Oberliga

AFC-Fernschüsse als „Gamechanger“ - Bergmann beruhigt: „Wollen ohne Druck weiter wachsen“

11. Februar 2023, 09:30 Uhr

Jubelnde Altonaer auf der einen, niedergeschlagene Rothosen auf der anderen Seite. Foto: Christian Küch

Er wolle „gar nicht groß draufhauen“, sondern sei „echt stolz auf die Mannschaft“, so Torben Wacker. „Das ist das Gesicht, was ich vom HSV III sehen will und was wir in den letzten Jahren auch immer gezeigt haben“, bilanzierte der Chefcoach der Rothosen nach der 1:3-Niederlage gegen Altona 93 gegenüber dem Abendblatt. Er sehe sein Team „auf einem guten Weg“, erklärte Wacker.

Marcell Jansen brachte den HSV III technisch anspruchsoll per Direktabnahme in Front. Foto: Christian Küch

Vor allem in den ersten 45 Minuten habe er „einen sehr leidenschaftlichen Auftritt“ seiner Mannen gesehen. „Wir wollten Spaß haben und Selbstvertrauen ausstrahlen. Das hat man gesehen. Die Jungs waren super griffig und zweikampfstark“, so Wacker. Die Belohnung: Nach gerade einmal zwölf Zeigerumdrehungen schockte Marcell Jansen den Favoriten aus Altona - und wie! „Wir kassieren ein Tor, das schon besonders war. Das macht er mit all seiner Erfahrung“, musste selbst AFC-Coach Andreas Bergmann die technische Klasse vom HSV-Präsidenten anerkennen, als er eine Hereingabe von Sepehr Nikroo per Direktabnahme am ersten Pfosten ins kurze Eck beförderte.

"Bitter, dass zweimal der gleiche Fehler zu den gleichen Toren führt"

Mit einem trockenen 20-Meter-Strahl besorgte Bujar Sejdija (li.) den Ausgleich für den AFC. Foto: Christian Küch

„Ich würde sagen, dass wir nicht so gut reingekommen sind“, konstatierte Bergmann. Aber mit fortlaufender Spielzeit übernahm der Gast mehr und mehr die Kontrolle, fand aber ein ums andere Mal in Rothosen-Keeper Tobias Müller seinen Meister. „Dass der Druck größer wird, wussten wir alle“, warnte Wacker in der Halbzeit - und ärgerte sich am Ende, „dass wieder nur kleine Nuancen gefehlt haben“. Und insbesondere auch darüber, dass „zweimal der gleiche Fehler zu den gleichen Toren“ führte. „Wir schieben nicht gut durch und kriegen dann keinen Druck auf den Ballführenden.“

Beide Male leitete Armel Gohoua über die linke Seite ein und bediente im Zentrum zuerst Bujar Sejdija, dann Michael Gries. Während Sejdija das Spielgerät aus 20 Metern trocken in den rechten Giebel nagelte (59.), war Gries aus nahezu identischer Position mit der Unterkante der Latte im Bunde (72.)! Und schließlich belohnte sich Doppel-Vorbereiter Gohoua noch für seine Leistung, als er einem aussichtslos scheinenden langen Ball von Sejdija hinterherjagte und davon profitierte, dass der ansonsten starke Müller die Kugel aus seinen Händen gleiten ließ, so dass der „Flügelflitzer“ keine Mühe mehr hatte, ins verwaiste Gehäuse einzuschieben (83.)!

Dicke Chancen in den Schlussminuten: "Da fehlte der Killerinstinkt"

HSV III-Keeper Tobias Müller streckt sich vergeblich und ist gegen die Fernschüsse der Altonaer Sejdija und Gries macht- sowie chancenlos. Foto: Christian Küch

Die „Bergmänner“ hatten das Spiel gedreht, mussten in den Schlussminuten allerdings noch einmal zittern, weil es urplötzlich „völlig unruhig und wieder wild“ wurde, wie Bergmann befand. Die HSV-Dritte gab sich noch nicht geschlagen, kam in den letzten sieben Minuten zu fünf (!) Chancen, konnte aber keine davon mehr in etwas Zählbares ummünzen. „Da fehlte der absolute Killerinstinkt. Aber wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt“, sah Wacker eine starke Moral seiner Equipe - und richtete den Blick bereits nach vorne: „Wenn wir mit dieser Leidenschaft, mit diesem Mut und auch mit dem Ball, den wir heute gespielt haben, nächste Woche in Osdorf auftreten, dann sehe ich uns auf einem sehr guten Weg. Das wird ein richtig heißes Spiel. Aber wir sind bereit und haben richtig Bock darauf.“

"Ich sehe uns noch nicht ganz oben"

Während Armel Gohoua (re.) seinen Treffer zum 3:1 bejubelt, beschwert sich Tobias Müller (Mi.) beim Schiedsrichter. Foto: Christian Küch

Unterdessen setzte Altona 93 seinen Lauf fort, eroberte den zweiten Tabellenplatz zurück und lauert nur einen Punkt hinter Primus TSV Sasel. Allerdings sorgt die ungleiche Spielanzahl noch für ein verzerrtes Bild. „Ich sehe uns jetzt noch nicht ganz oben“, entgegnete Bergmann - und hielt den Ball abermals flach. Ganz flach. Inklusive der bekannten Phrasen: „Wir wollen was Stabiles aufbauen und haben keinen Druck, dass man irgendwo hin muss. Wir wollen wachsen und dann gucken wir, wohin das führt.“

Autor: Dennis Kormanjos