03.12.2016

5:1 – Ein Tayfun namens Cosgun fegt über den ASV hinweg

Düneberger Erfolg wird von Verletzung von ASV-Akteur Kautz überschattet

Der Mann des Spiels: Tayfun Cosgun (Dritter v. li.) lässt sich für seinen Dreierpack von seinen Teamkollegen feiern. Foto: noveski.com/Herzog

Machtdemonstration am Silberberg: Im Spitzenspiel zwischen dem Zweiten und dem Dritten der Tabelle der Kreisliga 3 verwies der Düneberger SV den ASV Bergedorf 85 souverän mit 5:1 in die Schranken und hatte dabei einen alles überragenden Mann in seinen Reihen. Phasenweise jedoch geriet der Fußball vor den rund 90 Zuschauern zur Nebensache...

Jörg Franke hatte geschwiegen. Fast 75 Minuten lang sah der Trainer des ASV Bergedorf 85 dem Treiben auf dem Kunstrasen im Spiel gegen den Düneberger SV relativ wortlos zu. Vermutlich, weil er ob der Klarheit des Ergebnisses konstenriert war. Dann aber reichte es Franke und der ASV-Coach fuhr aus der Haut. „Das kann nicht sein, wie wir hier spielen. Ich glaub' es nicht. Die sind doch stehend k.o“, schallte es den Spielern der Gäste von ihrem Übungsleiter entgegen. Nur eine Minute später, seine Jungs hatten den Ausbruch ihres Trainers offenbar vernommen, hatte Patrick Koßatz einen Treffer auf dem Fuß. Doch sein Schuss war allzu harmlos, landete genau in den Armen von DSV-Torhüter Domenic Kikillus – und beschwor die nächste lautstarke Aktion am Rande herauf. „Das kann doch nicht wahr sein“, schimpfte Jörg Franke und hatte sich in diesen beiden Momenten so vehement und gestenreich echauffiert, dass ihm sogar die Brille von der Nase rutschte.

Hattrick: Cosgun kann machen, was er will

Zweikampf mit Folgen: Dünebergs Leon Ullmann (li.) und der Bergedorfer Christian Kautz prallen zusammen. Foto: noveski.com/Herzog

Zumindest in einem hatte Franke recht: Viel kam in der Schlussphase des Kreisliga 3-Spitzenspiels nicht mehr von gastgebenden DSV. Musste es aber auch nicht. Die Equipe von Coach Dennis Tornieporth konnte sich erlauben, nur noch das zu tun, was nötig war. Weil sie vorher eindrucksvoll den Grundstein für ihren ungefährdeten Erfolg gelegt hatte. Begonnen hatte das Tornieporth-Team damit bereits in der ersten Minute: Benjamin Cordes setzte sich auf der rechten Außenbahn durch, spielte den Ball nach innen, irgendein Fuß der Bergedorfer Defensive fälschte die Kugel ab und die letzte Ballberührung, bevor der Ball hinter der Linie landete, oblag Tayfun Cosgun. Bergedorf wurde derweil nur bei Standards gefährlich: Ein Freistoß von Christian Kautz stellte Kukillus vor keinerlei Probleme (9.), beim nächsten Freistoß versuchte sich Björn Koßatz und Kautz war derjenige, der das Leder freistehend über das Tor köpfte (14.).

Der DSV machte vor, wie es besser geht und besann sich dabei der Kombination und dem Strickmuster des ersten Treffers. Wieder war es Cordes, der von rechts die Kugel in den Strafraum brachte, wieder war es Cosgun, der Keeper Marc Stückler überwinden konnte – 2:0 (18.). Der ASV aber steckte auch nach Gegentreffer Nummer zwei nicht auf. Koßatz' Freistoß nach 21 Minuten fand Stephan Funk, doch der Top-Torjäger (21 Saisontore) hatte per Kopf kein Glück und scheiterte an Kikillus. Auf der andeen Seite konnte sich danach dessen Widerpart Stückler auszeichnen, als er sich nach 26 Minuten dem heranstürmenden Leon Ullmann in den Weg warf und den dritten Gegentreffer verhinderte. Selbiger aber sollte nicht lange auf sich warten lassen – und wieder war es Tayfun Cosgun, der ähnlich wie der gleichnamige, aber anders geschriebene Wind durch die Bergedorfer Abwehr stürmte. Nasser El Osman chippte die Kugel schön in den Sechzehner, Cosgun war von links in die „Box“ geeilt und vollendete ins lange Eck zum 3:0.

