Oberliga-Abstiegsrunde

Abgestiegen: "Makelloses" Rugenbergen besiegelt Lohbrügger Schicksal!

13. Mai 2022, 23:58 Uhr

Niedergeschlagene und frustrierte Lohbrügger (li.) auf der einen, jubelnde Bönningstedter auf der anderen Seite. Foto: Bode

Hängende Köpfe. Leere und traurige Mienen. Emotionslos am Boden liegende oder hockende Seelen: Den Spielern und Verantwortlichen des VfL Lohbrügge standen Trauer und Schock ins Gesicht geschrieben. Durch die 1:4-Niederlage beim SV Rugenbergen (alle Highlights im LIVE-Ticker) und den zeitgleichen 5:2-Erfolg von Hamm United bei Union Tornesch haben die Mannen vom Binnenfeldredder den einen Punkt Vorsprung auf die „Geächteten“ noch aus der Hand gegeben und müssen den bitteren Gang in die Landesliga antreten! Chefcoach Elvis Nikolic richtete unmittelbar nach dem Knockout sehr emotionale Worte an sein Team: „Das war eine enttäuschende Saison. Aber über eine Sache bin ich nicht enttäuscht: Ihr habt alles gegeben. Ihr habt alles versucht!“ Im Endeffekt war das jedoch zu wenig, um im Hamburger Oberhaus zu bleiben.

Das 1:0: Patrick Hoppe (re.) schiebt mühelos ein. Foto: Bode

Dabei haderte Nikolic vor allem mit einer Szene, die er als „Schlüsselmoment“ auserkoren hatte. Nach einer tollen Stafette über Pascal Bäker und Christian Degener hatte der eingewechselte Erdogan Pini beim Stand von 1:1 – Patrick Hoppe brachte die Bönningstedter nach Vorarbeit von Leon Neumann in Front (12.), Pascal Bäker sorgte per Kopf nach einer Degener-Flanke für die prompte Antwort (14.) – freistehend die Führung für den Gast auf dem Fuß. Aber Marco Rohde eilte herbei, warf sich in den Abschluss und verhinderte in allerhöchster Not wohl den Einschlag (80.)! „Wir hatten leider zu viele dieser Schlüsselmomente nicht auf unserer Seite“, haderte Nikolic.

"Hoppe macht drei Tore, Richert legt drei Dinger vor – aber Matchwinner war Marco Rohde"

Der Ausgleich: Pascal Bäker (Mi.) hat die postwendende Antwort per Kopf parat. Foto: Bode

Auch Michael Fischer wusste, dass die „sensationelle“ Aktion von Rohde „das Spiel letztendlich in eine Richtung gelenkt“ habe. Das gab er seinem eingewechselten Spieler auch schon während der Partie zu verstehen – und befand hinterher sogar: „Hoppe macht drei Tore, Richert legt drei Dinger vor – aber Matchwinner war Marco Rohde!“ Nachdem Bäker bei der nachfolgenden Ecke ziemlich unbedrängt verzog (81.), kippte das Geschehen. „Hintenraus haben wir die Räume, die wir bekommen haben, besser bespielt“, so Fischer. Erst verlängerte Marcel Schöttke eine Flanke des scheidenden Sascha Richert noch mit den Haarkuppen ins lange Eck (82.). Dann legte Hoppe – beide Male fungierte Richert als Vorlagengeber – doppelt nach (85., 87.)!

