Kreisliga

Als Co-Trainer in Appen: Klemme nach dunklem Kapitel zurück im Hamburger Amateurfußball

07. Februar 2020, 12:17 Uhr

Heiko Klemme wird neuer Co-Trainer beim Kreisligisten TuS Appen. Archivfoto: noveski.com

Er war ein immer einer, der zur großen Hamburger Amateurfußball-Familie einfach dazugehörte. Erst sechs Jahre lang – von 2009 bis zum Sommer 2015 – bei der Reserve des VfL Pinneberg, danach beim SC Condor II und anschließend dann bei Eintracht Lokstedt. Die Rede ist von Heiko Klemme. Doch dort, an der Döhrntwiete, war dann auf einmal Schluss. Quasi von heute auf morgen. „Die Entlassung erfolgte nicht aufgrund der sportlichen Talfahrt, sondern vielmehr aufgrund verschiedener Vorkommnisse gegenüber des Vereins, den Sponsoren und der Mannschaft“, teilte der Verein damals in Person seines Vorsitzenden Gunnar Marquardt mit. Klemme war anschließend wie vom Erdboden verschwunden. Bis jetzt. Denn nun ist er „back in the business“...

Denn wie das „Pinneberger Tageblatt“ berichtet, wird Klemme ab sofort neuer Co-Trainer beim Kreisligisten TuS Appen. „Heiko und ich kennen und schätzen uns seit Jahren. Wir hatten eine erfolgreiche Zeit in Pinneberg. Ich freue mich, dass wir ihn für den TuS gewinnen konnten“, sagt Appens Trainer Marcus Jürgensen – beim VfL Pinneberg II einst Assistent Klemmes – gegenüber dem „Pinneberger Tageblatt“, während Klemme selbst dort erklärt: „Ich habe Kraft getankt und verspüre eine unglaubliche Lust, wieder auf dem Platz zu stehen und mit den Jungs zu arbeiten.“ Kraft tanken – das musste Heiko Klemme auch.

Klemme: „Ich kann mich nur von ganzem Herzen entschuldigen“

Zuletzt war Klemme bis Oktober 2016 als Coach bei Eintracht Lokstedt tätig. Archivfoto: noveski.com

Denn hinter dem 43-Jährigen liegt ein ganz dunkles Kapitel seines Lebens. Dreieinhalb Jahre nach seinem plötzlichen Ausscheiden in Lokstedt äußert er sich bei den Kollegen des „PT“ erstmals in dieser Angelegenheit: Klemme war spielsüchtig, durch Ungereimtheiten in Lokstedt sei dieses Doppelleben dann schließlich aufgeflogen. „Ich hatte Suizidgedanken und konnte nicht mehr in den Spiegel gucken“, so Klemme, der sich anschließend in Brandenburg einer Therapie unterzog, 30 Kilo abnahm, das Rauchen aufgab – und wieder begann, Sport zu treiben. 


„Ich habe dort gelernt, die Sucht zu bekämpfen. Seit Feburar 2017 bin ich spielfrei“, erzählt Klemme, der gegenüber dem „Tageblatt“ erklärt: „Mir ist klar, dass ich sehr viele Menschen enttäuscht habe – dafür kann ich mich nur von ganzem Herzen entschuldigen.“ Er könne, so der 43-Jährige, „die Vergangenheit nicht mehr gut machen, aber es in Zukunft komplett anders angehen. Dafür bin ich dankbar. Auch für die Chance beim TuS Appen.“

Jan Knötzsch     

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