11.03.2017

Irre fünf Schlussminuten: Mausetotes Meiendorf holt einen Punkt

Sasel gibt beim 3:3 gegen MSV 3:1-Führung aus der Hand

Andrej Blum verwandelte kurz vor Schluss den Elfmeter zum 3:3-Endstand. Archivfoto: noveski.com

Der TSV Sasel sah bei seinem Auswärtsauftritt am Samstagnachmittag gegen den Meiendorfer SV bereits wie der sichere Sieger aus. Etwas mehr als fünf Minuten waren auf dem Rasen der „Flens-Arena“ noch zu spielen. Mit 3:1 führte die Mannschaft der Gäste zu diesem Zeitpunkt. Viel konnte da nicht mehr schiefgehen, so der allgemeine Tenor. Doch dann rächte sich die Tatsache, dass die „Parkwegler“ zuvor ihre Chancen zur endgültigen Entscheidung nicht genutzt hatten. Zwei Mal „klingelte“ es im Tor der Gäste, urplötzlich war der „Dreier“ zu einem einzigen Punkt geschrumpft – und die Trainer an der Seitenlinie offenbarten anschließend einen tiefen Blick in ihr Gefühls-Chaos...

„Ich realisiere das alles noch gar nicht“, sagte Danny Zankl und richtete sich die blaue Mütze, die er auf dem Kopf trug, „aber wenn ich an die Anzeigetafel gucke, sehe ich ja, dass es wahr ist. Trotzdem fühle ich mich gerade eigentlich eher wie ein Sieger. Und dann auch wieder ein paar Augenblicke wie der Verlierer.“ Auf der Anzeigetafel, von der Zankl sprach, prangte ein 3:3. Ein Resultat, das es im Fußball nicht so oft, aber hin und wieder eben doch gibt. Über die Schlussphase des Spiels aber verriet es auf den ersten Blick nichts. Doch die 305 zahlenden Zuschauer, die das Match an der B75 gesehen hatten, wussten ja, was sie da gerade für irre fünf finale Minuten erlebt hatten.

Elfmeter gegen Sasel und „Ampelkarte“ für Celikten als finaler Akt

Unglücksrabe: Tolga Celikten verursachte den Strafstoß in der 89. Minute und flog vom Platz. Archivfoto: noveski.com

Fangen wir von hinten an: Die reguläre Spielzeit ging auf ihre Zielgerade, als Meiendorfs Andrej Blum mit dem Ball am Fuß im Strafraum auftauchte. Der Angreifer hatte Tempo drauf und Tolga Celikten versuchte mit allen Mitteln, ihn zu stoppen. Sasels Außenverteidiger entschied sich für das in diesem Moment schlechteste aller Mittel: er foulte Blum. Schiedsrichter André Rosin deutete auf den Elfmeterpunkt und zeigte dem bereits verwarnten Celikten die Gelb-Rote Karte. Und während der von dannen schlich, trat Blum selbst zum Strafstoß an. Entgegen der alten Weisheit, dass der Gefoulte niemals selbst schießen sollte. Meiendorfs Nummer elf aber war das egal. Er lief an, zielte ins rechte untere Ecke. TSV-Keeper Maximilian Richter tauchte genau dorthin ab, doch Blums Schuss war zu platziert. Und drin – 3:3 (89.). Der Schlusspunkt. Vier Minuten zuvor hatte Osman Celik einen Freistoß vor das Saseler Tor befördert. Richter ließ den Ball nach vorne abklatschen, Marcel Hoffman staubte ab – es war der Anschlusstreffer zum 2:3 (85.) aus Sicht des MSV und der setzte noch einmal die Hoffnungen und Energie frei, die schließlich im Remis mündeten.

„Hier kann es eigentlich nur einen Sieger geben. Meiendorf war mausetot“, konnte Sasel-Coach Danny Zankl es einfach nicht fassen, „auch wenn wir in der zweiten Hälfte aus Kräftegründen wechseln mussten, wir dadurch ein bisschen Unordung hatten und uns der Zugriff fehlte, haben wir nichts zugelassen. Am Ende sind es zwei Standardsituationen, die uns den Sieg kosten. Da kann man schon sagen: selbst Schuld.“ Doch nicht nur an diesen beiden ruhenden Bällen hatte es gelegen, dass aus drei erhofften schließlich nur ein Zähler wurde. Und auch das sprach Zankl an. „Wir hatten die Möglichkeit, den Deckel draufzumachen. Aber wir waren zu inkonsequent. Auch wenn wir uns nicht belohnt haben, war das ein gutes Auswärtsspiel. Wir müssen das Positive aus dem Spiel mitnehmen – und das war viel. Wir haben sowohl heute als auch in der letzten Woche gut gespielt. Nachdem wir diesmal nicht gut reingekommen sind, haben wir uns gesteigert. Und unsere drei Tore sind auf diesem schlechten Boden ein Leckerbissen.“

Ergün: „Meine Gefühlswelt hat einen Wellengang erlebt“

Frühzeitiger Feierabend: Michael Sara musste bereits in der ersten Hälfte ausgewechselt werden. Archivfoto: noveski.com

