Bezirksliga 02

Als Spieler und als Trainer: Huremovic schreibt ETSV-Geschichte – „Landesliga nur eine Zwischenstation“!

22. April 2022, 23:32 Uhr

Der ETSV Hamburg feiert die Meisterschaft in der Bezirksliga 2. Foto: MSSP-Sportphoto

Um 20:50 Uhr war es perfekt: Als Schiedsrichter Lennart Vincent Lehmann (SV Halstenbek-Rellingen) nach einem Abschlag von Börnsen-Keeper Jan Mehlhorn (alle Highlights des Spiels im LIVE-Ticker) seine Pfeife in den Mund nahm, war längst alles vorbereitet, aber eben noch nicht offiziell. Bis zu eben jenem Zeitpunkt des Abpfiffs. Zunächst fiel die Freude bei Spielern und Offiziellen des ETSV Hamburg recht verhalten aus. Doch dann begann die Feier-Arie in der „Eisenbahn-Arena“…

Die Väter des Erfolgs: Jassi Huremovic (re.) und sein Co-Trainer Matthias Märtens (li.). In der Mitte Verteidiger Mark Brudler. Foto: MSSP-Sportphoto

Seit dem Spielende waren gut sieben Minuten vergangen, in denen ETSV-Erfolgsmacher Jassi Huremovic der berühmt-berüchtigten Bierdusche entkam. Doch dann war es so weit: Von Alessandro Schirosi und Klaas Kohpeiß festgezurrt, gab’s für den Trainer und Manager in Personalunion kein Entkommen mehr. Aus einem überdimensionalen Weizen-Glas bekam Huremovic gleich zweimal ordentlich einen „eingeschenkt“. Irgendwie passend. Schließlich ist es für den 53-Jährigen das zweite Intermezzo am Mittleren Landweg. Und zum zweiten Mal war und ist es von Erfolg gekrönt. „Ich habe mir sagen lassen, dass der letzte Aufstieg in die Landesliga vor 33 Jahren war“, berichtete Huremovic, der damals als Jungspund für die Eisenbahner kickte und von dort zum großen AFC wechselte – während der ETSV ein Jahr später direkt wieder abstieg.

"Bin froh, ein ein Stück zurückgegeben zu haben"

Adam Hamdan (ob.) verpasst dem auf dem Boden sitzenden Domagoj Bozic eine Sektdusche. Foto: MSSP-Sportphoto

„Heute habe ich das große Glück, als Trainer nochmal den gleichen Weg zu gehen, wie damals als Spieler. Ich bin froh, dass ich ein Stück von dem, was mir der Verein damals auf dem Weg zu Altona 93 gegeben hat, zurückgeben kann“, strahlte Jassi – und fügte an: „Das ist vielleicht der erste Schritt – und der nächste folgt im nächsten Jahr...“ Eine Aussage, die auch auf den Slogan, der auf den Meistershirts prangerte, bezogen war. Dort hieß es nämlich: „Next Stop, Landesliga!“ Ist die nächsthöhere Spielklasse also nur eine Zwischen- oder gar Durchgangsstation? Darauf angesprochen, nahm Huremovic kein Blatt vor den Mund.

"Die Landesliga ist für uns auf absehbare Zeit nur eine Zwischenstation!"

Sein offenes Statement: „In der Bundesliga sagt man immer, dass man kurz nach dem Spiel keine Interviews führen soll. Aber ich habe weder zu viel getrunken noch bin ich so euphorisiert, dass ich nicht weiß, was ich tue oder sage. Von daher: Die Landesliga ist für uns auf absehbare Zeit nur eine Zwischenstation! Unser ganz klares Ziel ist die Oberliga!“ Und weiter: „Da kann man sich nun wieder dran hochhängen oder auch nicht – das ist uns völlig egal. Wir werden hier einen Kader auf die Beine stellen, mit dem wir in der Landesliga auf jeden Fall die Meisterschaft mitentscheiden. Wenn wir es selbst nicht werden, dann wird der Weg nur über uns führen! Das ist nicht arrogant oder von oben herab, sondern mit vollem Respekt gesagt. Denn ich bin der Meinung, dass die neue Landesliga eine der stärksten überhaupt sein wird. Da wird einem jedes einzelne Spiel alles abfordern und es wird nicht reichen, wenn man sich nur auf seine individuelle Qualität verlässt, sondern da muss es im ganzen Team passen.“

Hamdan holt die Shisha raus

Marcel Schwarck mit Shisha, Meisterschale und dem leeren Bierglas. Foto: MSSP-Sportphoto

Nun habe man „ein paar Wochen Zeit, um genau daran zu arbeiten. Und den ‚Step‘ wollen wir gehen“, so Huremovic, dessen Eisenbahner in einem einseitigen „Meisterschaftsspiel“ gegen einen hoffnungslos unterlegenen und überforderten SV Börnsen (7:0) keinerlei Mühe hatten. Während die Senioren des Vereins, die auch nach der Partie für ordentlich Stimmung sorgten, nach dem zwischenzeitlichen 5:0 in der 68. Minute ein Glückwunsch-Banner zur Meisterschaft am Zaun hinter dem Tor anbrachten und die erste (Aufstiegs-)Rakete in Minute 79 gen Abendhimmel stieg, geduldeten sich die Spieler bis kurz vor Ultimo und bewahrten des Respekt vor dem Gegner. Als offiziell noch sechs Minuten zu gehen waren, wurden die Meistershirts schließlich aus den Kartons geholt. Der ausgewechselte Adam Hamdan kam mit einer Shisha aus der Kabine zur Bank, auch die Musikbox durfte nicht fehlen.

