Landesliga Hansa/Oberliga

Warmbier: „Die Leihe beruht auf meinen Fehlern“

12. August 2020, 12:39 Uhr

Der Düneberger SV sei eine Herzensangelegenheit und sein Heimatverein - nach der Leihe will Joe Warmbier aber wieder in Dassendorf angreifen. Foto: Henrick Vahlendieck

Beim Düneberger SV machte er seine ersten fußballerischen Schritt – nun kehrt Joe Warmbier nach siebeneinhalb Jahren bei der TuS Dassendorf an den Silberberg zurück. Damit verlässt – nach Keeper Christian Gruhne (VfL Lohbrügge) – auch der letzte „Mohikaner“ den Wendelweg. Denn: Der 28-Jährige erlebte noch den erst über Umwege erkämpften und erreichten Oberliga-Aufstieg, sämtliche sechs Meistertitel in den letzten sieben Jahren sowie die beiden Pokalsiege mit. Nun aber zieht es ihn – nach ewig langer Verletzungspause und einem im August 2018 erlittenen Kreuzbandriss mit einigen Rückschlägen bei der Genesung – zum Hansa-Landesligisten. Allerdings wird Warmbier nur ausgeliehen. Zusammengefasst sagt er: „Ich will zurück nach Dassendorf, wollte dort nie weg, freue mich aber riesig auf die Aufgaben mit Düneberg.“ Wir haben mit ihm gesprochen – und der Verteidiger hat ganz offen und ehrlich geantwortet…

FussiFreunde: Nach deiner schweren Verletzung war der Weg zurück ein ungewöhnlich langer – länger als wohl anfangs vermutet. Warum?

Mit der TuS Dassendorf feierte Joe Warmbier (re.) sechs Hamburger Meisterschaften in den letzten sieben Jahren. Foto: KBS-Picture.de

Joe Warmbier: „Ich hatte mich leider nie mit solch einer Verletzung vorher auseinander gesetzt und wusste nicht, dass der Weg zurück so schwer werden würde... Eine zweite Operation, wo Narbengewebe weggeschnitten werden musste, als ich schon wieder zwei Monate Reha hinter mir hatte, kam obendrauf – und ich musste praktisch wieder bei null anfangen. Diese Verletzung ereignete sich am fünften Spieltag nach unserer Double-Saison mit der Rekord-Meisterschaft. Ich durfte das Team in der Rückrunde als Kapitän aufs Feld führen, war im Pokalfinale der Kapitän und war einfach auf einem Top-Level unterwegs, unangefochtener Stammspieler – und auf einmal wird man dort einfach rausgerissen. Ich habe es versäumt, mit solch einer Verletzung richtig umzugehen Trotz der top Betreuung und Bedingungen, die Dassendorf mir geboten hat. Das muss ich ganz klar mir und meinem Schweinehund ankreiden, dass diese Verletzung immer noch nicht überstanden ist und ich quasi immer noch an einem 100-prozentigen Comeback arbeite.“

Mit Chris Gruhne und dir sind nun die Dienstältesten Dassendorfer, die sämtliche Triumphe mitgefeiert und über Jahre absolute Leistungsträger waren, weg. Wie beurteilst du den „Umbruch“ bei der TuS?

Vor genau zwei Jahren verletzte sich Warmbier schwer - und "schluderte" seither etwas beim Genesungsprozess. Foto: KBS-Picture.de

