Oberliga

„Das Glück war auch ein bisschen auf unserer Seite“: HSV III bezwingt Liga-Leader BU, bei dem dicker Elfer-Ärger herrscht

24. Oktober 2020, 00:34 Uhr

Ein Bild mit Symbolcharakter: BU-Keeper Johannes Höcker kniet konsterniert am Boden, während im Hintergrund die HSV III-Spieler jubeln. Foto: noveski.com

Johannes Höcker probierte noch einmal alles, als die Uhr auf der Anzeigetafel in der Endphase des Spiels zwischen dem Hamburger SV III und dem HSV Barmbek-Uhlenhorst nur noch wenige Minuten Restspielzeit anzeigte. „Höcki“ hatte sich weit aus seinem Kasten bewegt, schickte sich fast schon an, bei einer Ecke für die Barmbeker mit in den gegnerischen Strafraum aufzurücken. Irgendwie schien es so, als wolle der Mann im grünen Torwart-Trikot und der schwarzen Hose noch etwas gutmachen. Dabei hatte der „Goalie“ von BU keineswegs „gegriffen“, wie man Schlussmännern bei Fehlern ja gerne einmal unter die Nase reibt. Nein, „Höcki“ und BU waren an diesem Abend irgendwie einfach nicht mit Fortuna im Bunde gewesen.

Es gab es reichlich Momente, an denen man dies festmachen konnte. Da war zum Beispiel der unglückliche Zeitpunkt, zu dem die Barmbeker nach ihrem eigenen Führungstreffer durch Stürmer Benjamin Bambur in der zwölften Minute kurz vor der Pause den Ausgleich kassierten: nach 43 Minuten – psychologisch unglücklich, sagt man an so einer Stelle gerne. Ebenfalls unglücklich: die scharfe Hereingabe von links, die Sepher Nikroo in jener Szene getreten hatte, vermochten weder Höcker noch ein sonstiges Abwehrbein aufzuhalten, so dass Manuel Brendel aus kurzer Distanz vollenden konnte. Da war zum Beispiel die Szene vorm 1:2, als nach einem Schuss von Dominik Jordan am zweiten Pfosten Levin Erik per Kopf nach innen ablegte – zuvor hatte Höcker den Ball zwar erreicht, aber nich ganz klären können – und Nikroo mit gestrecktem Bein vollendete, wobei er nach BU-Ansicht Yannik Lux foulte (75.). Da waren zum Beispiel diverse Einschussmöglichkeiten, die BU nicht nutzte.

Gäste fordern drei Mal Strafstoß – und bekommen keinen einzigen

Foul oder kein Foul? BU-Angreifer Benjamin Bambur (Mitte) wird im HSV III-Strafraum attackiert. Foto: noveski.com

Und da waren drei Szenen, in denen die Barmbeker einen Elfmeter forderten. In der ersten Hälfte, als Bambur im Strafraum zu Fall kam. In der zweiten Hälfte, als erst Fatih Umurhan in der Box zu Boden ging (84.) und in der ersten Minute der Nachspielzeit, als Elias Saad im HSV III-Strafraum in die Horizontale befördert wurde. Aus letzterer Szene resultierte dann zu allem Überfluss auch noch der Treffer zum 1:3 aus Sicht der Barmbeker, als die Hausherren schnell umschalteten, Yanis Büge auf dem linken Flügel allen Platz hatte, den man sich als Offensivspieler in solch einer Situation nur wünschen kann, Richtung Tor zog und aus spitzem Winkel von links das Leder an Höcker vorbei ins lange Eck beförderte. Der Spitzenreiter, der sich unter der Woche mit einem Sieg gegen Cordi auf den Platz an der Sonne befördert hatte, war in diesem Moment endgültig geschlagen. „Wir haben einfach vergessen, das 2:0 zu machen“, bejahte Jan Haimerl nach dem Spiel. „Das 1:0 ist nicht aus em Nichts gefallen, wir hatten vorher eine Chance durch Bambur und eine Ecke, die gefährlich war. Aber danach muss es 2:0 stehen. Wir haben die Chancen, lassen sie allerdings liegen“, ergänzte der Coach der Barmbeker in seiner Analyse nach dem Schlusspfiff der Partie auf dem Kunstrasen der Paul-Hauenschild-Anlage, die 100 Zuschauer verfolgten.

