Oberliga 02

„Aktuell haben wir ganz andere Probleme, als sich vor Gericht wegen eines Amateurfußballspiels zu streiten!“

27. Februar 2022, 19:50 Uhr

Felix Schuhmann (Mi.) bejubelt den Ausgleichstreffer - und den Einzug mit Vicky in die Meisterrunde. Foto: Heiden

Der Hamburger Fußball-Verband und die Spielansetzungen – in der Oberliga zuletzt ein blankes Chaos! Viermal wurde die Partie zwischen dem TSV Buchholz 08 und dem SC Victoria Hamburg in den vergangenen Wochen an- und wieder abgesetzt. Im fünften Anlauf war es nun endlich so weit, weil Vicky seinen Protest gegen die abermals verschobene Ansetzung zurückzog – und den Kampf auf sportlichem Wege ausfechten wollte (alle Highlights im LIVE-Ticker). Denn: Es wären durchaus drei Punkte am „Grünen Tisch“ möglich gewesen, da das Buchholzer Chaos um den Kunstrasenplatz am Holzweg, der aus Sicht der Nordheider nicht für den Spielbetrieb, sondern nur zum Training geeignet ist, ein juristisches Nachspiel hätte haben können.

Schon nach acht Sekunden schockte Dominik Fornfeist (Mi.) den SCV mit dem Buchholzer Führungstor. Foto: Heiden

Unter der Woche kam es zu einer großen Videokonferenz, an der auch Vicky-Neucoach Sören Titze teilnahm. Dieser wollte aber keine drei Punkte „geschenkt“ haben, sondern sich diese sportlich verdienen. Respekt dafür! „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer will, dass so etwas auf dem Fußballplatz ausgetragen wird. Das wird sich auch nie ändern. Alles andere müssen andere Leute beurteilen, ob man da eventuell andere Regelungen trifft – und was für Vor- oder Nachteile man dadurch hat. Ich habe gleich gesagt: Wir warten jetzt keine zwei Wochen und legen die Oberliga lahm, sondern wir spielen Fußball. Das war eine ganz einfache Entscheidung“, erklärte er.

"Natürlich war ich sauer"

Anschließend drehte Fornfeist (re.) jubelnd ab. Foto: Heiden

Weiter führte Titze aus: „Am Ende ist es ein Problem zwischen dem Verband und Buchholz. Damit haben wir eigentlich gar nichts zu tun, sondern waren immer nur die leidtragenden, weil wir fünfmal innerhalb von vier Tagen angesetzt worden sind und uns immer wieder vorbereitet haben. Natürlich war ich deshalb sauer, weil da auch eine gewisse Organisation dazu gehört, unter der Woche hierher zu fahren. Und am Ende des Tages dann zweimal abgesetzt zu werden – sowohl am Dienstag als auch am Donnerstag –, das hätte man sich sparen können! Denn am Dienstag war die Ausgangslage keine andere als am Donnerstag“, brachte er es auf den Punkt. „Das war der einzige Grund, weshalb wir gesagt haben: Irgendwas stimmt da doch nicht.“

Nach acht Sekunden: Fornfeist schockt Vicky

Gerrit Pressel (li.) wurde direkt nach Anstoß in Bedrängnis gebracht und vertändelte das Spielgerät. Foto: Heiden

Zum Spiel: Victoria wollte den Einzug in die Meisterrunde auf sportlichem Wege klarmachen – und hatte Anstoß. Der Ball wurde zu Gerrit Pressel zurückgespielt. Dieser wurde umgehend von Milaim Buzhala und Dominik Fornfeist unter Druck gesetzt – und vertändelte das Spielgerät. Erstgenannter spitzelte das Leder zu Fornfeist, der Dennis Lohmann bei seinem Comeback eiskalt erwischte und die Kugel an ihm vorbei ins lange Eck chippte (1.). „Das war eine interessante Variante. Die kannte ich auch noch nicht. Da können wir am Dienstag drüber reden, wer diese Idee hatte. Die kaufe ich dann auch mit ein, aber wir werden sie direkt wieder abschaffen“, konnte Sören Titze das Missgeschick im Anschluss schon wieder mit ein wenig Humor nehmen.

"Es hat so ein kleines ‚Beigeschmäckle‘"

Heißer Kampf um den Ball: Tizian Backhaus (li.) im Duell mit Pascal Eggert. Foto: Heiden

Die Buchholzer Führung nach sage und schreibe acht Sekunden! Und damit waren die ersten 45 Minuten auch schon auserzählt. Der Rest war zäher Kampf und sehr viel Krampf auf einem ganz schwer zu bespielenden Acker auf der Otto-Koch-Kampfbahn. Dafür begann der zweite Abschnitt nahezu genau so, wie der erste Durchgang. Diesmal war es aber der SCV, der nach einem ruhenden Ball keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff zum Ausgleich kam. Nach einem Freistoß von Andre Monteiro Branco schaltete Felix Schuhmann aus dem Gewühl heraus am schnellsten und schweißte trocken rechts unten ein (46.)! Aber: „Der Ball wird klar mit der Hand mitgenommen“, ärgerten sich die Nordheider über den Ausgleichstreffer – und darüber, dass der Assistent dies wohl auch gesehen habe, Referee Florian Pötter (FC Voran Ohe) es aber besser gesehen haben wollte. „Es hat so ein kleines ‚Beigeschmäckle‘“, befand TSV-Trainer Nabil Toumi.