Warmbier: „Der Umbruch in Dassendorf ist nicht nur an den Transfers zu erkennen, sondern durchläuft quasi alles im Verein, der sich mehr und mehr professioneller aufstellt. Das Stadion wird Stück für Stück erweitert, die Trainingsinhalte und Bedingungen werden anspruchsvoller und besser, auch die Kabinen sollen erneuert werden. Was ich davon halte? Naja, ich sehe und zähle mich nicht unbedingt dazu, ein Teil dieses Umbruchs geworden zu sein, da diese Leihe auf meinen Fehler beruht, nicht auf mein Alter oder meine Leistung. Der Umbruch ist nötig, wenn man sich das Durchschnittsalter unserer Stammelf anguckt. Dass es nun aber so viele getroffen hat – man kann ja mal ausrechnen, wie viele Meisterschaften diesen Verein verlassen haben –, das habe ich nicht erwartet. Es dürfen die Fragen gestellt werden, wozu dieses ständige Größer werden, professioneller aufstellen, noch häufigere Top-Transfers höherklassiger Spieler? Ich weiß nicht, ob das nötig ist. Ich denke nicht, dass sich das Niveau der Oberliga stark verbessert hat in den letzten Jahren – und wenn ich überlege, mit was für einem Kader wir damals die ersten drei Meisterschaften geholt haben, dann würde die jetzige Mannschaft wohl haushoch gewinnen. Ob die aber auch so viel Spaß hat(te), wie wir damals, wage ich zu bezweifeln. Natürlich ist eine Meisterschaft immer was Tolles und beinhaltet viel Schweiß und Arbeit. Nur denke ich, dass bei der letzten Meisterschaft die Arbeit gegenüber dem Spaß überwogen hat. Vielleicht hat sich der Fußball dahingehend verändert, dass alles professioneller wird – auch in den Amateurligen. Man hört es ja immer wieder von älteren Spielern, dass der Alkohol-Konsum nach Spielen stark nachgelassen hat (lacht).“

Nach der langen Verletzungspause hast du gegen Saisonende bei Dassendorf wieder gespielt. Siehst du dich schon wieder bei 100 Prozent – oder was fehlt noch?

Joe Warmbier (re.) und TuS-Sportchef Jan Schönteich feiern die Meisterschaft 2018. Foto: KBS-Picture.de

Warmbier: „Dass ich die letzten Spiele gespielt habe, war einer Gelbsperre geschuldet, die mich überraschenderweise ins Team gespült hat. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen und war beziehungsweise bin weit von 100 Prozent entfernt. Ich würde eher sagen, dass ich mich damals sowie auch jetzt bei 60 Prozent befunden habe und befinde. Trotzdem konnte ich in den Spielen überzeugen, da ich vieles mit meine Erfahrung wettmachen konnte. Das hat mir ‚Jonny‘ auch so bestätigt. Allerdings habe ich es versäumt, die Corona-Pause zu nutzen, um weiter fit zu werden, was zu dieser Leihe geführt hat. Das Knie hält und fühlt sich gut an, bereitet eigentlich kaum Probleme. Jetzt muss ich nur wieder Dampf in meine Beine bekommen. Dort fehlt es gewaltig an alter Muskelstärke. Drei bis vier Kilo müssen noch runter – dann wird man den alten Warmbier wieder erleben dürfen (lacht).“

Du bist nun zu deinem alten „Spezi“ Dennis Tornieporth nach Düneberg gewechselt – allerdings nur per Leihe. Wie kam das zustande – und warum Düneberg?

In Düneberg gibt Warmbier seine Erfahrung weiter und gleich die Richtung vor. Foto: Henrick Vahlendieck

Warmbier: „Mit meinem alten Spezi ‚Tornie‘ habe ich einige Schlachten gewonnen. Wir haben in Dassendorf jahrelang die rechte Seite beherrscht. Ich musste die Seite nur zu machen und ihm den Ball zuspielen, danach hatte der Gegner meistens Anstoß (lacht). Wir verstehen uns prima und er war auch derjenige, der mich damals überhaupt nach Dassendorf gelotst hat. Dass er nun bei meinem Heimat- und Jugendverein Düneberg Trainer ist, passt wie die Faust aufs Auge. Es gibt für mich nur zwei Vereine: Dassendorf oder Düneberg – etwas anderes stand nie zur Debatte.“

Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr nach Dassendorf und inwieweit ist es auch dein Ziel, zurückzukehren?

