„Sollten uns hinterfragen, ob die Konzentration zu 100 Prozent da ist!“

Westphal rettet Bramfelder 2:2 gegen Bergedorf

02. April 2016, 21:23 Uhr

Bergedorfs 2:1-Schütze Duro Maskaljevic (M.) im Luftduell mit Dustin Vespermann (r.). An der Ellernreihe schenkten sich beide Teams nichts. Foto: Sebastian Jaedtke!

Noch einige Minuten nach dem Abpfiff saß Florian Neumann mit versteinerter Miene auf seinem Trainerstuhl. Der Übungsleiter des Bramfelder SV brauchte einige Zeit, um seine Schützlinge nach der 2:2-Punkteteilung gegen den FC Bergedorf 85 zu versammeln. Weder Fisch noch Fleisch sei der eine Zähler, den Bramfelds Defensivakteur Christian Westphal zwölf Minuten vor dem Ende rettete, als er eine nur unzureichend abgewehrte Fedai-Hereingabe aus 16 Metern ins linke untere Eck schoss. „Wir hätten Fünfter werden können, stattdessen erinnert mich das Ganze ein wenig daran, als wenn man in der Freizeitliga ein bisschen das schöne Wetter genießen will. Es ist eine Einstellungsfrage“, haderte Neumann nicht nur mit dem aktuellen Spiel, sondern mit der augenblicklichen Situation des BSV.

Bramfelds Mirko Schulz (r.) und Bergedorfs Martinon Conteh (l.) schenkten sich nichts. Foto: Sebastian Jaedtke!

Die Hausherren spielten zu Beginn einen guten Ball, hatten in Person von Kapitän Carsten Henning, der heute neben Dustin Vespermann im Angriff der „Neumänner“ auftauchte, die erste dicke Chance, als er nach Skalnik-Querpass FCB-Keeper Zdasjuk zu einer Glanztat zwang (6.). Wenig später wurde der in der ersten Halbzeit starke Marcel Perz von Schwarck in Szene gesetzt und drehte sich rechts im Strafraum um seinen Gegenspieler Alexander Ballach. Plötzlich sank der Bramfelder Wirbelwind zu Boden, woraufhin Schiedsrichter Kevin Rosin auf den Punkt zeigte. Eine zweifelhafte Entscheidung! Henning war dies jedoch herzlich egal – der „Captain“ schoss den Ball links unten zur verdienten Führung in die Maschen (22.)! Auf der Gegenseite dauerte es bis zur 28. Spielminute, ehe Duro Maskaljevic mit seinem Freistoß vom rechten Strafraumeck den linken Außenpfosten erfasste. Da fehlte nicht viel! Genauso wie auf der anderen Seite, als Perz nach sehenswerter Kombination über Zwiewka, Henning und Schwarck nur am Außennetz scheiterte (35.). Keine 240 Sekunden darauf fiel der zu diesem Zeitpunkt etwas überraschende Ausgleich – begünstigt durch einen kapitalen Fehlgriff von BSV-Schlussmann Patrick Möller, der einen ruhenden Ball von Daniel Schaible aus dem Halbfeld derart unterschätze, dass die Kugel – von Möllers Fingerspitzen begleitet – an den linken Pfosten klatschte und Nikola Benkovic zum Abstauben verhalf. 1:1 (39.)!

„Den Ball kann man mit der Brust stoppen“

Duro Arlovic (v.) hätte sein Team gleich zweimal auf die Siegerstraße bringen können. Foto: Sebastian Jaedtke!

Jene Szene ließ auch Neumann verzweifeln. „Wir spielen eigentlich ganz gefällig, aber es fehlt vorne ein Abnehmer, der sich mal mit seinem ganzen Körper in den Ball reinschmeißt, und hinten fangen wir Tore, wo der Ball acht Sekunden in der Luft ist und man diesen eigentlich mit der Brust stoppen kann. Da muss man sich auch mal selbst hinterfragen, ob man mit 100-prozentiger Konzentration bei der Sache ist. Jeder spielt auch schon für die neue Serie vor.“ Die „Elstern“ kamen mit fortlaufender Spielzeit immer besser in die Partie und störten den Gegner früh, womit Bramfeld so seine Probleme hatte. Duro Arlovic versiebte gleich zwei gute Gelegenheiten leichtfertig (46., 60.). Dafür sorgte ein toll vorgetragener Angriff für die Wende der Begegnung: Bergedorfs Kapitän Schaible, der mit Einsatz und Wille vorweg marschierte, behauptete sich im Mittelfeld gegen Martin Fedai und bediente auf rechts Samet Yazici. Dessen scharfe Hereingabe verpasste Jürgen Tunjic zunächst noch knapp – doch Maskaljevic war da und schoss aus halblinker Position trocken ins kurze Eck ein (65.)! Die Mitrovic-Equipe schien den Auswärtsdreier davon zu tragen. Erst recht, als Niko Zdasjuk einen Versuch von Christopher Skalnik aus spitzem Winkel herausragend aus dem Giebel kratzte (70.).

„Der Punkt ist noch Gold wert!“

Bramfelds "Stoffel" Skalnik zeigte eine starke Leistung. Foto: Sebastian Jaedtke!

Routinier Tunjic hätte folglich für die Entscheidung sorgen können, als Möller abermals an einer Flanke – diesmal von Conteh – vorbei segelte, aber der langjährige Norderstedter etwas überrascht schien und am rechten Pfosten vorbei nickte (75.). Also kam es so, wie es kommen musste – was sich in der Phase aber eigentlich nicht mehr andeutete: Der aufgerückte Westphal schweißte die Pille nach Fedais langem Ball und einem missglückten Bergedorfer Klärungsversuch zum Endstand ein (78.)! Dass es bis zum Schluss dabei blieb, hatte der Hansa-Sechste auch dem Aluminium zu verdanken, welches kurz vor Ultimo den Einschlag verhinderte, als Maskaljevic mit seinem von rechts getretenen Eckball Möller erneut alt aussehen ließ (82.). „Ich bin enttäuscht“, wusste Neumann, der krankheits-, verletzungs-, und urlaubsbedingt auf elf Mann verzichten musste, den einen Punkt nicht so richtig einzuschätzen, und ergänzte: „Der Schwung aus der Hinserie, wo wir alle Topspiele – außer gegen Poppenbüttel – gewonnen haben, ist irgendwie weg. Wir haben nur sechs Punkte in der Rückrunde geholt, das ist natürlich deutlich zu wenig!“ Ganz anders war die Stimmungslage bei seinem Gegenüber: „Wir gehen ganz klar als Sieger vom Platz – auch wenn es 2:2 endet. In meinen Augen waren wir die ganz klar bessere Mannschaft, mit den besseren Chancen. Leider haben wir uns wieder nicht mit drei Punkten belohnt. Wenn man durch solch einen Elfmeter in Rückstand gerät – das kennen wir aus den Wochen zuvor –, dann haben wir die Köpfe hängen lassen und vergessen, weiter Fußball zu spielen. Heute hat die Mannschaft große Moral bewiesen und an sich geglaubt. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nichts mehr zu verlieren haben. Wer bei diesem geilen Wetter keinen Bock hat, Fußball zu spielen, der hat sich das falsche Hobby ausgesucht. Derjenige sollte lieber Golf oder Billard spielen gehen. Ich denke, dass der Punkt noch Gold wert ist!“, bilanzierte Mitrovic.

Ein großes Dankeschön an Sebastian Jaedtke für das zur Verfügung stellen des Bildmaterials!

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