12.05.2018

Alles andere als ein „lauer Sommerkick“ – Teutonia schlägt Osdorf nach Sechs-Tore-Spektakel

Teutonia gewinnt erstes Spiel nach Sulejmani-Schock

Der FC Teutonia feierte einen Auswärtserfolg am Blomkamp. Foto: KBS-Picture.de

Vielleicht lag es daran, dass beide Teams die Partie relativ entspannt angehen konnten, dass es gleich sechs, zum Teil sogar richtig schöne Tore zu sehen gab. Auch Osdorf-Trainer Piet Wiehle befand: „Wir hatten heute die Lockerheit und haben ein gutes Spiel gemacht!“ Am Ende gewann der FC Teutonia 05, der als einziger Oberliga-Verein in die Regionalliga will und somit keinen Konkurrenten im Kampf um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde hat, mit 4:2 gegen den TuS Osdorf, der bereits vor der Partie den Klassenerhalt gesichert hatte.

Nach einer durchwachsenen Anfangsphase, in der auch wegen der eher kleinlichen Linie des Schiedsrichters nur wenig Spielfluss aufkam, gab es die erste gute Chance in der 13. Minute für Teutonia: Erman arbeitete sich bis zur Grundlinie durch und flankte von der rechten Seite. Die Hereingabe geriet dabei eigentlich etwas zu lang, landete so aber genau bei Winkel, der an der Strafraumkante lauerte. Er leitete den Ball direkt zu Gillich weiter, der dann aber an Osdorfs Keeper Hencke scheiterte. Danach gab es erstmal wieder wenig Chancen, bis sich nach einer halben Stunde mehr Tormöglichkeiten ergaben. Arifi spielte einen gechipten Pass auf Erman, der aber nicht an den Ball kam (30.). Kurz darauf versuchte es Gillich aus der Distanz. Seinen Schuss parierte Hencke nicht ganz sicher mit einer Hand nach vorne, doch Osdorf konnte den Ball noch klären (33.). Nur eine Minute später gingen die Gäste dann aber doch in Führung: Danijel Suntic, der auf der für ihn ungewohnten Innerverteidiger-Position zum Einsatz kam, war mit vorne und bediente Stefan Winkel artistisch per Fallrückzieher. Dieser kontrollierte den Ball und zog aus spitzem Winkel ab. Dabei traf er Hencke so, dass der Ball vom Torhüter extrem unglücklich für Osdorf ins eigene Tor sprang. Ohne den Kontakt des Torhüters wäre Winkels Versuch wohl am Kasten vorbeigegangen – so aber stand es 0:1 (34.).

Titze: „Sulejmanis Verletzung ist bitter! Da brauche ich nichts schönreden“

Stefan Winkel traf doppelt für die „Kreuzkirchler“. Foto: KBS-Picture.de

In der 44. Minute dann Osdorf. Der kurz zuvor für den verletzungsbedingt ausgewechselten D'Agata gekommene Enderle versuchte es mal per Fernschuss, stellte Torhüter Oest damit aber nicht vor Probleme. Stattdessen wäre durch eine Kombination zweier deutscher Futsal-Nationalspieler noch vor der Pause beinahe das 0:2 gefallen. Meyer legte nach ganz starkem Dribbling auf Winkel ab. Der probierte es aus gut 20 Metern, und nur die Latte verhinderte den Doppelpack (45.).

Waren die Gäste kurz vor der Halbzeit noch am Aluminium gescheitert, machten sie kurz nach Wiederanpfiff dann doch ihren zweiten Treffer. Vincent Boock bediente Arne Gillich, der dann an Schlussmann Hencke scheiterte. Der Abpraller landete jedoch wieder bei Gillich, der daraufhin nochmal querlegte. So kam wieder Boock an den Ball und traf eiskalt zum 0:2 (49.). Wer dachte, dass das Spiel damit entschieden sei, wurde in der Folge aber eines Besseren belehrt. Denn Osdorf brauchte gerade einmal zwei Minuten, um zum Anschlusstreffer zu kommen. Nach einer Ecke von Kevin Trapp stieg Dennis Schmidt am höchsten und köpfte stark zum 1:2 ein (51.). Osdorf war wieder da! Coach Wiehle lobte Schmidt, der seine Karriere eigentlich nach der vergangenen Saison schon beendet hatte und seit April wieder für das Team aufläuft: „Er verleiht der ganzen Mannschaft Stabilität und Sicherheit. Es spricht für seine Qualität, dass er nach einem Dreivierteljahr Pause direkt wieder wichtig ist!“

