18.11.2018

30 Minuten „Mega-Powerplay“ - doch dann nimmt Zankls Weihnachtsfeier-Rede Formen an

BU erst furios, dann zu verspielt - Sasel macht 0:2-Rückstand wett

Auch BU-Torjäger Ian-Prescott Claus (li.) - hier im Duell mit Sasel-Kapitän Timo Adomat - fehlte im Abschluss das nötige Glück und Fortune. Foto: Bode

Am Ende waren es die Leichtsinnigkeit im Auslassen von Großchancen und die Eigensinnigkeit in der einen oder anderen aussichtsreichen Situation, weshalb Marco Stier von einer „gefühlten Niederlage“ sprach. „Im Großen und Ganzen schaut das wirklich schon sehr gut aus. Wir müssen uns aber ankreiden, dass wir die Torchancen nicht reinmachen“, haderte der BU-Coach. „Wir hatten drei Situationen, wo wir einfach nur querlegen müssen und einer schießt ihn ins leere Tor. Aber wir haben immer die falsche Variante gewählt“, so Stier, der anmerkte: „Da kannst du als Trainer nichts machen und die Jungs wissen es ja selbst. Alle haben nun hängende Köpfe – daran sieht man ja, was für ein gutes Spiel wir gegen eine Spitzenmannschaft gemacht haben. Ich denke, wie gehören auch dazu.“

Viel Verkehr im Saseler Strafraum - aber nur die gelben Barmbeler gehen entschlossen zu Werke. 1:0! Foto: Bode

Insbesondere in der ersten halben Stunde spielte der HSV Barmbek-Uhlenhorst einen berauschenden Fußball. „Wir haben sie per Video sehr gut analysiert und wussten ganz genau, wie deren Spielaufbau ist. Ich glaube, es gab bisher noch so gut wie keine Mannschaft, die gegen Sasel Offensiv-Pressing gespielt hat. Alle haben auf Höhe der Mittellinie gestanden, auf Fehler gewartet – und die meisten haben dann verloren. Wir wollten unsere Fans begeistern“, erklärte Stier, dessen Schützlinge durch einen Doppelpack von Louis Mandel – erst nach einem Kopfball-Pingpong im Saseler Strafraum in Folge einer Hosseini-Ecke (18.), dann per Strafstoß, nachdem Tobias Steddin Mandel selbst gelegt hatte (26.) – mit 2:0 führten. Weitere gute Chancen blieben ungenutzt – vor allem durch Mandel, der aus wenigen Metern seinem dritten Treffer verpasste (43.). „Wir wussten, wenn wir sie vorne direkt unter Druck setzen, dass sie dann Probleme bekommen – denn das kennen sie so nicht. Das hat man nach 30 Minuten gesehen, als sie ihr System umgestellt haben. Unsere Taktik ist brutal aufgegangen“, befand Stier, der zudem von einer „mega ersten Halbzeit“ seiner Jungs sprach, in der man den Gegner „an die Wand gespielt“ habe. „Das war Powerplay-Fußball und sah richtig gut aus! Wir hatten einen Haufen Chancen, es muss zur Halbzeit eigentlich 5:1 stehen.“

„Wir haben es ihnen zu einfach gemacht und dann kommt da so eine Suppe bei raus“

Vor allem Samuel Hosseini (li.) - hier gegen Daniel Lichy - spielte eine starke erste Halbzeit. Foto: Bode

