Hintergrund

„Tanne“ coacht jetzt in Schleswig-Holstein: „In Hamburg war für mich der Reiz nicht vorhanden“

15. Januar 2020, 16:14 Uhr

Aydin Taneli (li.) als SSC-Coach beim Hallenturnier in Ahrensburg. Foto: Knötzsch

Es gab den einen oder anderen, der am vergangenen Wochenende nicht schlecht staunte. „Mich haben tatächlich einige an die Seite genommen und gefragt, seit wann ich hier bin. Die wussten das alle noch nicht“, lacht Aydin Taneli. „Hier“ – das bedeutet für den 36-Jährigen seit Anfang des Jahres: SSC Hagen Ahrensburg. Dort, beim schleswig-holsteinischen Verbandsligisten, ist „Tanne“ jetzt als Coach in Amt und Würden. Gerade frisch installiert, weil ihn Carsten Holst – einst Tanelis Trainer in Barsbüttel – dorthin gelockt hat. Und das, nachdem der Ex-Abwehrspieler Taneli, der seine Karriere wegen eines Kreuzbandrisses beenden musste, in Hamburg mehr als ein Jahr lang ohne einen Verein war. Wir haben mit „Tanne“ über seine neue Aufgabe und die Zeit ohne Trainerposten gesprochen.

Da stand er nun also beim ersten Gruppenspiel des „Stadtwerke Ahrensburg“-Cups des Ahrensburger TSV an der Seite des Spielfelds in der Heimgartenhalle. Vor ihm seine Mannschaft in den blauen Trikots. Die Namen seiner neuen Spieler kamen „Tanne“ schon locker über die Lippen. So, als würde er sie schon lange kennen. Doch dem ist nicht so. „Ich hatte gerade mal eine Trainingseinheit“, berichtet der 36-Jährige, der dann über das Zustandekommen seines Engagements im Nachbar-Bundesland erzählt: „Ich bin mit Carsten Holst schon lange im Austausch, über ein Jahr. Er hat mir immer wieder die Idee nahegebracht, dass er mich holen will und mir versucht, den SSC Hagen schmackhaft zu machen.“ Was Holst seinem Ex-Schützling erzählte? „Dass ich dort in Ruhe arbeiten kann und dass das Familiäre in diesem Verein groß geschrieben wird. Er hat immer wieder positiv über den SSC Hagen gesprochen und davon erzählt, dass der nächste Schritt gemacht werden soll.“

Vorgänger wird sein Co-Trainer: „Es ist mir wichtig, Carsten an meiner Seite zu haben“

Als Assistent von Taneli fungiert bei den Schleswig-Holsteinern der Ex-Barsbüttel-Trainer Carsten Holst (re.). Foto: Knötzsch

Alles in allem also eine Aufgabe, die wie gemalt ist für Taneli, der bei seiner letzten Station in Hamburg, dem SC V/W Billstedt, was das angeht nicht gerade glücklich wurde. Er habe sich schlau gemacht und Spiele seines neuen Vereins angesehen, berichtet „Tanne“, „der Austausch wurde enger und auch der Vorstand war der Idee gegenüber aufgeschlossen. Dann hat es ein gutes Gespräch gegeben, an deren Ende sich alle vorstellen konnten, dass ich der neue Trainer werde.“  Bei den Ahrensburgern, so Taneli weiter, herrsche „ein starker Zusammenhalt“ – auch zwischen dem Herren- und dem Jugendbereich. Letztlich überzeugten alle Argumente und der Coach sagte für eineinhalb Jahre zu. Eineinhalb Jahre, in denen Taneli seinen Vorgänger an seiner Seite haben wird. Denn: Carsten Holst, in Hamburg durch seine Trainerstation beim Barsbütteler SV auch kein Unbekannter, fungiert als Tanelis „Co“. 


„Es ist mir sehr wichtig, ihn an meiner Seite zu haben. Das war eine Bedingung, dass ich den Posten überhaupt übernehme. Carsten hat einen guten Draht zu den Spielern, kennt die Strukturen im Verein.“ Probleme in Sachen Rollenverteilung – immerhin ist „Tanne“ jetzt Chef seines Ex-Trainers – sieht der 36-Jährige nicht. „Wir verstehen uns gut, haben eine positive Bindung zueinander und führen unsere Gespräche auf Augenhöhe. Wir werden sehr gut zusammenarbeiten, davon bin ich zu tausend Prozent überzeugt“, so Taneli, der seinen Weg nach Schleswig-Holstein nicht als Rückschritt ansieht: „Es gab auch in Hamburg die Möglichkeit, Landesliga-Trainer zu sein, aber ich habe mich bewusst für Ahrensburg entschieden, weil es für mich die erste Priorität war, in Ruhe arbeiten zu können, eine familiäre Atmosphäre im Verein zu haben und einen gemeinsamen Weg zu leben. Das Konzept, die Mannschaft weiterzuentwickeln, sie auf ein neues Level zu bringen, reizt mich“, begründet er seine Entscheidung. 

„Das Konzept, die Mannschaft auf ein neues Level zu bringen, reizt mich“

Lange Pause: Zuletzt war Taneli seit März 2018 ohne Verein. Foto: Kruber

„In Hamburg war für mich dieser richtige Reiz nicht vorhanden. Deswegen bin ich jetzt Trainer in Schleswig-Holstein“, erzählt Taneli, der nach seiner Amtszeit beim Barsbütteler SV (31. Oktober 2012 bis 30. Juni 2017) beim SC V/W Billstedt, zu dem er am 1. Juli 2017 gewechselt war, am 26. März 2018 vorzeitig das Handtuch warf. Seitdem war er ohne Verein. Wächst in so einer langen Zeit nicht die Angst, in Hamburg langfristig keinen Trainerposten mehr zu finden? „Die Gefahr, dass einen ein Club nicht anspricht, hat man immer. Dieser Gedanke ist irgendwann sicher auch mal in einem drin“, gesteht Taneli, dem kurz nach dem Aus bei V/W tatsächlich eine Option auf den Tisch flatterte, bei der er lange überlegte hat. „Aber das Angebot kam damals zu früh. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, ich war noch nicht so weit, wieder eine Mannschaft zu übernehmen. Ich habe erstmal noch ein bisschen Abstand gebraucht“, berichtet er. Und weitere Anfragen danach? „Das waren nicht die, die mich gereizt haben. Ohne Reiz und die innere Klarheit, dass das was für mich ist, würde ich keine Aufgabe annehmen. Dieser Reiz muss vorhanden sein – so wie jetzt in Ahrensburg. Dort wird Leistungs- und kein Alibifußball gespielt. Das entspricht meinen Vorstellungen.“ 


Jan Knötzsch

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