Testspiel

Vier Gegentore, aber alles andere als tot: Meiendorf mit 17-Mann-Kader gegen „Dasse“

21. Januar 2020, 22:53 Uhr

Vor dem Anpfiff schworen Manager Mert Kepceoglu (grüne Jacke) und Trainer Can Ersen (rechts daneben) das Team des Meiendorfer SV ein. Foto: Knötzsch

Es war die Frage aller Fragen, nachdem der Meiendorfer SV noch am vergangenen Wochenende sein Testspiel gegen den Rahlstedter SC hatte absagen müssen: In welcher Verfassung würde der personell arg gebeutelte Oberligist zum Test gegen die TuS Dassendorf am Dienstagabend antreten? Und vor allem: Mit welchem Spielermaterial? Gerade mal eine Handvoll Akteure aus dem bisherigen Kader sind übrig geblieben ist. Mit Sulejman Hoxha, Yusuf Musbau, Ephrahim Asante, Marcin Hercog, Andi Ayim und Paul Herrdum standen sechs davon bei der 1:4-Niederlage gegen die TuS am Deepenhorn auf dem Platz. Der Rest? Neue Gesichter.

„Das war ganz stark – dafür, dass ihr zum ersten Mal zusammengespielt habt“, fand Can Ersen entsprechend nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Devin wengorz (TuS Hamburg) auch lobende Worte in Richtung seiner Mannschaft, ehe er sie zum obligatorischen Teamkreis nach dem Spiel zusammenrief. „Das hat mir sehr gut gefallen“, gab der neue MSV-Trainer seinen Mannen dort noch einmal mit auf den Weg – und traf ingewisser Weise genau den Nerv. Denn: So schlecht, wie manch einer zuvor weißsagen wollte, war der Auftritt des Clubs von der B75 nicht. Zwar brachte Sven Möller die TuS nach zehn Minuten in Führung, doch in der Folgezeit tat sich Dassendorf mit den früh Angriffs-Pressing spielenden Gastgebern das eine oder andere Mal schwer.

Richter: „Wir haben nich das Eine oder Andere, an dem wir noch arbeiten werden“

Wechselzeit: Dassendorf-Coach Jean-Pierre Richter (Zweiter v. li.) beordert Rinik Carolus (li.) und Pascal Nägele vom Feld. Foto: Knötzsch

Nach Wiederbeginn schließlich sollten die Meiendorfer durch Paul Herrdum (49.) gar zum 1:1-Ausgleichstreffer kommen, doch der zur zweiten Hälfte in die Partie gekommene Kristof Kurczynski (51.) gab aus Dassendorfer Sicht postwendend die Antwort. Rinik Carolus erhöhte anschließend mit einem sehenswerten Seitfallzieher auf 3:1 für die Mannschaft von Jean-Pierre Richter (61.), ehe Kurczyinski nach einem Konter, bei dem Jesper Gabers vorm Kasten noch einmal querlegte, mit seinem zweiten Torerfolg an diesem Abend den Schlusspunkt zum 4:1 für den Oberliga-Tabellenführer und Serienmeister setzte (80.). „Von den Abläufen und der Belastung her war das gut, alle sind verletzungsfrei aus dem Spiel rausgekommen. Wir haben das Eine oder Andere gut gemacht, aber auch das Eine oder Andere, an dem wir noch abeiten werden. Es war wichtig, so reinzustarten, dass wir uns noch steigern können“, lautete das erste Fazit von „Jonny“ Richter nach der Partie.

