BZ Ost

Ahrensburger „Filmriss“ beim Vorletzten: „Man hat nicht gesehen, wer Erster ist“

Trotz 3:1-Führung: Primus kommt beim „Kellerkind“ nicht über ein 3:3 hinaus

24. November 2019, 18:29 Uhr

Glänzte als doppelter Torschütze für den Außenseiter: Vittorio Walter (vo.). Foto: Kormanjos

"Wenn man das Spiel als neutraler Zuschauer gesehen hat und ehrlich ist, dann konnte man nicht sehen, wer Erster ist", brachte es Eilbek-Trainer Kerem Yildirim treffend auf den Punkt. Denn eigentlich hätte die Ausgangslage vor dem Spiel seiner Elf gegen den Ahrensburger TSV (alle Highlights im LIVE-Ticker) kaum klarer sein können. Der unangefochtene und in den ersten 13 Saisonspielen siegreiche Spitzenreiter der Bezirksliga Ost gastierte beim Tabellenvorletzten von der Fichtestraße. Doch der Fußball schreibt eben oft seine eigenen Geschichten...

"Wir sind momentan nicht so richtig im Film", stellte ATSV-Coach Matthias Nagel ernüchternd fest - und konnte sich den Auftritt seiner Schützlinge beim "Kellerkind" auch "nicht erklären". Zwar führte der Primus nach 45 Minuten mit 1:0, obwohl keiner so recht wusste, warum eigentlich. Nach 79 Minuten hieß es sogar 3:1 für den haushohen Favoriten - und dennoch musste man sich am Ende mit einem 3:3 begnügen. Ein Resultat, das angesichts des Spielverlaufs und der Chancen sogar fast noch schmeichelhaft für die Stormarner war. "Wir haben in der ersten Halbzeit schon drei Hundertprozentige. Wenn wir die reinmachen, sieht es bereits ganz anders aus. Umso größeren Respekt vor der Mannschaft, dass sie selbst nach dem 1:3 nochmal zurückgekommen ist und sogar noch das 4:3 auf dem Fuß hatte. Trotzdem können wir mit dem Punkt super zufrieden sein - auch wenn ich aktuell noch gemischte Gefühle habe", gestand Yildirim, der seiner Truppe "eine Top-Leistung" bescheinigte.

Individuelle Klasse eines Trios bringt Ahrensburg auf Siegerstraße

Eine von etlichen Eilbeker Chancen: Lennart Wietzke (2. v. re.) köpft am kurzen Eck vorbei. Foto: Holger Möller/SC Eilbek

Eine Leistung, die im ersten Abschnitt nicht belohnt wurde. Eilbek hatte die Chancen (Walter 2., 10., 17. und Gyasi 8., 23.), Ahrensburg machte durch eine Bogenlampe aus 23 Metern rechter Position von Dennis Sailer das Tor (15.). Nach der Pause gelang dem SCE in Person des starken Vittorio Walter, der eine Hereingabe von Marvin Gyasi im eckigen unterbrachte, der hochverdiente und längst überfällige Ausgleich (52.). Der krasse "Underdog" wirkte einfach wacher, galliger, griffiger, willensstärker und vor allem giftiger. Doch Ahrensburg steht nicht umsonst ganz oben, sondern auch aufgrund der individuellen Klasse von Spielern wie Metehan Erdem oder Mihai Bitez. Erstgenannter, bis dato nahezu unsichtbar, düpierte seinen Gegenspieler mit einem Tunnler, ehe Bitez mit der Hacke für Sailer ablegte und diesem das zweite Tor ermöglichte (71.). Kurz darauf war es Bitez selbst, der Sailers flache Hereingabe fast schon mühelos zum 3:1 einschob (79.). Alles andere als eine Gala-Vorstellung der Gäste - aber es schien zum Sieg zu reichen. Doch der Schein trügte!

Eilbeker Aufholjagd belohnt - Nagel sauer auf Referee

Und wenn dann mal was aufs Tor kam im ersten Durchgang, war ATSV-Fänger Peter Grischke zur Stelle. Foto: Holger Möller/SC Eilbek

Erst zirkelte Chrisovalandis Christoglou einen von zahlreichen und unzähligen ruhenden Bällen - bis dahin meist gefährlich von Tim Bandahl getreten - vom rechten Strafraumeck stramm und halbhoch zum Anschluss in die linke Torecke (82.), ehe Walter eine Ecke des eingewechselten Jan-Philipp Meier zum 3:3 einköpfte (85.). "Wir haben letzte Woche gegen den SCVM schon einen sehr guten Fußball gespielt und hatten viel Pech. Heute haben meine Jungs wieder gezeigt, dass sie guten Fußball spielen können", zeigte sich Yildirim sehr angetan von der Performance seiner Mannen, die während der 90 Minuten noch drei (!) Abseitstore erzielten, von denen zumindest das dritte höchst umstritten war. "Nicht einverstanden" mit der Leistung des Unparteiischen Manfred Kock, der „Kult-Schiri“ Ralph Vollmers an der Linie hatte, war jedoch ATSV-Trainer Nagel. "Er ist nicht Schuld, dass wir hier die Punkte liegen gelassen haben. Die Tore haben wir selbst zu verantworten, aber es waren viele kleine Pfiffe, die der Gegner bekommen hat und wir nicht." Vor allem eine Szene kurz vor Schluss echauffierte Nagel, als Joschka Grunwald ein Offensivfoul angehängt wurde. "Er ist vorher am Ball, dreht den Körper rein - und das wird abgepfiffen. Das wäre eine Situation gewesen, wo Joschka allein aufs Tor zuläuft."

„Es kommt darauf an, wie lange diese Phase sein wird“

Heißer Kampf um den Ball. Foto: Holger Möller/SC Eilbek

Nichtsdestotrotz stand am Ende eine mehr als nur durchwachsene Vorstellung gegen den durch den Punktgewinn auf Rang 13 gekletterten SCE zu Buche. "Uns fehlen sicherlich auch ein paar Spieler, die sonst zu den Leistungsträgern gehören", meinte Nagel damit unter anderem Benedikt Neumann-Schirmbeck oder auch Malte Kohlsaat. Aber: "Wir haben 3:1 geführt - ich weiß nicht, was dann bei den Standardsituationen los war?!", ärgerte er sich über das Defensivverhalten seiner Equipe - und betonte abschließend: "Ich habe immer gesagt, dass mal eine Phase geben wird, in der man schwächelt. Jetzt kommt es drauf an, wie lange die sein wird. Wir müssen sehen, dass wir wieder in Tritt kommen und das in den Griff kriegen!"

Autor: Dennis Kormanjos

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