Den ersten Genussmoment des Spiels jedoch servierten die Meiendorfer: David Peixoto Goncalves flankte die Kugel von der rechten Seite flach vors Tor, Michael Sara war schneller als alle um ihn herumstehenden Saseler im Strafraum – 1:0 für den MSV nach acht Minuten. Doch Sasel schlug knapp eine Viertelstunde später zurück. Lenny Kratzmann setzte sich links durch, sah im Strafraum Benedikt Neumann-Schirmbeck und der verwertete die Hereingabe seines Teamkollegen zum Ausgleichstreffer. Damit war die Zankl-Equipe nun endlich in der Partie. Nico Zankl (26.) und Celikten (33.) verpassten zwar anschließend das 2:1, doch vier Minuten vor dem Seitenwechwel genügten dem TSV in Strafraumnähe drei Kontakte zum Führungstreffer: Lukas Wenzel spielte das Leder von halblinks in die „Box“. Celikten legte quer, Neumann-Schirmbeck vollendete zur Führung. Der zweite schwere Schlag für die Hausherren binnen kurzer Zeit, nachdem zuvor Kapitän Sara verletzt ausgewechselt werden musste.

Im zweiten Durchgang „waren wir völlig auf. Wir machen das an zwei, drei Spielern aus der Truppe aus. Wenn die nicht funktionieren, dann läuft's bei der ganzen Mannschaft nicht mehr. Und diese Spieler haben nicht funktioniert“, fasste Meiendorfs Übungsleiter Fatih Ergün weite Strecken des Geschehens nach dem Pausentee treffend zusammen. Entsprechend schien die Messe spätestens nach 62 Minuten gelesen, als sich Saeels Kratzmann gegen Max Rosseburg durchsetzte und einen zuvor schon verloren geglaubten Ball behauptete. Kratzmann spielte flach vors Tor, wo Nico Zankl nur noch einschieben musste. Das 3:1 für Sasel war perfekt. Und der TSV hätte den berühmten Sack anschließend mehrfach zumachen können. So war zum Beispiel beim Versuch des eingewechselten Nico Behrends ein Abwehrbein dazwischen (79.), dann vergab Neumann-Schirmbeck nach einem Zuspiel von Timo Adomat (81.). Meiendorf zeigte erst in der 84. Minute wieder, dass man noch am Spiel teilnahm. Blums Schuss parierte Richter per Fußabwehr. Doch das war ja nur das Vorspiel für die finalen fünf Minuten...

Zankl: „Der Stachel sitzt tief. Alles Negative lasse ich gleich auf der Autofahrt raus“

Benedikt Neumann-Schirmbeck traf zwar doppelt, zum Sieg für Sasel reichte es dennoch nicht. Archivfoto: noveski.com

„Meine Gefühlswelt hat einen echten Wellengang erlebt“, erklärte MSV-Coach Ergün nach dem Spiel, „von der Euphorie bei unserem schön herausgespielten 1:0 über Frustration bis hin zu Trauer. Ich hab' nach dem 1:3 gedacht, hier geht nichts mehr. Aber das Spiel ist erst vorbei, wenn es abgepfiffen ist.“ Seine Elf könne sich, so Ergün weiter, „bei Sasel bedanken, dass wir einen Punkt behalten. Andererseits kann sich Sasel auch bei uns bedanken, dass wir denen drei Tore geschenkt haben. So war es – ohne, dass ich deren Leistung schmälern will. Sasel ist für mich immer noch Favorit Nummer eins auf den Aufstieg.“ Trotz des einen Punktes „habe ich gerade im Kreis der Mannschaft keine Freude aussprechen können. Ich war enttäuscht“, gab Ergün zu Protokoll. „Das war nicht die Qualität unserer Mannschaft, wie wir sie kennen. Wir machen und tun und die Jungs fordern, Wir führen die ganze Woche Gespräche mit Spielern, die unzufrieden sind. Dann geben wir ihnen eine Chance und letztlich wirst du eigentlich in deiner Meinung bestätigt, warum diese Spieler vorher nicht gespielt haben“, erklärte Ergün abschließend und erntete ein Nicken seines neben ihm stehenden Trainerkollegen Baris Saglam.

Danny Zankl hingegen hatte nach dem Blick Richtung Anzeigetafel so langsam realisiert, dass das, was er vorher erlebt hatte, kein böser Traum war. „Der Stachel sitzt jetzt natürlich tief. Aber wir müssen die negativen Sachen vergessen machen und uns auf das konzentrieren, was wir gut gemacht haben. Das dauert vielleicht noch einen weiteren Tag, aber ab Montag schauen wir wieder nach vorne und konzentrieren uns auf das nächste Spiel gegen Hamm United“, versprach der Coach des Tabellenführers, der auch schon wusste, wie er selbst die Erlebnisse der letzten fünf Minuten für sich verarbeiten wollte. „Das Negative aus diesem Spiel lasse ich gleich auf der Autofahrt nach Hause raus“, verriet Zankl und trottete in Richtung Kabine. Freilich natürlich, ohne nochmal einen allerletzten kontrollierenden Blick in Richtung Anzeigetafel zu werfen...

Jan Knötzsch 

Kommentieren