Oberliga

Ein Sonntagsschuss am Freitagabend: Lohrke locht ein – Farhadi hadert mit „Schlüsselszene“

01. Oktober 2022, 11:28 Uhr

Foto: Christoph Hellwig/USC Paloma

Gerade erst hatte Tim-Philipp Krüger seinen Niendorfer TSV zurück ins Spiel gebracht und auf 2:2 gestellt (48.), da gingen mit seinem Teamkollegen Leon Meyer die Gäule durch. Vor lauter Ärger über eine Entscheidung des Unparteiischen Ben Henry Uhrig (SC Egenbüttel) „pfefferte“ der bereits gelbverwarnte Meyer das Spielgerät vor dessen Augen wütend auf den Boden und wurde vom Referee prompt mit der Ampelkarte bedacht (53.)! „Die Gelb-Rote Karte gegen uns ist ganz klar der Knackpunkt“, haderte NTSV-Coach Ali Farhadi mit der „Schlüsselszene“, wie er meinte.

Daniel Brückner (Mi.) wird bei der Ballannahme von Soleiman Kazizada (li.) bewacht. Foto: Christoph Hellwig/USC Paloma

Das sah Paloma-Trainer Marius Nitsch jedoch ganz anders. „Das Spiel hat sich nach dem Platzverweis nicht grundlegend verändert. Ich finde, dass Niendorf schon in der ersten Halbzeit ein bisschen passiver ausgerichtet gegen den Ball gespielt hat und wir viel Ballbesitz hatten.“ Und weiter: „Klar spielt die Gelb-Rote Karte mit rein. Ich fand uns aber schon in der Anfangsphase echt gut und hätte der Mannschaft auch zugetraut, dass wir in Gleichzahl gewinnen.“

Apropos gewinnen: Den Sieg hatten die Uhlenhorster mal wieder ihrem starken Kollektiv, vor allem aber einem Mann zu verdanken: Keine zehn Zeigerumdrehungen nach dem Platzverweis gegen Meyer packte Kevin Lohrke ein schier unglaubliches Pfund aus. Einen Strahl aus gut und gerne 30 Metern. Ein durchaus risikobehaftetes Geschoss, das Tobias Grubba chancenlos zurückließ. Die Kugel segelte schnurstracks in Richtung rechter Tor-Winkel – und schlug dort ein (62.)! Ein unfassbarer Treffer von Lohrke – und letztlich auch der umjubelte Einschlag zum Erfolg!

"Haben es geschafft, eine Top-Mannschaft zu bespielen"

„Über 90 Minuten haben wir eine sehr reife Spielanlage gezeigt, das habe ich der Mannschaft nach dem Spiel auch gesagt. Ich bin sehr zufrieden, mit welcher Art und Weise wir aufgetreten sind. Unabhängig vom Ergebnis haben wir es geschafft, so eine Top-Mannschaft zu bespielen und fußballerische Lösungen zu finden. Wenn man sich die beiden Gegentore anguckt, dann bekommen wir eins über eine Standard-Situation und eins über einen langen Abschlag von Grubba“, sprach Nitsch auf die Niendorfer Führung durch Amir Ahmadi an (15.). „Es ist nichts aus dem Spiel heraus passiert, auch kaum etwas gefährlich nach vorne geworden. Sondern über Umschaltmomente und über geradliniges Spiel nach vorne von Niendorf. Ich finde, dass wir es in Ballbesitz richtig gut gemacht haben. Da haben wir einen Entwicklungsschritt genommen in den letzten Monaten. Das hat sich auch gegen Niendorf noch mal gezeigt.“

"Die Karte ist wohl berechtigt gewesen"

Martin Werner (li.) erzielte nach langer Leidenszeit den Ausgleich zum 1:1. Foto: Christoph Hellwig/USC Paloma

Der Rückstand warf die Hausherren nämlich ganz und gar nicht aus der Bahn. Allerdings profitierten auch die „Tauben“ von haarsträubenden Fehlern der „Sachsenwegler“. Zunächst bestrafte Martin Werner, der nach ewig langer Leidenszeit zurück ist, ein schlechtes Abspiel von Grubba (27.). Dann war es Clifford Aniteye, der zunächst Tom Wohlers einlud. Zwar konnte Grubba den Schuss noch entschärfen, war gegen den Nachschuss des Ex-Niendorfers Moritz Niemann aber machtlos (43.)!

Es folgte der Ausgleich nach der Pause, die Ampelkarte gegen Meyer und Lohrkes Freitagabend-Knaller. „Leon hat leider ein paar blöde Kommentare gegenüber Uhrig gemacht. Die habe ich so nicht mitbekommen. Daher ist die Karte wohl berechtigt gewesen“, gab Farhadi zu. Das Fazit des Niendorf-Übungsleiters: „Es war schwierig, gegen Paloma reinzukommen, aber unser Plan ist aufgegangen. Wir sind von Beginn an mit unserem Spiel und dem frühen Tor auf dem richtigen Weg gewesen. Paloma hat die erste Chance, macht das erste Tor. Das war bei uns wieder eine Verkettung von Fehlern. Wir hatten bei uns heute einfach ein paar Spieler, die nicht das Level hatten, das sie sonst haben“, machte er die Gelb-Rote Karte dennoch als Schlüsselmoment aus.

"Paloma spielt oben mit"

Marco Schroeder (li.) im Kampf um den Ball mit Lennart Merkle. Foto: Christoph Hellwig/USC Paloma

„Wir wollten uns mit einem Mann weniger eigentlich noch mal mehr aufbäumen, aber dann kommt halt dieser Sonntagsschuss. Wenn der nicht reingeht, gehst du hier vielleicht mit einem 2:2 runter“, mutmaßte er – nachdem sein Schlussmann Tobias Grubba einen weiteren Lohrke-Hammer aus dem Eck kratzen musste. „Paloma spielt oben mit, ist sehr kompakt und lässt wenig zu. In der ersten Hälfte hatten wir sie gut im Griff, aber dann kommen ein paar Faktoren. Es ist halt schwer mit einem Mann weniger…“ Und mit einem Kevin Lohrke, der bereits in der Vorwoche beim 2:1-Sieg in Tornesch als Doppeltorschütze für den "Dreier" sorgte...

Autor: Dennis Kormanjos

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