LOTTO-Pokal

Unheimlicher Okur, treffsicherer Türkad: Türkiye feiert Gala und „Dela“-Comeback

31. Juli 2021, 16:50 Uhr

Zwei Tore, eine Vorlage: In der 77. Spielminute bekam der überragende Mustafa Okur (Mi.) seinen verdienten Abgang. Foto: Kormanjos

„Ich habe immer gesagt: Wenn mal Not am Mann ist, bin ich da“, hielt Sascha de la Cuesta Wort. Und dennoch staunten einige Beobachter nicht schlecht, als „Dela“ plötzlich beim Warmmachen im altbewährten Dress des FC Türkiye dastand. Eigentlich hatte der Mittelfeldstratege seine aktive Laufbahn (erstmal) für beendet erklärt und beim FC Viktoria Harburg die Karriere nach der Karriere als Cheftrainer in Angriff genommen. Da sein Ex-Club in den vergangenen Wochen jedoch die Personalnot plagte, erklärte sich de la Cuesta dazu bereit, sich im Pokalspiel gegen den FC Bingöl auf die Bank zu setzen (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen).

Hasan Karaca (re.) - hier im Duell gegen Agit Aydin - bereitete die ersten beiden Treffer traumhaft vor. Foto: Kormanjos

Und in der 66. Spielminute war es schließlich so weit: Türkiye-Trainer Jörn Großkopf schickte den Edel-Techniker auf den Platz. Ein ums andere Mal deutete de la Cuesta seine nach wie vor unbestrittenen Fähigkeiten an. Sofort führte er wieder Regie – und das nach fast anderthalbjähriger Fußballpause, wie er selbst vor der Partie anmerkte. Bleibt es denn nun bei einem einmaligen Aushelfen? „Lassen wir uns mal überraschen“, entgegnete Großkopf später mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Für die gute Laune beim FCT-Coach war aber nicht nur Sascha de la Cuesta, sondern die gesamte Mannschaft verantwortlich. „Wir haben eine Katastrophen-Vorbereitung gespielt, mit wenig Personal und wenig Physis. Deshalb haben wir am Dienstag eine sehr eingehende Besprechung abgehalten, die aus einem 40-minütigen Monolog von mir bestanden hat“, verriet Großkopf. Der Inhalt: „Es ging viel um die Themen Motivation und Wille.“

"Ich will nicht zu euphorisch sein, aber heute bin ich stolz"

Auf jeden Fall schien der 54-Jährige die richtigen Worte gefunden und der Appell beim Team gefruchtet zu haben. Denn: „Heute haben wir nicht nur über den Willen gewonnen, sondern auch richtig guten Fußball gespielt“, war der Dompteur der Wilhelmsburger vollauf zufrieden mit seiner Equipe. „Wir haben die Vorgaben komplett umgesetzt. Die Jungs haben richtig, richtig Gas gegeben. Das hat mir Spaß wirklich gemacht“, so Großkopf, der allerdings postwendend anfügte: „Ich will nicht zu euphorisch sein. Heute bin ich stolz, ab nächster Woche geht’s dann wieder ins Training.“

Karaca bereitet überragend vor, Türkad und Okur schließen sensationell ab

Inan Türkad (re.) bejubelt seinen Treffer zum 3:0 nur wenige Sekunden nach der Pause mit einem Spurt zu... Foto: Kormanjos

Nimmt man den Auftritt des FC Türkiye als Maßstab, stellt sich die Frage: Warum nicht immer so?! Selbst der Übungsleiter wirkte nach der überaus holprigen Vorbereitung und den großen Personalsorgen ein Stück weit überrascht und sogar beeindruckt. „Wir waren heute mal wieder 18 Leute, das macht sich natürlich bemerkbar.“ Auch der Gegner bekam das zu spüren. Mit einem Doppelschlag vor der Pause stellte Türkiye die Weichen im Landesliga-Pokalduell auf Sieg. Beide Male fungierte Hasan Karaca als herausragender „Tor-Butler“. Zunächst servierte er dem ebenfalls bärenstarken Mustafa Okur das 1:0 auf dem Silbertablett (37.), dann verwertete der nicht minder überragende Inan Türkad das mustergültige Zuspiel des 23-Jährigen (40.).

Türkiye trumpft mächtig auf

... Sascha de la Cuesta (li.). Der Neucoach von Viktoria Harburg erklärte sich dazu bereit, bei seinem Ex-Team auszuhelfen. Foto: Kormanjos

Nach der Pause wurde es noch einseitiger. Keine 30 Sekunden waren gespielt, als Türkad nach einer Hereingabe in den Rückraum von Okur den Doppelpack perfekt machte (46.). Bingöl wurde nun phasenweise vorgeführt – und musste sogar das 0:4 schlucken. Diesmal war es der soeben eingewechselte Sulayman Dampha, der mit seiner Kopfballablage erneut Okur in Szene setzte. Dieser krönte seine Leistung mit einem Hammer aus der zweiten Reihe, der rechts unten einschlug (73.). FCB-Keeper Achmed Hasu verhinderte mit einigen Paraden eine noch deutlichere Niederlage. Wenngleich die Akdag-Mannen in der Schlussphase selbst zweimal im Pech waren: Emre Yasar scheiterte zunächst völlig freistehend am glänzend reagierenden Frederic Böse und im Nachschuss am auf der Linie rettenden Oguz Koras (87.), ehe ein Distanzkracher von Serhat Celikel an die Unterkante der Latte klatschte (88.). Es passte irgendwie zum Auftritt des FC Bingöl.

"Ich kann nicht mal sagen, dass wir zeitweise da waren"

In der 66. Minute feierte "Dela" sein Comeback auf dem Fußballplatz und für den FC Türkiye. Foto: Kormanjos

„Mir hat die Mentalität meiner Spieler nicht gefallen“, urteilte Coach Bilal Akdag. „Das ist ein Pokalspiel, es geht um alles oder nichts. Trotzdem waren wir von der ersten Minute an nicht da, nicht konsequent genug, nicht bissig genug – und das bis zum Ende und den letzten Chancen, die wir vergeben haben“, fand er deutliche Worte. Man habe das Spiel „komplett verschlafen“, befand Akdag. „Ich kann nicht mal sagen, dass wir zeitweise mal da waren, weil das nicht der Fall war.“ Schon in den ersten zehn Minuten habe er „gemerkt, dass es später noch einen Knick geben wird. Wir waren einfach nicht in einem Pokalspiel angekommen“, konstatierte er. Während Türkiye-Manager Klaus Klock im Vorfeld bereits „viel Aufwand“ betrieb, um das Spiel mit Zuschauern stattfinden zu lassen. Aber auch, „um ein tolles Event zweier ‚ausländischer Vereine‘ auf die Beine zu stellen“, wie er erklärte. Letzteres gelang mit Bravour. Das Hygienekonzept passte zum Auftritt der Mannschaft. An diesem Fußball-Nachmittag passte aus Sicht des FC Türkiye eben fast alles…

Autor: Dennis Kormanjos

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