Oberliga

Sieben Sasel-Streiche: Meiendorf geht 1:7 unter – und der Doktor schickt den „General“ runter

16. Februar 2020, 19:22 Uhr

Kampf um den Ball: Meiendorfs Gideon Wisniewski (li.) und der Saseler Tolga Celikten. Foto: Knötzsch

Der Blick sprach Bände. So, als ob Can Ersen hätte sagen wollen: „Was habe ich denn gemacht?“ Und so stand der neue Trainer des Meiendorfer SV dann in der 77. Minute des Spiels beim TSV Sasel (Hier gibt’s den Live-Ticker zum Nachlesen) ungläubig vor Referee Dr. Michael Ehrenfort (TuRa Harksheide) und hob die Hand. So, als ob er die Situation noch einmal beschwichtigen wollte. Doch dafür war es zu spät. Der Spieleiter zeigte dem MSV-Coach die Rote Karte. Weil Ersen vorher laut hörbar mit einer Entscheidung nicht einverstanden war und den Schiedsrichter-Assistenten gefragt hatte, ob dieser denn eine Brille benötigen würde. „Einige Entscheidungen“, so Ersen später auf der Pressekonferenz, „fand ich ein bisschen eigen….“

Und da konnte ihm Danny Zankl Minuten später nur beipflichten. Auch der Übungsleiter des TSV Sasel war mit dem, was Ehrenfort pfiff, nicht immer ganz einverstanden. Vor allem nicht nach 57 Minuten, als Meiendorfs Enis Ay in den Strafraum eindrang und dort zu Fall kam – wie auch immer. Nicht nur, dass es Strafstoß gab, ärgerte Zankl. Nein, Ehrenfort zeigte die Gelbe Karte für das Foul Tobias Steddin. Der aber war gar nicht an der Szene beteiligt gewesen, sondern Maximilian Grünberg. „Die beiden sehen sich zwar ein bisschen ähnlich, weil sie beide große, dunkelhaarige Typen sind, aber sie haben ja extra auf dem Trikot verschiedene Rückennummern“, kommentierte Zankl süffisant.

Ersen: „Die drei Tore binnen fünf Minuten nach der Pause haben uns das Genick gebrochen“

MSV-Trainer Can Ersen (li.) versucht noch, sich zu rechtfertigen, doch Schiedsrichter Dr. Michael Ehrenfort zeigt im gleich die Rote Karte. Foto: Knötzsch

Wohlwissend, dass es Steddins fünfte „Gelbe“ war und dieser damit am kommenden Wochenende gegen Teutonia 05 gesperrt ist. Sebastian Zinselmeyer übrigens, der laut Zankl „beim Elfmeter nur gesagt haben soll, dass „die Entscheidung falsch ist“, sah als Ersatzspieler übrigens ebenfalls „Rot“. Der „Karten-Kunde“ nicht genug sei auch noch erwähnt, dass Meiendorf nach 72 Minuten numerisch dezimiert wurde, als Marcin Hercog und Ephrahim Asante als Duo den bärenstarken Jean-Lucas Gerken in die Zange nahmen, Hercog dafür Gelb sah und nach einer Handbewegung mit der „Ampelkarte“ belegt wurde. Kuriosum am Rande: Wie schon zuvor in der 58. Minute Meiendorfs Hilkiah Voigt, vergab auch Stefan Winkel auf Saseler Seite die Gelegenheit, vom Punkt aus zu treffen. Tore aber gab es beim deutlichen 7:1-Erfolg der Gastgeber gegen die neu zusammengestellte Equipe von der B75 reichlich. „Sasel hat uns gezeigt, dass bei uns noch einiges fehlt. Das Ergebnis spricht für sich. Dafür, dass wir eine neu zusammengestellte Mannschaft sind, haben wir uns in der ersten Hälfte gut verkauft“, bilanzierte Can Ersen, wusste aber auch: „Die drei schnellen Tore nach der Pause binnen fünf Minuten haben uns das Genick gebrochen.“ Zum Schiri wollte sich Meiendorfs Coach nach seinem Platzverweis nicht mehr groß äußern: „Wenn er pfeift, hat er wohl recht. Mehr kann und möchte ich nicht sagen. Nicht, dass ich mir noch den Mund verbrenne.“

Zankl: „Wir sind brutal gut in die zweite Halbzeit gekommen“

Zu Boden gegangen: Für den Ex-Saseler Benjamin Nadjem (Zweiter v. li.) und den MSV gab's am Parkweg nichts zu holen. Foto: Knötzsch

Auf der anderen Seite wertete Danny Zankl den Fehler beim Elfer als „ganz dramatische Situation, das ist richtig bitter für uns. Es gab auf dem Platz drei Leute, die da drüber schmunzeln konnten – ich nicht.“ Seiner Elf attestierte der Sasel-Coach „einen gelungenen Rückrundenstart. Die Punkte nehmen wir gerne mit.“ Zu Beginn des Spiels sei Meiendorf „durchaus mutig im Pressing“ gewesen, so Zankl, „wenn wir mal die Spielkontrolle hatten, sind wir immer gut durchgekommen. Aber wir haben uns in der ersten Hälfte selbst im Weg gestanden, weil wir die individuelle Klasse vermissen lassen haben. Wir waren ein bisschen schluderig. Die Ansätze waren gut und die Tore schön, aber wir haben einige Hochkaräter liegenlassen. Da müssen wir mit 2:0 oder 3:0 führen und den Deckel drauf machen.“ In der Pause, so der TSV-Trainer weiter, „haben wir unser Spiel dann etwas feinjustiert und sind brutal gut in die zweite Halbzeit gekommen. Wir haben unsere Angriffe konsequent abgeschlossen, wenn wir durchgekommen sind, und drehen das Ergebnis so auf 5:0. Da haben wir den Plan so umgesetzt, wie wir es wollten.“ Anschließend jedoch habe man gesehen, „dass wir als Mannschaft nicht stabil sind, Es wurde wirr. Dann haben wir wieder die Kontrolle gewonnen und das Spiel wurde ruhiger, aber was mir da nicht gefallen hat, ist, dass wir noch vier oder fünf Dinger liegengelassen haben“, schloss Zankl sein Fazit. 

Jan Knötzsch

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