Kurz vor der Pause muss der Rettungswagen kommen

Christian Kautz musste nach dem Zusammenprall auf dem Feld behandelt und per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Foto: noveski.com/Herzog

Noch vor dem Seitenwechsel hätte der ASV in der 34. Minute, als Kikillus sich gleich zwei Mal in Schüsse der Gäste warf, und der 39. Minute, als Koßatz' Freistoß zur Ecke geklärt wurde, verkürzen können. Doch all' das geriet nach 43 Minuten dann zur Nebensache: Kurz vorm Bergedorfer Strafraum prallten DSV-Offensivspieler Ullmann und ASV-Akteur Kautz zusammen. Kautz sank zu Boden, das Spiel lief zunächst weiter, ehe die Dünenerger den Ball ins Aus spielten. Kautz hatte es schlimm erwischt: Er blieb regungslos liegen. Schnell stand fest: Für ihn sollte es nicht mehr weitergehen. Viel schlimmer aber: Nach Aussagen der Gäste spürte Kautz nach dem Zusammenprall und dem anschließenden Sturz zwar seine Beine, der Oberkörper jedoch war taub. Kautz wurde schließlich wärmend mit Jacken bedeckt, während man auf den herbeigerufenen Krankenwagen wartete. Nur einen kurzen Moment, bevor dieser kam, entschied sich Referee Detlef Sydlowski bereits jetzt zum Pausentee zu bitten und schickte die beiden Teams in die Kabinen.

Als die Mannschaften wieder herauskamen, war Kautz in den Krankenwagen transportiert worden, der weiterhin am Spielfeldrand stand. Schiri Sydlowski ließ zunächst die restlichen Minuten der ersten Hälfte plus Nachspielzeit absolvieren, dann tauschten beide Teams die Seiten und es ging nahtlos mit Halbzeit Nummer zwei weiter. Und auch Tayfin Cosgun setzte da an, wo er und der DSV aufgehört hatte: Eine Minute des zweiten Durchgangs war gespielt, als Cosgun auf dem linken Flügel allen Widersachern davonzog, in die Mitte schaute und uneigennützig auf den mitgelaufenen Kacper Fyk quer legte. Der wiederum hatte keine Mühe, den Angriff zum 4:0 für seine Farben zu vollenden. Und weil's gerade so schön klappte, zog der DSV noch einen schönen Angriff aus dem Ärmel: Ullmann wurde lang geschickt, ließ ASV-Torhüter Stückler aussteigen, schlug einen Haken um einen mitgelaufenen Bergedorfer Abwehrspieler und schob zum 5:0 ein. Kommentar von DSV-Coach Dennis Tornieporth: „Weltklasse!“ 

Zu mehr als dem ASV-Anschlusstreffer reicht's nicht

Restlos bedient: Das Team von ASV-Coach Jörg Franke war am Silberberg chancenlos. Foto: noveski.com/Herzog

Ullmann war es auch, der in der 61, Minjte beinahe das halbe Düneberger Dutzend vollgemacht hätte. Wieder war er inks, ebenso wie zuvor im ersten Durchgang oftmals Benjamin Cordes auf der anderen Außenbahn, den Bergedorfern entwischt, zog mit dem Ball am Fuß in den Straftraum und suchte den Abschluss. Doch Dünebergs Nummer 19 hatte die Rechnung ohne Thomas Herrmann gemacht. Bergedorfs Abwehrspieler kratzte Ullmanns Schuss von der Torlinie. Es blieb beim 5:0 für den DSV. Zumindest vorerst.

Viel mehr als der Anschlusstreffer sollte dem Gast allerdings nicht gelingen. Der Kopfball, den Louis Schwen in der 63. Minute nach einer Linksflanke aus kurzer Distanz über die Linie des Düneberger Tores drückte, bedeutete letztlich nicht mehr als die berühmte Ergebniskosmetik. Die drei Punkte blieben aus Bergedorfer Sicht verloren. Doch das hatte bereits lange zuvor schon mehr oder minder unumstößlich festgestanden und war daher auf Seiten des ASV angesichts der Verletzung von Christian Kautz nach dem Spiel (erstmal) auch nur Nebensache. 


Die FussiFreunde-Redaktion jedenfalls wünscht dem ASV-Kicker ebenso wie wohl alle Zuschauer (unter ihnen SC Schwarzenbek-Trainer Erdinc Özer, Bergedorf 85-Ligamanager Christop Schwiezena und Ralph Vollmers, Hamburgs „Kult-Schiri“), die Düneberger Kicker und Verantwortlichen und Kautz' Mitstreiter an dieser Stelle eine gute und baldige Genesung!       

Jan Knötzsch

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