„Wir hatten uns auf das Spiel gefreut. Es stand ja ein bisschen die Frage im Raum, ob es stattfindet oder nicht. Für uns war es ganz gut, dass wir gespielt haben – auch wenn wir den einen oder anderen Spieler nicht dabei hatten. Wir wollten viel Netto-Spielzeit, das haben wir gut hinbekommen. Der Gegner hat immer wieder mal ein paar Impulse gesetzt wo wir zu fahrig, naiv und faul waren. Allerdings haben wir auf der anderen Seite in der ersten Halbzeit auch eine Vielzahl an guten Chancen liegen gelassen, weil die letzten Aktionen zu unsauber waren“, konstatierte der TuS-Trainer weiter. „Nach der Pause war es daher dann ein bisschen hektischer. Wir bekommen das Gegentor und antworten schnell mit dem Treffer zum 2:1. Beide Mannschaften haben aufgezeigt bekommen, dass es in der Defensive und der Offensive sowohl bei Meiendorf als auch bei uns noch Einiges zu tun gibt“, resümierte Richter, der in seiner Mannschaft den Ex-Meiendorfer Max Rosseburg als Gastspieler aufbot. Rosseburg wechselt bekanntlich im Sommer 2020 an den Wendelweg, an einem sofortigen Wechsel wird hinter den Kulissen verhandelt. Eine zeitnahe Vollzugsmeldung ist zu erwarten.

Ersen: „Wir haben jetzt noch acht weitere Testspiele Zeit“

Konzentrierter Blick aufs Spielfeld: MSV-Trainer Can Ersen. Foto: Knötzsch

„Bei uns haben die Jungs bislang teilweise nur ein Mal mittrainiert. Das war schon ganz ordentlich, wenn man sieht, dass auf der einen Seite der Hamburger Serienmeister mit einem guten und großen Kader steht und auf der anderen Seite wir, die wir quasi wie Phönix aus der Asche kommen“, befand derweil auf der anderen Seite Can Ersen. „Man kann nur verlangen, dass die Spieler das umsetzen, was man ihnen sagt. Wir haben es zum Beispiel erstmals mit einer Dreierkette probiert“, führte der Neu-Coach aus, der seine Equipe am Deepenhorn um 3-5-2-System auf den Kunstrasen schickte. „Am Ende haben wir sogar vorne mit drei Stürmern gespielt“, so Ligamanager Mert Kepceoglu, den der Auftritt der neuen MSV-Mannschaft ebenso wie Ersen positiv stimmte. „Wir haben jetzt noch acht weitere Testspiele Zeit“, sagte der Coach im Anschluss an die Begegnung und weiß, dass noch einiges an Arbeit wartet. Viel in die Karten schauen lassen will sich Ersen dabei nicht: „Von uns wird es nicht täglich Wasserstandsmeldungen oder Interviews geben. Sollen die anderen doch glauben, dass wir längst tot sind.“ Ein bisschen Klarheit indes herrscht nach dem ersten Testspiel nun schon, was die Zusammensetzung des Personals angeht.

Zu den sechs Mann, die aus dem „alten“ Kader auf dem Feld standen, gesellten sich Ali Zadfar (ASV Hamburg, früher Bramfeld und Rahlstedt), Yao Jonny Ouattara (FC Eintracht Norderstedt II), Yasin Mohammadi (FK Nikola Tesla), Can Tüfekci (Barsbütteler SV), Jean Jules Ebanda (Eintracht Immenbeck), Tufan Asan, Famara Kassama (beide Fatihspor), Gideon Wiesnewski (Rahlstedter SC), Tyron Manu Gyamenah (vereinslos, zuvor Strand 08 und Niendorfer TSV), Trainer-Neffe Can Ersen (früher Barsbüttel, BU, ASV Hamburg) und Branden Simic, der schon beim Hallenturner um den Wandsbek-Cup als Gastspieler mitgewirkt hatte. Hinzu kommen Neuzugang Benjamin Nadjem, der aus familiären Gründen fehlte, und der verletzte Haci Gündogan. Nicht auf dem Spielbericht dabei, aber künftig beim MSV ist auch Serdar Sinik. Der 38-Jährige spielte zuletzt beim Farmsener TV II, kennt Coach Ersen vom ASV Hamburg und kann mit Fug und Recht behaupten, Ex-Profi zu sein, Sinik spielte in der „1.Lig“, der Zweiten Liga der Türkei. „Er soll ein Leader für die Mannschaft sein und die jungen Spieler führen“, so Manager Kepceoglu. Sean Paul Vinberg wird den MSV derweil nach FussiFreunde-Informationen verlassen und sich dem Nord-Regionalligisten Heider SV anschließen.


Jan Knötzsch

Kommentieren