Kein Elfer: "Da braucht man gar nicht hinzugucken, das hört man komplett!"

Während Pötter ein weiteres Mal entscheidend in Erscheinung trat. Dieses Mal war es der kurz zuvor eingewechselte Samuel Louca, der sich auf Höhe der linken Grundlinie ganz stark gegen den ansonsten tadellosen Lesley Karschau behauptete, nach innen zog – und dann vom Victorianer an der Hacke getroffen wurde (70.). Der Kontakt war deutlich zu hören – doch Pötter ließ zum Entsetzen der 08er weiterspielen. „Da braucht man gar nicht hinzugucken, das hört man komplett“, konnte Toumi kaum glauben, dass der Pfiff ausblieb. Der Gefoulte klagte selbst weit nach dem Spiel noch über Schmerzen an der Hacke.

"Ich glaube, es gab im ganzen Spiel keine fünf Stationen am Stück"

Nach dem Ausgleichstreffer lief die gesamte Mannschaft des SCV zu Pressesprecher Mathias Reß, der seinen Posten niederlegen wird. Foto: Heiden

Es wäre die Chance zum 2:1 gewesen, die zuvor schon Buzhala nach einem blitzsauberen Gegenzug über Simon Keisef, Fornfeist und Jonas Fritz auf dem Schlappen hatte (54.). Aber Lohmann bekam „in überragender Manier noch irgendwie ein Körperteil“ an den Abschluss aus kurzer Distanz und verhinderte, auch zum Staunen von Toumi, den Einschlag. Endlich mal ein toller Angriff, was auf dem Bodenbelag kaum möglich war. „Das hatte ja nichts mit Fußball zu tun. Ich habe das vor dem Spiel schon gesagt und auch in der Halbzeit nochmal: Ich glaube, es gab im ganzen Spiel keine fünf Stationen am Stück. Es war immer nur der zweite Ball – und dann ging es lang und hoch“, brachte es Titze auf den Punkt.

Dementsprechend fiel es ihm und seinem „Fußballherz auch schwer, sich groß zu freuen“. Und zwar darüber, dass sein SCV durch das Remis den Einzug in die Meisterrunde perfekt gemacht hat. „Wir haben unser Ziel erreicht“, konstatierte Titze. „Vor dem Spiel wollten wir drei Punkte mitnehmen. Aber man muss ja auch sehen, dass ein es ein bisschen wie eine Glückslotterie war. So haben wir auch angefangen. Aber wir sind jetzt erleichtert. Denn vor zwei Wochen haben wir gesagt, dass wir aus diesen Spielen so viele Punkte holen wollen, dass wir in der Meisterrunde sind. Und da sind wir jetzt.“

"Aufgrund der zweiten Halbzeit wäre es verdient gewesen"

Der einstige Buchholzer Nikolas Mallwitz (re.) und Dominik Fornfeist im Duell. Foto: Heiden

Sein Gegenüber konnte sich über einen „Top-Start“ freuen. „Dann haben wir ein paar Umschaltmomente gehabt, wo wir das klarer spielen müssen“, was auf dem Platz allerdings nur schwer möglich war. „Danach kamen die diagonalen Dinger, was ich durchaus nachvollziehen kann, und das Spiel ist in unsere Hälfte gekippt“, befand Toumi. „Die zweiten Bälle haben wir häufig nicht gefischt. Und wenn, dann konnten wir sie nicht in die Räume setzen, wo wir sie hinhaben wollten.“ Aber: „Im Laufe der zweiten Halbzeit waren wir wieder dran und haben es auch klarer nach vorne hinbekommen.“ Deshalb bilanzierte er: „Aufgrund der zweiten Halbzeit hätte ich gerne die drei Punkte hierbehalten und glaube, es wäre auch verdient gewesen.“

"Am Ende wären wir ein Spielball gewesen – aber der wollten wir nicht sein"

Abschließend nahm Titze auf Nachfrage noch einmal zum großen Ansetzungs-Wirrwarr Stellung: „Der Verband setzt Spiele an, wenn ein Platz spielfähig ist. Ein Protest vom eigenen Verein gegen eine Ansetzung auf dem eigenen Heimplatz ist nicht unser Problem. Am Ende wären wir ein Spielball gewesen – aber der wollten wir nicht sein. Und ich glaube, aktuell haben wir ganz andere Probleme, als sich vor Gericht wegen eines Amateurfußballspiels zu streiten!“ Wahre Worte…

Autor: Dennis Kormanjos

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