14.12.2017

Zankl: „Wir wollen noch einen Schritt machen und Punkte nachlegen“

Sasel-Coach macht seine A-Lizenz – Zwei Winter-Abgänge am Parkweg

Hatte in der Hinrunde mit seinen Saselern allen Grund zum Jubeln: Trainer Danny Zankl. Foto: Heiden

Seit Montag weilt Danny Zankl in Köln. Nicht etwa, weil der Übungsleiter des TSV Sasel zum engen Kandidatenkreis beim 1. FC Köln auf die Nachfolge von Peter Stöger gehört – zumindest ist davon nichts übermittelt –, sondern deshalb, weil er in der Domstadt seine A-Lizenz absolviert. Zum Lehrgang des 30-Jährigen gehören auch ehemalige Bundesliga-Stars und Nationalspieler wie Miroslav Klose, Christoph Metzelder, Sebastian Kehl, Patrick Owomoyela oder auch Oka Nikolov, um nur einige zu nennen. „Insgesamt sind 14 Ex-Profis mit dabei“, verrät uns Zankl, der bis zum Ende der Woche in Köln logiert, ehe es im Januar mit dem Lehrgang weitergeht.

Wenn ein einstiger Nationalspieler über die Qualitäten von Joachim Löw spricht, ein anderer Akteur die Kompetenzen von Jürgen Klopp adelt, und ein weiterer Spieler wiederum die Stärken eines José Mourinho hervorhebt, dann seien dies „Erfahrungsberichte, wo man extrem viele Reize und Impulse rauszieht“, so Zankl, der diese Erfahrungsberichte gerade frei Haus serviert bekommt. Für den Trainer des TSV Sasel ist dies der Abschluss eines außergewöhnlichen Fußball-Jahres. Erst die errungene Meisterschaft, dann der Aufstieg in die Oberliga – und dort angekommen, spielten die „Parkwegler“ eine famose erste Halbserie. „Erwartet habe ich das nicht“, lässt uns Zankl wissen, als wir ihn auf den bis dato zu Buche stehenden fünften Rang ansprachen. „Ich habe vor der Saison aber auch nicht in Tabellenplätzen gedacht“, führt er aus. „Vorrangig ging es mir und uns darum, dass wir nicht wieder absteigen. Und ich war überzeugt davon, dass wir es schaffen, weil wir der Mannschaft ein klares Konzept an die Hand gegeben haben. Aber man darf eines nicht vergessen: Wir waren schon immer jung, jetzt sind wir brutal jung.“

„Das eine oder andere Gesicht aus der A-Jugend werden wir in der Liga sehen“

Justin Lübcke wird die "Parkwegler" mit noch unbekanntem Ziel verlassen. Foto: Mathias Merk

Die Abgänge von Spielern wie Ken Niederstadt (SC Condor), André Lohfeldt (USC Paloma II), Yannik Reinke, Nico Behrends (beide pausieren) oder auch Kevin Göde (ETSV Hamburg), „die alle Mitte/Ende 20 waren, haben wir mit noch jüngeren Spielern ersetzt“, so Zankl. Dieser eingeschlagene Weg soll künftig nahtlos fortgeführt werden. „Wir werden schon in der Rückrunde vermehrt Spieler aus der eigenen A-Jugend an den Herrenbereich ranführen.“ Denn, und daraus macht Zankl gar keinen Hehl, der eigene Nachwuchs spielt in seinen Planungen eine große Rolle. Die U19 führt mit acht Siegen aus neun Spielen souverän das Tableau der A-Verbandsliga an und steht – unter der Leitung von Nico Zankl – vor dem Sprung in die Regionalliga. Mit Torhüter Lasse Erichsen und Jost Hausendorf haben bereits zwei Mann in der Hinserie das eine oder andere Mal bei der Liga-Mannschaft reinschnuppern dürfen. „Schon in der Rückrunde möchte ich gerne punktuell den nächsten Schritt einläuten. Ich bin überzeugt davon, dass wir das eine oder andere Gesicht spätestens in der kommenden Saison bei uns in der Liga sehen werden.“

„Ich habe mir ernsthafte Gedanken gemacht, ob das Risiko zu groß ist“

Danny Zankl blickt mit seinem TSV in eine sonnige Zukunft. Foto: Mathias Merk

Heißt: Der ohnehin schon immens junge Kader wird noch einmal einer kleinen Bluterfrischung unterzogen. Dass dies kein Nachteil gegenüber der zumeist erfahrenen und robusten Konkurrenz im Hamburger Oberhaus ist, hat die bisherige Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt. „Natürlich bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Wichtig war, dass wir schnell die Körperlichkeit, Robustheit und Widerstandsfähigkeit in dieser Liga annehmen und daran wachsen. Das ist uns gut gelungen. Das Hauptziel bleibt, schnellstmöglich die 40 Punkte zu holen. Aber wir wollen nach der Winterpause noch einen Schritt machen und möglichst viele Punkte nachlegen, um gar keine Unruhe aufkommen zu lassen.“ Zudem erklärt Zankl, dass man „den eigenen Spielstil durchziehen“ wollte. „Ich wurde vor der Saison viel und oft gefragt, ob wir weiter so offensiv, mutig und riskant spielen wollen. Und ich muss gestehen, dass ich mir nach den vielen Nachfragen ernsthafte Gedanken darüber gemacht habe, ob ich die Oberliga so schlecht kenne und ob das Risiko vielleicht doch zu groß ist. Aber wir haben es geschafft, noch variabler zu werden und unsere offensive Spielweise mit Ballbesitz noch einmal zu verbessern.“

Wenzel und Lübcke gehen – „Lukas’ Abgang tut uns weh“

Lukas Wenzel verlässt Sasel und schließt sich Bezirksligist Eimsbütteler TV an. Foto: KBS-Picture

Mit Lukas Wenzel (ETV) und Justin Lübcke, der vor dieser Spielzeit von Altona 93 kam, werden zwei Spieler den Verein im Winter verlassen. Von Lübcke habe man sich „im gegenseitigen Einvernehmen getrennt“, wie Zankl meint, weil der Verteidiger „den Wunsch geäußert hat, nach Spanien zurückzugehen.“ Mittlerweile machen jedoch Gerüchte die Runde, dass der Linksfuß mit dem FC Bergedorf 85 anbandeln könnte. „Schade, dass das bei uns nicht funktioniert hat. Denn er hat sportlich eine gute Veranlagung“, so Zankl, dem der Abgang von Wenzel „sehr wehtut – vor allem auch mir als Trainer.“ Anschließend begründet er: „Er passte nicht nur charakterlich und menschlich hervorragend zu uns, sondern hatte auch immer die richtige Einstellung und war bei uns der ‚Trainingsweltmeister‘. Er ist sehr zielstrebig und einfach ein guter Typ. Wir haben versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden – aber wir müssen uns der allgemeinen Situation beugen. Lukas kann den zeitlichen Aufwand – mit Uni, drei Nebenjobs, Fußball und Futsal – einfach nicht mehr betreiben. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie zeitraubend das ist. Deshalb kann ich ihn auch verstehen.“ Einen adäquaten Ersatz zu finden, wäre „im Winter nicht möglich“, ist sich der Übungsleiter sicher. Vom ETV gab es überaus lobende Worte für die Abwicklung des Transfers in Richtung Sasel. Während Zankl noch einmal betont: „Es gibt für uns keinen Ansatzgrund, ihm Steine in den Weg zu legen. Lukas hat sich astrein verhalten und war sehr loyal. Er ist nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein Verlust.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren