14.10.2017

„Einfach brutale Qualität“: Vickys verschiedene Vollstrecker veredeln Wiedersehen

SCV schlägt Süderelbe bei Richter-Rückkehr mit 3:1

Sieg an alter Wirkungsstätte: Vicky-Coach Jean-Pierre Richter jubelt mit Klaas Kohpeiß (Nummer 19) und den anderen Spielern des SCV. Foto: Heiden

Was war vor diesem Spiel nicht alles geredet und geschrieben worden: Von der Rückkehr von Jean-Pierre Richter, dem Coach des SC Victoria, an seine alte Wirkungsstätte beim FC Süderelbe. Vom Wiedersehen der Vicky-Kicker Dennis Lohmann, Dennis Bergmann, Yannick Petzschke, Mirco Bergmann, Felix Schuhmann und Klaas Kohpeiß mit dem Verein, dessen Trikot sie unter Richter lange Jahre trugen. Der Gastgeber stilisierte das Duell aufgrund dieser Vorzeichen sogar zum Match „FC Süderelbe vs. FC Nordelbe“. Am Ende hatte Vicky mit 3:1 das bessere Ende für sich. Verdient, wie selbst Süderelbes Übungsleiter Markus Walek befand. Die großen Gefühle aber wollten bei Richter – immerhin sechs Jahre Coach beim FCS  – nicht aufkommen...

Er wirkte gefasst. Nahezu nüchtern. „Das ist ein guter Erfolg für uns. Es ist zufriedenstellend, dass wir drei Punkte mitnehmen. Für einen Auftritt gegen ein Team, das schon den einen oder anderen doch bemerkenswerten Heimerfolg hatte, ist das in Ordnung“, fasste Vickys Coach nach der Begegnung die vorangegangenen 90 Minuten zusammen. Kein überschwänglicher Jubel, keine grenzenlose Freude. Und das, wo Richters Elf doch soeben eine fußballerisch mehr als ansprechende Darbietung auf den Kunstrasen am Kiesbarg gezaubert hatte und Siege gegen den „Ex“ doch eigentlich immer etwas ganz besonderes sind und nochmal eine Spur besser schmecken als andere, vielleicht alltäglichere Erfolge. „Es war schon ein intensiver Tag und kein ganz normales Spiel. Natürlich sind da Emotionen mit drin. Auch wenn sie gerade nicht so rüberkommen“, verriet Richter schließlich doch, um dann allerdings ganz schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen: „Ein Sieg gegen einen Gegner, der in der Tabelle unmittelbar hinter uns steht – das sind drei wichtige Punkte.“

Drei Ex-Süderelbe-Spieler beim SCV nur in der Zuschauerrolle

Nick Scharkowski (Nummer 24) schiebt den Ball zum 1:0 für den SC Victoria über die Linie. Foto: Heiden

Daran, dass der SCV diese Zähler letztlich mitnehmen sollte, bestanden eigentlich zu kaum einem Zeitpunkt der Partie Zweifel. Zwar erklärte Süderelbes Coach Markus Walek, unter Richter lange Zeit Co-Trainer, nach dem Abpfiff, dass seine Equipe „die eine oder andere Chance auf den Ausgleich hatte“, es „in der ersten Halbzeit gut gemacht hat“ und das Spiel vielleicht „etwas spannender hätte gestalten können“, doch abgesehen von Vedat Düzgüners Freistoß (20.) und Niklas Golkes Gelegenheit, die Victor Medaiyese zunichte machte (26.), hatten die offiziell 604 Zuschauer eigentlich nie das Gefühl, dass der FCS den Gästen wirklich hätte gefährlich werden können. „Wir haben erkennen müssen, dass uns die Qualität nach vorne fehlt, wenn Ian Claus und Tarik Cosgun nicht dabei sind. Solche Ausfälle können wir nur schwer kompensieren“, bilanzierte Walek und erkannte neidlos an: „Der Sieg für Vicky ist verdient. Die spielen einfach eine Liga höher als wir, was die Ambitionen angeht und sind völlig anders aufgestellt. Für uns ist das eine Übermannschaft.“

Und die war einfach dauerhaft überlegen. Zwar konnte Martin Sobczyk nach elf Minuten nach einem Kopfball von Nick Scharkowski im Anschluss an eine Hereingabe von Len Aike Strömer noch auf der Linie klären, fünf Zeigerumdrehungen später lag der Ball dann aber doch hinter FCS-„Goalie“ Yalcin Ceylani im Netz: Strömer verlagerte das Spiel mit einem Pass auf Julian Schmid auf die linke Seite. Schmid flankte fast von der Torauslinie nach innen, wo Scharkowski vor dem Gehäuse lauerte und in bester Mittelstürmer-Manier zum 1:0 vollendete. Nach Golkes Chance für die Hausherren aus Minute 26 war im Gegenzug dann Keeper Ceylani gefordert, der sich in einen Schuss von Scharkowski warf und per Fuß verhindern konnte, dass der Torjäger ein weiteres Mal zuschlug. Nicht einmal 60 Sekunden vor dem Pausenpfiff stand Ceylani dann erneut im Mittelpunkt und blieb im Duell mit einem Victorianer erneut Sieger. Diesmal entschärfte er einen Schuss von Schmid, der per Dropkick abgezogen hatte.