Das eine Tor für die Gäste besorgte Nico Zankl mit dem Pausenpfiff, als er mit seinem zentralen 30-Meter-Schuss Stephan Hölscher ganz schlecht aussehen ließ (45. +2) und sein Team wachküsste. „Ihm verzeihe ich das“, nahm Stier seinen reaktivierten Schlussmann in Schutz. Während Zankl konstatierte: „Die erste halbe Stunde war schon schwach. Das hatte mehrere Gründe“, ging TSV-Trainer Danny Zankl ins Detail: „Einmal hatten wir keinen Zugriff, dann haben wir die Wechsel in unserem System – je nachdem, ob wir noch oder tief pressen – nicht gut hinbekommen.“ Hinzu kamen „Unkonzentriertheiten“ und „schlechte Organisation“, so Zankl. Insbesondere bei den Gegentoren: „Beim 0:1 wird der Ball achtmal im Fünfmeterraum hin und her geköpft. Irgendwann muss auch mal eine Entscheidung von uns getroffen werden. Und vor dem Elfmeter stehen wir nach einem Einwurf einfach auf der falschen Seite des Gegenspielers.“ Und weiter: „Das war nicht so, weil BU da besonders herausragend war, sondern weil wir es ihnen zu einfach gemacht haben. Dann kommt so eine Suppe dabei heraus.“ Doch die wurde im zweiten Durchgang ausgelöffelt.

Stier: „Das ist bitter!“ - Zankl-Zocker zeigen „Mentalität“

BU-Keeper Stephan Hölscher avancierte beim Anschlusstreffer zum „Unglücksraben“. Foto: Bode

Nachdem Ian-Prescott Claus oder auch der einige Male viel zu eigensinnig agierende Abdel Hathat das vermeintliche dritte Tor leichtfertig verpassten, schlug Sasel nach einem tollen Spielzug über den immer stärker werdenden Tolga Celikten und Jean-Lucas Gerken zurück – 2:2 (73.)! „Wir haben sechs, sieben acht Hundertprozentige, machen die Tore aber nicht. Letztendlich sieht man, dass wir Woche für Woche guten Fußball spielen, uns leider nur zu selten mit drei Punkten belohnen“, haderte Stier. „Das ist bitter!“ Während Zankl in der Schlussphase, als Timo Adomat erst am Hölscher scheiterte (85.), ehe Nico Schluchtmann gerade noch gegen den eingewechselten Yannis Büge zur Stelle war (86.), um ein Haar noch den Sieg bejubeln durfte. „Wir hatten den Luckypunch zweimal auf dem Fuß. Das hätte zum 3:2-Sieg gereicht“, so Zankl, der aber auch wusste, dass das dem Guten wohl auch zu viel gewesen wäre. Dennoch: „Wir haben eine schlechte erste halbe Stunde gespielt, danach war es ausgeglichen – und in Phasen waren wir dann ein bisschen zielstrebiger sowie nach der Systemumstellung nach einer halben Stunde, die gereicht hat, um Kontrolle ins Spiel zu bekommen, auch viel konzentrierter und disziplinierter. In Momenten haben wir es auch gut gespielt. Aber so eine richtige Dominanz war nicht mehr möglich, weil der Gegner auch gut ist. Trotzdem haben wir Mentalität gezeigt.“

„Vor dreieinhalb Jahren waren wir im Niemandsland der Landesliga“

Marco Stier haderte sichtlich mit der Abschlussschwäche seiner Barmbeker. Foto: Bode

Und durch den Punktgewinn auch die Chance auf die Herbstmeisterschaft gewahrt. Denn mit einem Sieg im Nachholspiel beim HEBC (28.11.) würden die „Parkwegler“ den inoffiziellen Titel der besten Hinrunden-Mannschaft einfahren. „Es interessiert wahrscheinlich keinen. Aber vor dreieinhalb Jahren waren wir noch im Niemandsland der Landesliga – da hat keiner auch nur einen Gedanken daran verschwendet. Nun haben wir die erste Oberliga-Saison hinter uns und sprechen jetzt darüber“, erläuterte Zankl, der natürlich „froh und stolz“ darüber wäre, aber auch zu Bedenken gab, dass man „jetzt erstmal ein anderes Spiel vor der Brust“ hat. Nichtsdestotrotz: „Wenn ich das auf meiner Weihnachtsfeier-Rede erwähnen darf, ‚Jungs, ihr seid übrigens Herbstmeister geworden und keiner weiß es’, dann ist das vielleicht auch ein kleiner Aufhänger und sie müssen sich nicht so eine lange Rede anhören“, erklärte er mit einem verschmitzten Lächeln.

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren