüseyin Ayik nach einem Zweikampf unglücklich an der Schulter, versucht es nochmal, muss dann aber ausgewechselt werden. Das sieht nicht gut aus. Im Krankenhaus wird er erfahren, wie lange er seinem Team nun fehlen wird. Von dieser Stelle aus beste Genesungswünsche! Für den Rest des Spiels entblößen die Gäste zunehmend ihre Verteidigung, um vorne noch mehr Druck zu entwickeln. Torwart Voßberger gibt jetzt auch den Libero und muss seine Grundschnelligkeit verschiedentlich in Sprintduellen mit den Wedeler Angreifern unter Beweis stellen. Er schafft es in der Folge seinen Kasten sauber zu halten. Aber auch sein Gegenüber Abdil Katran hält den Kasten dicht, u.a. zweimal spektakulär gegen Schal in der 90 Minute und in der Nachspielzeit. So bringen die Wedeler ihren ersten Saisonsieg unter Dach und Fach. Die Alsterbrüder müssen nun bis nächste Woche gegen Hasloh warten, und hoffen, dass sie dann endlich punkten werden. Wedel fahren zum SV Lieth. Edel-Fan und Vereins-Urgestein Bernd Ockelmann, der die Wedeler seit fast 65 Jahren als Spieler, Trainer, Betreuer und Fan begleitet, meint dazu: "Wenn die Jungs noch etwas überlegter und ruhiger zu Werke gehen, sind auch da drei Punkte drin!"


Klaas Dierks

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