Walek: „Für uns ist Vicky einfach eine Übermannschaft“

André Monteiro Branco (re, hier gegen Francis Gyimah) leitete sehenswert das 2:0 ein. Foto: Heiden

Der zweite Durchgang begann mit einem Pfostentreffer für Victoria durch Strömer (46.), dem das 2:0 für die Elf von der Hoheluft folgte: André Monteiro Branco narrte seinen Gegenspieler im rechten Drittel des Sechzehners nach allen Regeln der Kunst und schob die Kugel zu Strömer. Der wiederum bewies die nötige Übersicht und setzte Kohpeiß in Szene. Und der Ex-Süderelbe-Stürmer machte das, was er als Offensivkraft am besten kann: Er versenkte das Leder in den Maschen (52.). „Wir sind schlecht in die zweite Halbzeit gekommen. Vicky hingegen kommt gut raus und hat das sehr gut ausgespielt. Man hat einfach gemerkt, dass die einfach eine brutale Qualität haben“, konstatierte FCS-Trainer Walek, „eine solche Qualität haben wir nicht. Gerade wenn man sieht, wie Vicky das 2:0 herausspielt. Da können sie machen, was sie wollen. Wir sind mit solchen Teams nicht auf Augenhöhe, auch wenn das tabellarisch so aussieht. Klar haben wir gegen Teutonia 05 gewonnen, aber für sowas muss schon alles passen.“

Das war freilich eher auf Seiten des SCV der Fall als bei den „Kiesbarg-Kickern“. Und so legte Vicky auch noch einmal nach: Kohpeiß spielte den Ball nach 63 Minuten von rechts ins Zentrum, wo Strömer lauerte, das Spielgerät annahm und seine starke Leistung mit einem Schuss ins rechte untere Eck krönte – 3:0 für die Richter-Equipe, die in der Folgezeit zwei Einschussmöglichkeiten ungenutzt verstreichen ließ: Erst verpasste Scharkowski nach einem Pass, den Dennis Bergmann von rechts hineinbrachte, freistehend den vierten Treffer (76.), dann war es Schmid, der nach einer Kombination über Dennis Bergmann und Scharkowski nicht traf (86.). So blieb das letzte Tor des Abends dann doch den Gastgebern vorbehalten: Yannick Petzschke brachte in der Schlussminute an der Sechzehner-Umrandung Jan Luca Segedi zu Fall, Schiri Luca Jürgensen deutete auf den Punkt und Vedat Düzgüner überwand Keeper Medaiyese, der das verletzte Geburtstgskind Dennis Lohmann vertrat. Neben „Lohmi“ fehlten mit Mirco Bergmann (Innenbandriss) und dem angeschlagenen Felix Schuhmann übrigens auch zwei weitere Ex-Süderelbe-Kicker.

Richter: „Wie André vor dem 2:0 die Hintermannschaft aushebelt, ist herausragend“

Gleich schlägt der Ball ein: Klaas Kohpeiß (li.) trifft zum 2:0-Zwischenstand für Vicky. Foto: Heiden

Spieler, die Markus Walek ebenso wie die auf dem Platz stehenden Petzschke, Dennis Bergmann und Kohpeiß natürlich bestens kennt. „Ich war ja an deren Ausbildung beteiligt“, sagte der FCS-Coach nach dem Spiel und ergänzte: „Es ist die Entscheidung der Spieler gewesen, den Sprung von Süderelbe zu Vicky zu machen. Man kann es ihnen nicht verübeln. Der SC Victoria ist einfach ein größerer Verein mit Ambitionen. Die werden immer andere, höhere Ziele als der FC Süderelbe haben. Trotzdem: Unser Auftritt heute war ordentlich. Den Ehrentreffer haben wir uns verdient.“ Sprach's und kündigte an, mit Jean-Pierre Richter „jetzt noch das eine oder andere Bierchen zu trinken. Wir sind schließlich Weggefährten und gute Freunde“. Doch bevor Walek in den Genuss gemeinsamer Getränke mit „Jonny“ kam, musste der erst einmal noch das Spiel aus seiner Sicht Revue passieren lassen.

„Wir haben in der zweiten Hälfte gezeigt, dass wir in der ersten nicht alles so umgesetzt haben, wie wir wollten. Ich denke, dass wir das Resultat aufgrund der besseren Angriffe und Chancen und unserer Qualität hinten raus verdient hochgefahren haben“, analysierte Richter. „wir sind mit dem Sieg sehr zufrieden. Ich freue mich, dass die Mannschaft ein weiteres gutes Ergebnis erzielt hat.“ In der ersten Halbzeit hätte sein Team, so Richter, „nach dem 1:0 ein paar Chancen liegengelassen. Und wir konnten Süderelbes Möglichkeiten nicht immer verteidigen. Die Partie wirkte zerfahren. Nach Wiederbeginn haben wir eine gute Struktur gezeigt. Uns zeichnet aus, dass wir mit Len, Nick und Klaas verschiedene Vollstrecker haben. Trotzdem muss der Ball ja auch erstmal in die Box. Wie André vor dem 2:0 die Hintermannschaft aushebelt, ist herausragend. Der Spielzug beim 1:0 ist einer, wie man ihn genießen will. Der Ball kommt genau dort hin, wo er muss. Am Ende hatten wir nicht mehr viel Gegenwehr.“

Jan Knötzsch 

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