Landesliga Hansa

Alles Azrak: Ohe gegen Dersim-Debütant Owen ohne Chance

10. Februar 2020, 14:09 Uhr

Owen Patrick Azrak (li.) glänzte bei seinem Dersim-Debüt als Doppel- und Siegtorschütze. Foto: Verein

„Ich finde es unverantwortlich, dass wir überhaupt in so eine Situation gekommen sind, wenn man sieht, was gestern alles los war“, zeigte sich nicht nur Daniel Schmitt sehr verwundert darüber, dass das Nachholspiel seines FC Voran Ohe bei Dersimspor angepfiffen werden konnte. „In einigen Teilen der Stadt sind Wahlplakate durch die Gegend geflogen und wir spielen auf einem Platz, der von Bäumen umzingelt ist, Fußball“, so der Manager der „Amselstiegler“, der dies aber keineswegs als Entschuldigung für die Niederlage seiner Oher gelten lassen wollte. „Im Endeffekt waren die Bedingungen okay. Trotzdem hat im Vorfeld eigentlich keiner damit gerechnet, dass das Spiel stattfinden kann und wird.“

Jene Tatsache merkte man dem Hansa-Sechsten in der Anfangsphase deutlich an. „Wir sind ganz schlecht reingekommen und haben bis zum 1:1 eigentlich nicht stattgefunden“, befand Schmitt, der anfügte: „Es war so ein typisches Spiel für uns an einem Sonntag. Wir sind halt eine klassische Freitagabend-Mannschaft.“ Dementsprechend verdient war die Führung der Hausherren nach 26 Spielminuten, als Elias Sawicki nach einem tollen Sololauf noch an Ohe-Keeper Stanislaw Lenz scheitern sollte – aber Owen Azrak beim Nachschuss zur Stelle war. Apropos Azrak: Der Neuzugang aus den USA (HIER mehr zu seiner Person) sollte später auch noch zum Matchwinner avancieren – nachdem die Gäste zwischenzeitlich durch Marco Braesen egalisieren konnten (34.). Vorbereiter war Luca Schulz, der beim 0:1 noch den entscheidenden Fehlpass spielte.

"Die letzten zehn Minuten waren aus emotionaler Sicht kaum zu überbieten"

Für Dersim-Dompteur Sammy Selcuk waren "die letzten zehn Minuten aus emotionaler Sicht kaum zu überbieten". Foto: Mathias Reß

„Nach dem Ausgleich sind wir besser geworden“, konstatierte Schmitt – und meinte: „In der zweiten Halbzeit machen wir das Spiel, vergessen aber das Tor zu machen.“ Der entscheidende „Luckypunch“ war stattdessen den Harburgern vorbehalten – und das kurz vor Ultimo. Als noch 120 Sekunden zu gehen waren, war es Timo Pfaffenroth, der „Ami“ Azrak in Szene setzte. Dieser sorgte mit seinem Doppelpack für kollektiven Dersim-Jubel (88.)! „Die Art und Weise, wie wir heute die drei Punkte erkämpft haben, stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft“, strahlte Sammy Selcuk anschließend. „Die letzten zehn Minuten waren aus emotionaler Sicht kaum zu überbieten. Hut ab, was für eine Mentalität meine Mannschaft nach diesen turbulenten und harten Trainingseinheiten in der Woche an den Tag gelegt hat“, so der Dersim-Dompteur, der von einem „glücklichen Sieg“ sprach. Während bei Schmitt von einer „unglücklichen und bitteren Niederlage“ die Rede war. Aber: „Gegen Dersim tun wir uns von Haus aus schwer.“

"Die Mannschaft hat ein Lebenszeichen gesendet"

Der zwischenzeitliche Ausgleich von Marco Braesen reichte den Gästen nicht. Foto: Bode

Laut Selcuk waren am Ende zwei Faktoren entscheidend: „Die Mentalität und die Platzverhältnisse“, ehe er erklärte: „Auf dem tiefen Geläuf war es schwer, zu kombinieren, weshalb beide Mannschaften eine einfache Spielweise gewählt haben. Wir wussten aber auch, dass es heute auf Kampf und Leidenschaft ankommen wird – und das haben wir auf dem Platz umgesetzt. Deshalb haben wir aus meiner Sicht auch gegen eine vom Oher Trainer gut eingestellte Mannschaft verdient gewonnen.“ Ein Sieg, bei dem vor allem der frisch verpflichtete Owen Azrak „auf sich aufmerksam gemacht“ habe, wie Selcuk zu Protokoll gab. Insgesamt konnte man „nach hartem Kampf und mit viel Leidenschaft als Sieger vom Platz gehen“. Die Mannschaft habe „ein Lebenszeichen gesendet und bewiesen, dass sie dem Druck nicht nur standhalten, sondern auch in weniger schönen Spielen gegenhalten kann. Die mentalen und kämpferischen Einheiten im Kampfsportstudio haben ihre Wirkung gezeigt. Ich bin sehr stolz auf mein Team, die Jungs auf der Bank, die Arbeit meiner Betreuer und unseres Vorstandes, die uns unfassbar viel unterstützen und für jedes Problem ein Ohr haben.“ Abschließend stellte Selcuk fest: „So stark und stabil waren wir bisher nicht.“ 

Autor: Dennis Kormanjos

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