„Am Ende war die Enttäuschung gewaltig!“

HTB bekämpft das Trauma des Nicht-Aufstieges

19. September 2013, 07:12 Uhr

Kirill Schneider in voller Aktion. Sein HTB strebt zumindest mittelfristig gen Landesliga. Foto: noveski.com

Sie schienen in der vergangenen Serie bereits so gut wie durch, wurden dann aber doch noch abgefangen. Der Traum von der Landesliga war beim Traditionsverein Harburger TB geplatzt. Mit Nabil Toumi übernahm ein neuer Trainer das Zepter von Altmeister Ingo Brussolo. Wir sprachen mit Führungsspieler Kirill Schneider über den neuen Coach, das Trauma Nichtaufstieg und die Chancen in diesem Jahr.

FussiFreunde: Hey Kirill. Der HTB hatte zum Saisonübergang eine Veränderung auf dem Trainerposten zu beklagen. Ingo Brussolo „warf das Handtuch“ und Nabil Toumi übernahm. Wie kam es aus Deiner Sicht zur Trennung, und wie würdest Du sie rückbetrachtend sehen?

Schneider: Ingo Brussolo übernahm das Traineramt zu einem Zeitpunkt, als wir als Aufsteiger sehr große Probleme in der Bezirksliga hatten und im Abstiegskampf steckten. Er schaffte es innerhalb kürzester Zeit, uns unseren Glauben an unsere Stärken wiederzugeben und führte uns auf einen großartigen sechsten Platz am Ende des ersten Jahres. Wir steigerten uns im folgenden Jahr auf den vierten Platz und verpassten bekanntermaßen den Aufstieg nur sehr knapp. Ich glaube, dass die drei letzten Jahre sehr viel Kraft gekostet hat und die Enttäuschung sehr, sehr groß war nach dem verpassten Aufstieg. Ingo kann wie kein Zweiter das Potential eines jeden Spielers, wenn dieser sich darauf einlässt, ausschöpfen. Nicht von ungefähr kamen die 100 geschossenen Tore, mit Dennis Grot der Torschützenkönig der Liga und mit Jimmy Boateng mit 27 Vorlagen und 13 Toren – einer der Topscorer der Liga. Viele Spieler hat er erreicht und an die Leistungsgrenzen gebracht. Zum Ende war er nach eigener Aussage leer und wollte den Weg für einige Spieler frei machen. Ich denke, im Nachhinein war es für beide Seiten die richtige Entscheidung.

„Man würde wohl von einem modernen Trainer sprechen ...“

FussiFreunde: Nabil Toumi ist für viele ein unbeschriebenes Blatt. Was ist Nabil für ein Trainertyp? Was hat sich unter ihm geändert?

Nabil Toumi ist seit Kindesalter ein Junge des HTB. Lange Zeit war er in der Jugendarbeit als Trainer des HTB tätig und führte die jetzige 1.B Verbandsliga aus den Kinderschuhen dorthin, wo sie jetzt stehen. Gleichzeitig ist er Stützpunkttrainer und Inhaber der A-Lizenz. Er ist ein Trainer, der klar seine Vorstellung vom Fußball hat und uns diese auch mit Geduld versucht zu zeigen. Man würde wohl von einem modernen Trainer sprechen, der in Sachen Trainingsmethoden und Spieltaktik auf dem neuesten Stand der Dinge ist. Keine Trainingseinheit gleicht der anderen und doch ist eine klare Linie und ein Ziel zu erkennen. Wir haben bis jetzt sehr viel im Defensivbereich gearbeitet, und das macht sich jetzt schon bezahlt. Aus dem Spiel heraus lassen wir nicht mehr so viele Torchancen zu wie zuvor. Offensiv müssen wir noch an uns arbeiten. Vom Kader her hat sich wenig getan, auch wenn wir einige junge talentierte Jungs aus der A-Jugend dazugewinnen konnten, die langsam reinwachsen müssen. Beim System und in taktischen Dingen gab es viele Änderungen und es wird noch einige Zeit dauern, bis wir das richtig drin haben. Aber erste Ansätze machen Lust auf mehr.

Mutmacher ASV-Spiel

FussiFreunde: Wie bewertest Du Euren Saisonstart?

Wir hatten, wie jede andere Mannschaft auch, etwas Probleme mit Urlaubern und Verletzungen. Insgesamt sind wir aber zufrieden. Auch wenn die Unentschieden etwas unnötig waren. Gegen Neuland in der letzten Minute bestraft worden und gegen HSC und Pauli III jeweils eine 2:0-Führung kurz vor Schluss noch verspielt. Hinzu kam das Highlight gegen Vicky im Pokal, wo wir mindestens gleichwertig waren und sie am Rande einer Niederlage hatten. Mut macht das souveräne 4:1 gegen den selbst ernannten Aufstiegsaspiranten ASV.


FussiFreunde: Gib uns bitte mal ein Ausblick auf die nächsten Wochen und die Gegner, die auf Euch zukommen.