Wiehle: „Es ist dann vielleicht auch ein qualitativer Unterschied“

Jetzt ging es Schlag auf Schlag: Ein richtig schöner Schuss von Stefan Winkel brachte das dritte Teutonia-Tor: Von der linken Strafraumecke traf der Flügelspieler traumhaft ins rechte lange Eck und schnürte damit seinen Doppelpack (60.) „Das ist dann vielleicht auch ein qualitativer Unterschied. Das kann man in der Situation nicht verteidigen“, befand Osdorfs Trainer Wiehle. Entschieden war die Partie aber auch nach diesem Tor noch immer nicht. Denn auch die Hausherren wussten, wie man schöne Tore erzielt: Peters war reaktionsschneller als sein Gegenspieler und bediente Trapp im Strafraum. Der traf den Ball absolut perfekt und hämmerte die Kugel unhaltbar zum 2:3-Anschluss in die Maschen (68.). Doch Teutonia-Coach Sören Titze erklärte: „Immer, wenn es knapp wurde, hat die Mannschaft bewiesen, dass sie wieder einen Gang höherschalten und ein Tor machen kann.“ Und so war es dann auch. Erneut von Osdorf herausgefordert, ließ sich Teutonia den Sieg trotzdem nicht mehr nehmen und legte einen vierten Treffer nach. Infolge einer Ecke kam Gillich zum Kopfball. Dieser wurde noch geblockt, doch daraufhin fiel Gillich die Kugel erneut vor die Füße und er musste aus extrem kurzer Distanz nur noch einschieben (77.). „Es ärgert mich, dass wir uns bei einem Standard ein Gegentor fangen, obwohl da eigentlich unsere Stärke liegt“, erklärte TuS-Trainer Wiehle. Osdorf drängte in der Folge erneut darauf, wieder zurückzukommen, doch es blieb beim 2:4-Endstand und dem Auswärtserfolg für Teutonia.

Wiehle: „Wir haben den Klassenerhalt verdient!“

Sorgte mit dem 2:3 wieder für Hoffnung am Blomkamp: Osdorf-Akteur Kevin Trapp. Foto: KBS-Picture.de

Osdorf-Coach Wiehle resümierte: „Wir haben ein ganz gutes Spiel gemacht, auch in der ersten Halbzeit waren wir direkt gut im Spiel, haben fast nichts zugelassen und waren gut organisiert. Teutonia ist wenig eingefallen und hat dann ein sehr fragwürdiges 1:0 gemacht. Man weiß nicht, ob der Ball vorher im Aus war und Claus (Hencke, Anm. d. Red.) hat den Ball leider selber ins Tor gelenkt. In der zweiten Halbzeit haben wir mit dem ersten gegnerischen Angriff das zweite Gegentor gefangen.“ Wiehle lobte den Einsatz seiner Mannschaft: „Wir haben uns über 90 Minuten nie aufgegeben und sind immer wieder rangekommen. Manchmal haben wir den letzten Pass dann aber nicht gut reingespielt. Unter dem Strich war es dennoch ein vernünftiger Auftritt der Mannschaft.“ Mit dem Sieg gegen Billstedt am vorherigen Spieltag hatte Osdorf den Klassenerhalt gesichert. „Wenn man unten drinsteht, geht einem einiges durch den Kopf und man hat nicht so die Lockerheit“, erklärte Wiehle und befand: „Es spricht für die Mannschaft, dass wir die Klasse drei Spieltage vor Saisonende gesichert haben. Dann hat man es auch verdient!“

Titze: „Ich gehe davon aus, dass alle Unterlagen für den Aufstieg pünktlich eingereicht sind“

Herber Schlag für die 05er: „Flügelrakete“ Veli Sulejmani wird mit einem Kreuzbandriss lange ausfallen. Foto: KBS-Picture.de

Sein Gegenüber, Teutonias Trainer Sören Titze, gab zu Protokoll: „Es war ein couragierter Auftritt von der ersten Minute an. Wir wollten die drei Punkte mitnehmen und haben versucht Fußball zu spielen, obwohl auf diesem kleinen Platz die Räume eng sind. Wir haben uns Chancen erspielt und diese dann auch genutzt. Jedes Tor und jeder Sieg bringt Selbstvertrauen für die Aufstiegsrunde zur Regionalliga. Wir müssen im Rhythmus und fit bleiben. Deshalb ist jedes Oberliga-Spiel wichtig! Wir können nicht sagen, dass wir jetzt hier mal einen lauen Sommerkick machen. Man hat gemerkt, dass auch Osdorf in ihrem letzten Saisonheimspiel nochmal alles gegeben hat.“ Titze kritisierte: „Wir haben den Gegner teilweise wieder zurückkommen lassen, weil wir zu leichtsinnig waren, wenn wir das Spiel eigentlich unter Kontrolle hatten. Die zwei Gegentore nerven mich. Ich würde gerne mal zu Null spielen.“


Bis zum 15. Mai muss Teutonia die letzten Unterlagen beim Verband nachreichen, um an der Aufstiegsrunde auch tatsächlich teilnehmen zu können: „Ich gehe davon aus, dass alle Auflagen pünktlich eingereicht sind. Wir würden keine Busse für die Auswärtsreise buchen, wenn wir nicht davon ausgehen würden, dass das gutgeht.“
Definitiv nicht dabei sein wird dann Veli Sulejmani, der sich im letzten Spiel der Teutonen gegen Wedel eine schwere Verletzung zugezogen hatte: „Die Verletzung ist bitter! Da brauche ich nichts schönreden. Er hat einen Kreuzbandriss und einen Meniskus-Einriss und wird uns damit in dieser Saison natürlich in keinem Fall mehr zur Verfügung stehen. Für den Spieler und auch für die Mannschaft ist das eine Hiobsbotschaft. Wir müssen das als Mannschaft gemeinsam auffangen!“

Dass Trainer Titze selbst spielen wird, ist, obwohl er beim Osdorf-Spiel selbst im Kader stand, trotzdem sehr unwahrscheinlich, wie er erläutert: „Bevor wir zu zehnt auflaufen müssten, würde ich das machen. Aber ich hoffe, dass es nicht dazu kommt. Ich gehe fest davon aus, dass zur Aufstiegsrunde genug Leute gesund sind. Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, dass ich auf dem Spielberichtsbogen als möglicher Einwechselspieler stand.“

Autor: Josa Schnell

Kommentieren