Vom neuen Torjäger Sandro Schraub (re.) sei er "unglaublich positiv überrascht", so Warmbier (li.). Foto: Henrick Vahlendieck

Warmbier: „Was die Leihe betrifft, bin ich ‚Jonny‘ (Dassendorf-Trainer Jean-Pierre Richter, Anm. d. Red.) und dem Verein sehr dankbar, dass sie mir so eine Chance bieten. Ich habe einiges auf dem Kerbholz und mich oft dem Trainer oder auch meinen Jungs gegenüber nicht richtig verhalten. ‚Jonny‘ kann mit mir nichts anfangen, wenn er immer nur hört, wie gut ich bin, ich es ihm aber nie gezeigt habe. Diese Leihe ist ganz klar zwischen den Vereinen kommuniziert und es ist mein Ziel, so schnell wie möglich Dassendorf wieder helfen zu können.“

Wie schwer wird der Weg, auf das alte Level zurück zu kommen?

Mit seinem Heimatverein will Warmbier in der Landesliga Hansa "ganz oben mitmischen". Foto: Henrick Vahlendieck

Warmbier: „Das wird ein sehr schwerer Weg dahin zurück, aber auf der anderen Seite freue ich mich auch riesig auf die Aufgabe in Düneberg. Zuhause spielen, wo die Familie quasi aus dem Garten zugucken kann. Der Verein ist eine Herzensangelegenheit und ich werde alles investieren, um dort helfen zu können. Ich habe aber mit ‚Jonny‘ eine Abmachung und will mir nichts vorwerfen lassen, also wird dort Gas gegeben! Jan Schönteich (Sportchef, Anm. d. Red.) und Alex Knull (Liga-Manager) gebührt meinerseits auch große Dankbarkeit. Mir wurde schon gesagt, dass andere Spieler sicherlich nicht so eine Chance bekommen hätten, ich mir so eine aber verdient habe aufgrund meiner geleisteten Verdienste für den Verein. Für mich stand eigentlich immer schon fest, nach dem ‚Abenteuer‘ Dassendorf eines Tages nach Düneberg zurückzukehren. Dass es nun so schnell ging, freut mich einerseits. Auf der anderen Seite hätte ich mir natürlich andere Umstände für so einen Wechsel gewünscht.“

In Düneberg will Warmbier wieder Spielpraxis sammeln und sich fit für eine Rückkehr zur TuS Dassendorf machen. Foto: KBS-Picture.de

In der letzten Saison hat Düneberg als Aufsteiger gegen den Abstieg gekämpft, mit Pascal Nägele und dir bekommt der Club nun echtes „Meister-Gen“ eingeimpft. Auch Torjäger Sandro Schraub hat das Team qualitativ deutlich verstärkt. Was ist mit Düneberg in der kommenden Saison möglich – oder anders gefragt: Inwieweit könnt ihr ganz oben angreifen?


Warmbier: „Erstmal hat Düneberg das Glück, durch die Corona-Ausmaße in der Liga geblieben zu sein. Dort gehört die Mannschaft aber auch hin, es fehlte nur an Kleinigkeiten, damit diese Mannschaft funktioniert – und diese sind nun mit den benannten drei Neuzugängen gefunden worden, denke ich. Ich sehe mich nicht als Spieler, der auf dem Platz mit einer Aktion ein Spiel entscheiden kann. Für sowas sind Sandro, der mich unglaublich positiv überrascht hat, und ‚Palle‘ (Pascal Nägele, Anm. d. Red.), der sowieso seinesgleichen sucht, zuständig. Ich bin jemand, der aufgrund der Kommunikation und dem damit verbundenen Coaching, den Mitspielern Sicherheit verleihen und eine Mannschaft damit mitziehen kann. In den ersten Trainingseinheiten und Testspielen ist ein ständiger positiver Trend zu erkennen und stimmt mich euphorisch für die kommende Saison. Wenn wir es schaffen, konzentriert zu bleiben und weiter an uns als Team arbeiten, ist mit den Jungs und dem Trainerteam vielleicht eine Überraschungssaison, wo wir wirklich ganz oben mitmischen möglich. Und das ist auch mein persönliches Ziel!“

Autor: Dennis Kormanjos

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