Kein Mitleid aufgrund von "zwei Vorgeschichten"

Der angesprochene "Schlüsselmoment": Erdogan Pini (li.) wird freistehend noch von Marco Rohde (Mi.) in allerhöchster Not geblockt. Foto: Bode

Durch den Erfolg krönte Rugenbergen eine perfekte Abstiegsrunde mit zehn Siegen aus zehn Spielen. Chapeau! Das war unser Ziel – und das haben wir erreicht“, strahlte Fischer. „Es hätte auch andersherum ausgehen können. Aber Mitleid gibt es nicht. Jeder macht sein eigenes Ding“, verlor er anschließend noch recht deutliche Worte. „Es gibt zwei Vorgeschichten“, berichtete er vom damaligen Aufstiegs-Relegationsspiel zwischen Union Tornesch und dem VfL Lohbrügge, als sein aktueller Co-Trainer Martin Schwabe, der den Verein verlassen wird, die Unioner als Chefcoach anführte, da Thorben Reibe im Urlaub weilte, und mit Tornesch trotz reichlich „Malle-Promille“ intus die Partie für sich entschied. Damals sollen die Unioner im Nachgang „bepöbelt, beleidigt und bespuckt“ worden sein.

"Elvis ist definitiv nicht dafür verantwortlich, was damals passiert ist"

Patrick Hoppe (li.) war mit drei Toren der überragende Mann beim SVR. Foto: Bode

Doch damit nicht genug. „Es gibt ein Hinspiel in der Abstiegsrunde, was auch nicht so überragend war von der Höflichkeit des Gastgebers. Deswegen haben wir uns zum Ziel gesetzt, das Ding hier vernünftig zu Ende zu bringen. Dass es am Ende Lohbrügge trifft, weil Hamm seine Hausaufgaben gemacht hat und somit vielleicht in der Liga bleibt, das ist dann so. Wir haben uns gesagt, dass wir Zehn von Zehn gewinnen wollen. Mitleid ist ganz nett. Aber hatte mit uns jemand Mitleid, als wir mit acht Punkten in die Abstiegsrunde gegangen sind? Mich hat keiner angerufen“, fand Fischer sehr offene Worte, betonte aber zugleich: „Ich schätze Elvis (Nikolic, Anm. d. Red.) als super netten und sympathischen Typen, der auch nicht dafür verantwortlich war, was damals passiert ist. Definitiv nicht. Das waren andere. Aber es wird halt mit dem VfL Lohbrügge in Verbindung gebracht. Und das, was da passiert ist, haben wir hier über Wochen besprochen und uns zum Ziel gesetzt, dass wir darauf sportlich eine Antwort geben. Das haben wir getan! Und das haben sich die Jungs absolut verdient an diesem super emotionalen Tag!“

Emotionaler Abschied für Beese

Lohbrügge-Trainer Elvis Nikolic (ob.) muss seinen Torjäger Pascal Bäker nach dem feststehenden Abstieg aufrichten. Foto: Bode

Denn auch aus Bönningstedter Sicht wurde es emotional: Nach sage und schreibe 14 Jahren im Verein war das Kapitel beim SV Rugenbergen für Kevin Beese in der 53. Minute beendet. Die Mannschaft bildete ein Spalier und der „Captain“ konnte seine Tränen beim Verlassen des Platzes kaum zurückhalten.

"Das tut natürlich richtig weh - man fühlt sich leer!"

Tränen flossen auch nach Abpfiff auf der anderen Seite. Im schwersten sportlichen Moment zeigte Nikolic jedoch wahre Größe: „Das gehört leider zum Sport dazu. Die Jungs haben alles gegeben, auch wenn nicht immer alles gelingt und manch einer von außen denken mag: ‚Geht da nicht mehr?‘ Aber es ist eben auch sehr schwer. Der Gegner kommt mit einer immensen Siegesserie im Rücken, hat Selbstbewusstsein ohne Ende keinen Druck. Aber am Ende muss man eben auch so ehrlich sein und sagen: Wenn man nur eins von acht Spielen in dieser Abstiegsrunde gewinnt, dann steht man auch zurecht auf diesem Platz.“ Allerdings machte Nikolic, der den Staffelstab an Gökhan Acar weiterreichen wird, auch keinen Hehl daraus: „Das tut natürlich richtig weh! Man fühlt sich leer – es ist einfach ein ekliges Gefühl. Am Ende des Tages ist das der Sport. Und das gehört eben auch dazu. Jetzt müssen wir stärker wiederkommen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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