26.02.2017

Von „Eierflattern“ und „Jagdhunden“: TuS lässt sich nicht „einbuddeln“!

Nach BU-Sieg: Die Selbstverständlichkeit ist zurück beim Meister

Kristof Kurczynski (Mi.) schüttelt Kevin Lange ab (re.) und lässt auch André Tholen keine Chance. 1:0 TuS! Foto: KBS-Picture.de

Nach dem elften Spieltag wurde bereits das berühmt-berüchtigte Fernglas rausgekramt, um den Rückstand von „Dreifach-Meister“ Dassendorf auf die Tabellenspitze ins Blickfeld zu rücken. Ganze zehn Zähler fehlten der TuS auf Primus Concordia, sieben Punkte trennten beide Teams zwei Wochen darauf vor dem direkten Aufeinandertreffen. „Wer zum damaligen Zeitpunkt der Meinung war, er müsse uns abschreiben, der ist selber schuld. Ich habe uns nicht eine einzige Sekunde abgeschrieben“, erinnert sich Trainer Peter Martens.

Mo Labiadh (re.) war bei Amando Aust bestens aufgehoben. Foto: KBS-Picture.de

Auch Kapitän Amando Aust blickt – im Nachhinein – mit Wohlwollen zurück: „Wir waren mal weit weg. Dann haben wir Cordi zu Hause besiegt und die Ersten dachten sich: Vielleicht spielen die ja doch eine Rolle in dieser Saison. Denn Cordi war nach zehn Spieltagen ja schon Meister, hatte ich zumindest das Gefühl. Aber wir haben kontinuierlich gearbeitet – und dass die Konkurrenz so schlecht aus der Winterpause gekommen ist, ist natürlich gut für uns.“ In der Vorsaison war das Duell zwischen BU und den „Wendelweglern“ DAS entscheidende Statement der TuS auf dem Weg zum dritten Titel in Folge. „Da war es ja nicht anders, als wir nach der Niederlage gegen Curslack von vielen schon beerdigt wurden. Dann kamen wir hierher, haben nach zehn Minuten die Rote Karte kassiert und wurden daraufhin vom Rest endgültig eingebuddelt und die Abgesänge wurden gestartet“, so Martens. Doch es kam ganz anders. In Unterzahl führte Dassendorf die Barmbeker Hausherren nach Strich und Faden vor, triumphierten schlussendlich auch in der Höhe verdientermaßen mit 3:0 und marschierten zur dritten Meisterschaft in Folge.

Zwei BUHochkaräter in der ersten Minute

Schütze von Walsleben-Schied (li.) und Vorbereiter Thomas unter sich. Foto: KBS-Picture.de

Nun waren die Voraussetzungen vor dem Wiedersehen ganz anders: Während Dassendorf erneut ganz oben mitmischt und Titel Nummer vier ins Visier nimmt, „krebst“ BU im Mittelfeld herum. Was war also die Motivationsspritze, die Frank Pieper seinen Schützlingen mit auf den Weg gab? „Dassendorf ist uns so egal, wie einem nur etwas egal sein kann. Es ging nur um uns, denn wir wollen das Bestmögliche aus dieser Saison herausholen. Da ist Dassendorf genau so wichtig, wie Kosova oder Osdorf.“ Dass der eine oder andere Spieler eine gewisse Art von Wiedergutmachung im Kopf hatte, war allerdings nicht zu verkennen. Denn die Barmbeker starteten vor 412 Zuschauern an der Dieselstraße furios. Nach 17 gespielten Sekunden konnte Seyhmus Atug den einschussbereiten Christian Degener bei dessen Abschlussversuch gerade noch entscheidend irritieren, ehe Rinik Carolus nur wenige Bruchteile darauf bei einem Schuss von Nico Schluchtmann noch den Fuß dazwischen bekam und sein Team vor dem Rückstand rettete.

„Die ersten anderthalb Minuten waren wir überrascht - dann hatten wir sie!"

Ernüchterung bei Nico Schluchtmann (li.) - großer Jubel bei den Gästen. Foto: KBS-Picture.de

„Wir haben sehr gut begonnen, müssen eigentlich die Bude machen, wenn wir etwas klarer gespielt hätten“, bemängelte Pieper, der sich während der 90 Minuten immer wieder auf den Unparteiischen Michael Ehrenfort (TuRa Harksheide) einschoss. „Wir waren unsicher, wie BU auftreten wird. Im letzten Jahr haben sie nur gemauert. Heute sind sie gleich vorne draufgegangen, davon waren wir die ersten anderthalb Minuten überrascht und dann hatten wir sie“, befand unterdessen Amando Aust – und hatte Recht. Die anfängliche „Barmbeker suprise“ war schnell verpufft. Sven Möller aus dem Zentrum in den Lauf von Kristof Kurczynski, der erst Kevin Lange und dann André Tholen von halblinks das Nachsehen gab – 0:1 (6.)! Anschließend hatten die Gastgeber Glück, dass Tholens riskantes Spiel auf der Rasierklinge von Marcel von Walsleben-Schied nicht bestraft wurde (9.), dass Kurczynkis nach einem tolle Spielzug im Abschluss die Präzision fehlte (19.) – und auch Marcel Lenz nach einem Möller-Standard zu ungenau köpfte (28.). Aber dann: BU agierte viel zu passiv, als Dassendorf das Runde durch die eigenen Reihen gleiten ließ. Finn-Lasse Thomas brachte die Kugel von rechts scharf ins Zentrum, wo sich von Walsleben-Schied um den zu Boden gehenden Matthias Ribeau herumdrehte und in Gerd-Müller-Manier vollstreckte (36.). 2:0 TuS!