Huremovic dankt Börnsen: "Respekt, dass sie uns diesen Rahmen geboten haben"

Da war das überdimensionale Glas noch halbvoll. Aber Marcel Schwarck hat die richtige Position zum Ausleeren gefunden. Foto: MSSP-Sportphoto

Danijel Suntic eröffnete per Rechtsschuss (!) den Torreigen (20.). Alessandro Schirosi (32., 79.), Klaas Kohpeiß (38., 65., 71.) und Bajram Nebija (65.) rundeten den 7:0-Kantersieg ab. Trotz aller Feierlichkeiten und Meisterschaftsfreuden betonte Huremovic: „Erst einmal bin ich wirklich heilfroh, dass Börnsen hier angetreten ist. Ich habe die ganze Woche über mit den Verantwortlichen Kontakt gehabt und wusste um die Personalprobleme. Deshalb gebührt dem Verein und den Offiziellen mein Respekt. Vielen Dank, dass sie uns den Rahmen geboten haben, so Meister zu werden – und nicht auf dem Sofa. Das wäre nach so einer beschissenen und beknackten Saison wirklich das Allerschlimmste gewesen“, sprach er auf die ständigen Corona-Beschränkungen an.

"Wir wurden vom ersten Tag abgestempelt und haben alle Kritiker Lügen gestraft"

Die Bierdusche für den großzügigen Sponsor (Mi.) der Eisenbahner durfte auch nicht fehlen. Foto: MSSP-Sportphoto

Anschließend erklärte Huremovic, dass er sich „für den Verein, der es mehrere Jahre versucht hat“, freuen würde, „dass es mir nun nach meiner Rückkehr geglückt ist. Das ist der Hammer! Allen Jungs einen großen Dank – denn das ist nicht selbstverständlich in einer so ungewöhnlichen Saison, die jeder von uns lange im Kopf behalten wird. Ich glaube, das hatte mit sportlichen Duellen nicht so wirklich was zu tun und war auch nicht leicht. Aber die Jungs haben das gut gemacht. Wir waren immer die Gejagten – aber das haben wir uns vor der Saison selbst ausgesucht.“

Den vielen Unkenrufen zum Trotz, entgegnete der ETSV-Meistermacher mit einer klaren Botschaft: „Es ist sehr einfach, sich hinzustellen und zu sagen: ‚Das ist eine Millionentruppe, die hat keinen Charakter und hält nicht zusammen.‘ Wir haben Woche für Woche bewiesen, dass wir genau das eben doch machen – und alle Kritiker Lügen gestraft. Wir wurden vom ersten Tag an abgestempelt. Und es hätte ja auch schiefgehen können – dann hätte ganz Hamburg über uns gelacht. So freue ich mich, dass wir mit diesem kleinen Verein von uns reden machen können und zurück in der Landesliga sind.“

"Gegenseitige Unterstützung ist wirklich mega"

Mark Brudler reckt die Meisterschale in den herrlichen Abendhimmel am Mittleren Landweg. Foto: MSSP-Sportphoto

Man habe „das Ziel, was wir intern ausgegeben haben, erreicht. Das freut mich für den kleinen Club und für jeden einzelnen Spieler. Da bin ich auch wirklich stolz drauf, was die Jungs geleistet haben“, so Huremovic, der den Erfolg aber nicht mit seiner Zeit und den insgesamt 13 Jahren bei Hamm United vergleichen wollte. Wichtig war ihm abschließend, den Zusammenhalt beim ETSV Hamburg noch einmal hervorzuheben: „Die Sympathie, die Unterstützung und der Support aus dem Verein, ob das die Senioren oder die Alten Herren sind, ist wirklich mega! Das bringt einfach Spaß“, jubelte Huremovic, der im Mai mit sage und schreibe 29 Mann aus dem Kader und dem Funktionärsteam nach Kroatien aufbricht. Doch nun werden Abend und Nacht am Mittleren Landweg erst einmal zum Tag gemacht…

Die gesamte FussiFreunde-Redaktion gratuliert dem ETSV Hamburg zur Meisterschaft in der Bezirksliga 2 und dem damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga!

Die Mannschaft des ETSV Hamburg feiert den Aufstieg mit den Fans und Senioren des Vereins

ETSV-Coach Jassi Huremovic muss eine Bierdusche über sich ergehen lassen

Autor: Dennis Kormanjos

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