Ich denke, nach dem Auswärtsmatch bei GWH wartet die nächste schwere Aufgabe mit Finkenwerder auf uns. Ähnlich wie GW Harburg ist Finkenwerder eine sehr defensiv ausgerichtete Mannschaften, und wir müssen uns da in der Offensive etwas einfallen lassen. Hinzu kommt bei Finkenwerder die unglaubliche Stärke nach Standards, wo wir bis jetzt etwas anfällig waren. Die Einwürfe kommen mit Mach drei bei Finkenwerder. Wir sind ganz froh, sie erst mal zu Hause zu haben.

„Wollen nur aufsteigen, wenn wir es absolut verdient haben“

FussiFreunde: Wie ist die Zielsetzung bei Euch, Ihr kratzt ja seit letztem Jahr verstärkt an die Pforte Landesliga.

Letztes Jahr war sehr, sehr bitter für uns. Wir standen 29 Spieltage auf Platz eins und zwei. Vor der Saison waren wir uns nicht sicher, wozu es reichen würde. Am Ende war die Enttäuschung, am letzten Spieltag den Aufstieg zu verpassen, gewaltig. Diese Saison ist es wieder schwierig, eine Prognose abzugeben, da ein neuer Trainer auch Veränderungen bedeutet. Ob diese greifen und wozu es reicht, wird man sehen. Klar ist aber, dass wir nur dann aufsteigen wollen, wenn es auch Sinn macht. Finkenwerder und Este sind gute Beispiele. Wir wollen dann aufsteigen, wenn wir das absolut verdient haben und klar und deutlich am Ende der Serie ganz oben stehen.

FussiFreunde: Warum könnte es dieses Jahr endlich klappen? Und wer sind die größten Kontrahenten?

Letztes Jahr war Kosova das Maß aller Dinge und erreichte wahnsinnige 73 Punkte. Ich glaube nicht, dass es dieses Jahr eine so dominante Mannschaft geben wird. Am Ende reichen vielleicht 60 Punkte für den Aufstieg. Finkenwerder hat die Erfahrung aus der Landesliga und die Möglichkeit, über Konstanz bis zum Ende ganz oben zu stehen. Für mich sind sie der Favorit. Bei uns muss man sehen, ob die Offensive nochmals ein so bombastisches Jahr hinlegen kann. Da muss schon sehr viel, sehr gut laufen, damit wir eine Chance haben. Unsere Stärke ist sicherlich, dass wir im Kern so zusammengeblieben sind. Viele Laufwege und Abläufe sind klar. Weiter sind wir sehr diszipliniert, was man am Gewinn des Sparda Bank „freundlich&fair-Preises“ sehen konnte. Wenn es am Ende klappt und wir es verdient haben, wäre es die Belohnung für vier großartige Jahre und sicherlich auch der Verdienst von Ingo und Nabil.

„Wollen irgendwann die Nummer eins im Harburger Raum sein“

FussiFreunde: Der Harburger TB ist Tradition pur. Warum sollte der HTB in die Landesliga aufsteigen?

Wie gesagt, der HTB hat große Tradition. Wir haben eine der besten Anlagen Hamburgs. Wir wollen wieder an alte Zeiten anknüpfen und im Harburger Raum irgendwann wieder die Nummer eins sein. Das wird noch Jahre dauern. Aber ich denke, der HTB gehört in die Landesliga. Auch weil es dann noch mehr Derbys in der Hansa gibt. Außerdem wollen wir den jungen Spielern in der A- und B-Jugend die Möglichkeit geben, gleich in der Landesliga anzufangen. Wir wollen nachhaltig die talentierten Spieler aus Jugend in den Kader der ersten Herren bringen. Wenn man Landesliga anbieten kann, ist es sicher einfacher, die talentiertesten Spieler zu halten.


FussiFreunde: Abschließend kommen wir zu Deiner Trainerlaufbahn. Wir hörten, Du trainierst eine Jugendmannschaft beim HTB.

Von 2009 bis Sommer 2013 war ich Co-Trainer unter Nabil bei der jetzigen B-Verbandsliga. Vielleicht kenne ich ihn und seine Methoden mit am besten. Da er nun in den Herrenbereich gewechselt ist, bin ich nun hauptverantwortlicher Trainer. Unterstützt werde ich von Steffen Prielipp, der lange Jahre bei Buchholz 08 gespielt hat. Zur Trainertätigkeit bin ich über mein freiwilliges soziales Jahr beim HTB gekommen, bei dem die Trainertätigkeit zum Aufgabenfeld dazugehörte. Höhepunkt war mitunter das Pokalfinale dieses Jahr gegen Pauli. Es macht super viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten, auch wenn die Tätigkeit sehr viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt. Durch die vielen Jahre, in denen ich bei Nabil lernen durfte, habe ich nun das Selbstvertrauen und die Qualität, in der Trainingsarbeit meinen Beitrag dazu zu leisten, dass die Jungs irgendwann mal im Hamburger Raum für Furore sorgen. Ich hoffe zwar, dass sie weitaus bessere Spieler werden als ich, aber mit ihnen zusammen zu spielen, wäre doch schon sehr interessant und witzig.

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