Oberliga

Dehmelt wird beim HSV befördert – und hört bei der „Dritten“ auf!

26. Mai 2020, 16:37 Uhr

Tino Dehmelt wird seine Torwarthandschuhe als Aktiver an den Nagel hängen. Foto: Bode

Mit 16 Jahren kam er als Spieler zum Hamburger SV. Damals zog es ihn aus der Jugend von Dynamo Dresden in die U17 der „Rothosen“. Das liegt inzwischen zwölf Jahre zurück – doch Tino Dehmelt ist immer noch da. Mittlerweile ist der 28-Jährige bei der „AG“ angestellt und hütet zugleich das Tor der Dritten Mannschaft in der Oberliga. Letzteres wird er in der kommenden Saison jedoch nicht mehr tun. Denn: Dehmelt hört auf!

In der Oberliga gehörte Dehmelt (li.) zweifellos zu den bestern Torhütern. Foto: KBS-Picture.de

Der Grund: „Eigentlich eine ganz einfach Geschichte“, entgegnet der Keeper, der bei der HSV Fußball AG „befördert“ wird. Bis dato war er als Torwarttrainer für die U14 und U15 des Vereins tätig und gleichzeitig als Torwartscout für den Gesamtverein. Da die Jugendmannschaften von der U11 bis zur U15 in Norderstedt trainieren, sei es für ihn bisher „immer ein leichtes gewesen, danach schnell rüber zu huschen zum Training der Dritten“. Doch das wird sich künftig ändern. Dehmelt bekommt nämlich als Torwarttrainer die Verantwortung für eine Leistungsmannschaft – von der U16 bis zur U19. Diese trainieren im Campus. „Da das bei älteren Jahrgängen auch abends der Fall sein wird und auch die Wochenendbetreuung dazu gehört, werde ich die Zeit nicht mehr aufbringen können.“

"Gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge"

Bei der HSV Fußball AG wird Dehmelt in den Leistungsbereich aufrücken und künftig im Campus tätig sein. Foto: KBS-Picture.de

Natürlich habe man beim HSV III alles versucht, Dehmelt irgendwie von einem Verbleib zu überzeugen. „Ich selbst habe ja auch großen Spaß am Spielen. Deshalb war es keine einfache Entscheidung.“ Aber eben eine unumgängliche. Denn: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich beruflich weiterkommen will und meine Zukunft als Torwarttrainer sehe. ‚Rabe‘ (Marcus Rabenhorst; Anm. d. Red.) und ‚Rahner‘ (Christian Rahn) haben dafür vollstes Verständnis gehabt und gesagt, dass der Beruf immer an erster Stelle steht. Das habe ich immer sehr an beiden geschätzt“, so Dehmelt, der sagt: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Wobei er es noch nicht gänzlich ausschließen könne, nicht doch ab und zu mal vorbeizuschauen und die eine oder andere Torwarttraining-Stunde zu geben, wie er mit einem leichten Schmunzeln verrät.

"Die Trainer haben uns eine Spielidee vermittelt, die perfekt passt"

Auf Duelle wie mit Ex-Profi Marcel von Walsleben-Schied (re.) wird Dehmelt künftig auf aktiver Ebene verzichten. Foto: Bode

Doch auch den sportlichen Aspekt werde er vermissen. Schließlich sei es „absolut beachtenswert“, was das Trainerduo beim Oberliga-Siebten auf die Beine gestellt und „geschafft hat“, meint Dehmelt. „Der Mannschaft wurde von Anfang an eine klare Spielphilosophie eingeimpft – egal gegen welchen Gegner es ging. ‚Rabe‘ und ‚Rahner‘ haben uns eine Spielidee vermittelt, die perfekt zur Mannschaft passt – nämlich Fußball zu spielen. Und sie haben Spieler, die höher oder sogar im Profibereich aktiv waren, davon begeistert, für uns zu spielen“, schwärmt er von der Entwicklung des Aufsteigers, der sich nun auf die Suche nach einem neuen Schlussmann begeben muss. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man jemanden verliert, der über Erfahrung aus diversen Jugend-Bundesliga- oder Herren-Regionalliga-Spielen verfügt. Jemand, der fußballerisch ohne Frage zu den besten Torhütern in Hamburg gehört und praktisch schon der Spieleröffner beim Rabenhorst/Rahn-Ensemble war. Ein weiterer Aspekt, der es nicht unbedingt leicht macht, adäquaten Ersatz zu finden: „Man muss auch sehen, dass der HSV III nicht der Verein ist, der Budget-mäßig aus dem Vollen schöpfen kann, wenn man das mit anderen Vereinen in der Oberliga vergleicht.“

Dehmelt freut sich auf sein "13. und 14. Jahr beim HSV"

Beim HSV III wird man sich auf die Suche nach einem adäquaten Ersatz für die bisherige Nummer eins begeben müssen. Foto: Bode

Dafür stimmen das sportliche Konzept und die Entwicklung. „Das Wichtigste ist, sich im kommenden Jahr zu stabilisieren und etablieren. Man darf nicht vergessen, dass das erste Jahr immer etwas einfacher ist, weil der eine oder andere Gegner einen vielleicht noch ein bisschen unterschätzt.“ Dennoch hat man bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, in der Hamburger Beletage mithalten und auch mitspielen zu können. Nur ein Aspekt wurmt Dehmelt: „Gegen die absoluten Top-Mannschaften haben uns der letzte Punch und die allerletzte Überzeugung gefehlt.“ Ein Punkt, an dem man arbeiten kann – und der mit der vorhanden Erfahrung ohnehin fast von allein kommt. Nur dann eben ohne Tino Dehmelt, der in sein „13. und 14. Jahr beim HSV gehen wird“ und sich „auf alles was kommt, freut“. Mit Torwartkoordinator Arvid Schenk und Profi-Torwarttrainer Kai Rabe bildet er „ein sehr gutes Team“, wie Dehmelt, der sich mit 28 Jahren „auch noch weiterentwickeln“ will, betont. „Ich habe mega Bock auf die Aufgabe, mit den Jungs zu arbeiten, hier etwas zu entwickeln und viele neue Ideen einzubringen und auszutauschen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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