Degener bringt Hoffnung zurück

André Tholen (li.) im Glück, dass sein riskantes Dribbling nicht bestraft wurde. Foto: KBS-Picture.de

Sogar das dritte Tor lag in der Luft, als Thomas nach Wiederanpfiff von seiner rechten Seite nach innen zog. Einzig King Onassis Paschen hatte etwas dagegen, als er den Linksschuss des „Blondschopfes“ von der Linie köpfte (56.).Die Barmbeker waren gefordert, aber irgendwie fehlte vorne die Durchschlagskraft – sicherlich auch, weil Marcel Lenz und Seyhmus Atug auf Dassendorfer Seite (mal wieder) alles im Griff hatten und Aust einen mehr als nur soliden „Sechser“ gab. Frank Pieper musste reagieren und tat dies in Minute 72, als er Mohamed Labiadh vom Platz nahm, der darüber sichtlich verärgert war, und Tolga Odabas brachte. Jener Odabas war es auch, der keine 120 Sekunden später mit seiner butterweichen Flanke aus dem Halbfeld Degener frei spielte. Dieser nahm den Ball gekonnt per Direktabnahme und beförderte ihn in den linken Giebel – nur noch 1:2 aus Hausherren-Sicht (74.)! Und auf einmal, nachdem die Martens/Hoffmann-Kicker bis hierhin eigentlich alles unter Kontrolle hatten, zitterten die Gäste, überstanden die Schlussphase aber unbeschadet, weil einzig Lange mit seinem Versuch nochmal für ein bisschen Gefahr sorgte (88.). Die Ampelkarte gegen Pascal El-Nemr in der Nachspielzeit war nur noch Makulatur – auch das ständige verbale Scharmützel an der Seitenlinie zwischen der Barmbeker und der Dassendorfer Bank (sowohl Peter Martens als auch Thomas Hoffmann blicken auf eine lange Barmbeker Vergangenheit zurück) war schnell vergessen.

„Ich fand deren Bank mit dem ständigen Gequatsche anstrengend"

Christian Degener (li.) konnte BU wieder in Schlagdistanz bringen. Foto: KBS-Picture.de

„Wenn du ein so souveränes Spiels machst und alles im Griff hast, dann ärgert dich das schon, wenn es nochmal spannend wird“, konstatierte Dassendorfs Kapitän. „Wir haben angefangen, uns auf das Spiel des Gegners einzulassen und das können wir nicht so gut. Wir wollten es spielerisch lösen – während die den Ansatz haben, auch mal auf die Hölzer zu gehen“, merkte Aust die etwas härtere Gangart im zweiten Durchgang an. „Aber ich fand deren Bank mit dem ständigen Gequatsche viel anstrengender. Deshalb haben wir uns auch in der Halbzeit gesagt, dass wir cool bleiben müssen. Denn wir haben 2:0 geführt und es gab keinen Grund, hier herumzuschreien“, ließ er noch eine kleine Spitze folgen. Während Pieper nach dem starken Beginn seiner Elf folgendes Fazit zog: „Dassendorf hat uns gezeigt, wie man die Chancen mit ein wenig mehr Cleverness nutzt. Und das ist das, was diese Mannschaft auszeichnet. Wir waren in der ersten Halbzeit, abgesehen von den ersten fünf Minuten, nicht mehr gut im Spiel. Die Abstände waren zu groß und wir haben ganz allgemein nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Das war nach der Pause deutlich besser. Genug Möglichkeiten waren für uns auch da, um mehr rauszuholen als null Punkte. Wir hätten einen Punkt holen müssen!“

Werdet ihr Meister? Aust: „Selbstverständlich!“

Glückliche Gesichter bei Finn Thomas, Sven Möller und Trainer Peter Martens. Foto: KBS-Picture.de

Für Peter Martens war es hingegen – einmal mehr – eine erfolgreiche Rückkehr zum Ex-Klub. „Wahrscheinlich kommt er immer gerne her, weil er ein paar Punkte mitnehmen will“, sprach auch Pieper die zuletzt nicht unbedingt von Erfolg gekrönten Heimauftritte seines Teams gegen Dassendorf mit einem Schmunzeln an. Angesprochener Martens war hinterher total happy, meinte: „70 Minuten lang war das eine wirklich klasse Leistung von uns! Die Führung ist nur um ein, zwei Tore zu gering ausgefallen. Ab der 70. Minuten haben wir ein wenig den Faden verloren. Wir waren nicht mehr eng genug an den Leuten dran, haben viele zweite Bälle verloren und vor allem zu oft mit langen Bällen hinten raus operiert.“ Mit einem Spiel mehr in der Hinterhand könnte der „Champion“ bei erfolgreichem Ausgang erneut den Thron besteigen. „Es ist ganz lustig zu jagen. Denn man merkt ja, die Teams da vorne haben schon ein bisschen Eierflattern, wenn wir da hinterherhetzen, wie so ein Jagdhund. Von daher macht uns das eigentlich sogar Spaß“, fand der „Capitano“ klare Worte und richtete abschließend noch eine weitere Kampfansage an die Konkurrenz: „Ich glaube, wenn man unsere Ergebnisse jetzt so sieht, dann kann einem auch zurecht Angst und Bange werden – denn wir werden so weitermachen! Und dann wird sich zeigen, wer am Ende ganz oben steht.“ Wird das abermals Dassendorf sein? Aust: „Selbstverständlich!“

Autor: Dennis Kormanjos

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