Haimerl: „In der 43. Minute den Ausgleich zu kassieren, ist ein beschissener Zeitpunkt“

Gestrecktes Bein oder nicht: Sepehr Nikroo (Nummer 10) geht vorm 2:1 für den HSV Richtung Ball und BU-Verteidiger Yannik Lux (verdeckt). Foto: noveski.com

„In der 43. Minute den Ausgleich zu kassieren, ist ein beschissener Zeitpunkt“, wurde Haimerl deutlich. „In diese Szene hätten wir vorher schon im Mittelfeld klären können, dann kommt der HSV III über außen und ein Spieler macht alleine unseren Rechts- und unseren Innenverteidiger nass. So was kann passieren, aber nach der Pause haben wir wieder zwei oder drei Dinger, bei denen es klingeln muss – wenn ich da an unseren Pfosten und den Außennetz-Treffer denke“, konstatierte der Übungsleiter der Barmbeker, um sich dann dem Geschehen vor dem zweiten HSV III-Treffer zu widmen. „Es ist extrem fragwürdig, wie wir das 1:2 bekommen, wo ich beim versuchten Befreiuungschlag von Yannik Lux ein extrem hoch gestrecktes Bein des HSV III-Spielers sehe“, verdeutlichte Haimerl, dass er in dieser Szene eher auf ein Foul entschieden hätte. Referee Björn Friedsch (SV Börnsen) hat dies nicht und stand nicht nur wegen dieser Szene in der Kritik Haimerls. „Ich habe drei Situationen gesehen, bei denen man als Schiedsrichter ein Foul pfeifen könnte, wenn nicht muss. Beim Foul an Fatih Umurhan kann ich es nicht sicher sagen, da höre ich zumindest einen Kontakt. In der ersten Hälfte werden Bambur im Strafraum die Beine weggezogen. Und beim Foul an Saad bin ich mir zu 100.000 Prozent sicher, dass das ein Elfmeter ist“, gab Haimerl zu Protokoll und fügte hinzu: „Das ist ärgerlich. Du musst das Spiel hier nicht verlieren. Der HSV III war nach 55, 60 Minuten k.o. Die waren tot, weil sie dem Tempo Tribut zollen musste, Im Prinzip haben sie nur noch hinten drin gestanden, auf lange Bälle gelauert und versucht, zu kontern.“

Rabenhorst: „Wir waren vor der Pause immer ein bisschen gefährlich, aber nicht so richtig effektiv“

Kein Glück: Pascal El-Nemr (li.) trifft für BU nur den Pfosten. Foto: noveski.com

„Im Endeffekt kann man in der einen oder anderen Situation auch von Glück sprechen. Aber das haben wir uns mit dem Aufwand, glaube ich, erarbeitet“, befand derweil auf der anderen Seite Marcus Rabenhorst. „Ich hatte mir BU am Dienstag im Spiel gegen Cordi angesehen. Klar nimmt man da ein paar Schlüsse mit, wie man gegen diesen Gegner vielleicht agieren könnte“, erklärte der HSV III-Coach, gab aber mit Blick auf dien erste Hälfte auch zu; „Da haben wir mit dem Ball ordentlich, aber ohne den Ball ein bisschen fahrig agiert.“ Der Pauenstand aber, so „Rabe“, „geht trotzdem in Ordnung, wenn man die ganze erste Hälfte betrachtet, Wir waren vor der Pause immer ein bisschen gefährlich, aber nicht so richtig effektiv.“ Dennoch aber war er „überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen können – auch, wenn wir gegen den aktuellen Tabellenführer spielen“, verriet der HSV III-Coach, der seiner Equipe für den zweiten Durchgang mit auf den Weg gab, sie müsse BU „weiter bespielen. Gerade in Ballbesitz wollten wir sie immer wieder rauslocken. Dabei war das Glück auch ein bisschen auf unserer Seite. Wir müssen das Spiel schon früher zumachen. Bei uns wurde es hinten immer wieder mal brenzlig, weil BU eben eine gewisse Qualität vorne hat.“ Andererseits aber „haben wir auch gesehen, dass sie hinten Schnelligkeitsprobleme hatten, so dass wir immer wieder rein stechen konnten.“ Letztlich „freue ich mich für die Jungs, dass sie nach den vielen Rückschlägen gewonnen haben. Wir sind nicht gut in die Saison gestartet, haben viele Gegentore bekommen“, so „Rabe“. Und die strittigen Szenen? „Ich habe beide nicht wirklich klar gesehen, glaube aber, dass beim letzten Zweikampf der Ball gespielt wurde. Wenn, dann hätte ich eher den Elfer davor gegeben.“ Unstrittig hingegen: Kurz vorm Ende sah HSV-Fußball-Abteilungsleiter Frank Schaube auf der Bank die Rote Karte. Er hatte Pascal El-Nemr ein paar nicht so nette Worte an den Kopf geworfen...

Jan Knötzsch 

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