LOTTO-Pokal

„Die Mannschaft hat den Teamgeist gezeigt, der großen Teams oft abgesprochen wird“

15. Dezember 2019, 19:17 Uhr

Die Spieler des FC Teutonia 05 bejubelten ihre Tore mit Dino Fazlic, der gerade einen privaten Schicksalsschlag zu verkraften hat. Foto: Kormanjos

„Dass wir nach den letzten Wochen so gut wie keine Chance haben werden, war klar“, schraubte Rüdiger Meyer die Erwartungshaltung vor dem Pokalduell beim FC Teutonia 05 nahezu in den Keller. Der Grund: „Weil der Leistungsabfall nach den Spielen gegen Süderelbe und Bramfeld merklich war – nicht nur vergangene Woche in Sasel, sondern auch in den Trainingseinheiten. Da merkt man, dass die Luft komplett raus ist. Von daher ein erwartetes Ergebnis“, erklärte er die 0:5-Klatsche an der Kreuzkirche (alle Highlights im LIVE-Ticker). Dabei war es doch eigentlich das Aufeinandertreffen zweier Oberligisten – und ein Spiel, in dem die Gäste aus der Nordheide eigentlich nichts zu verlieren hatten und befreit aufspielen konnten. Stattdessen agierten sie wie das Kaninchen vor der Schlange und waren völlig chancenlos.

„Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben, was andere dort machen“, entgegnete Sören Titze auf die Frage, ob es ihn ein wenig traurig stimme, was für eine Entwicklung sein langjähriger Club in den letzten Monaten genommen habe, ehe er anfügte: „Ich habe ganz lange für den Verein gespielt und natürlich trägt man den dann auch im Herzen, wenn man seine ganze Kindheit dort verbracht und viele Erfolge zusammen gefeiert hat. Aber mittlerweile kenne ich ja fast keinen mehr. Trotzdem wünsche ich der Mannschaft, bis auf die zwei Spiele gegen uns, natürlich die nötige Kraft und Power, dass sie den Klassenerhalt schafft. Der TSV Buchholz 08 gehört für mich in die Oberliga – und ich hoffe, dass man jetzt alle Kräfte bündelt, wieder eine so erfolgreiche Rückrunde wie schon oft in der Vergangenheit hinlegt, und wünsche dem Verein nur das Beste.“ Mit Nächstenliebe war es während der (einseitigen) 90 Minuten aber vorbei. „Ich bin mächtig stolz auf die Truppe“, so der Teutonen-Trainer. „Wir haben letzte Woche eigentlich Tag für Tag eine Hiobsbotschaft nach der anderen bekommen. Das zeigt aber auch den Teamgeist der Mannschaft, der solch großen Teams ja auch gerne mal abgesprochen wird.“ Man hätte lediglich 13 einsatzfähige Spieler zur Verfügung gehabt, so Titze weiter. „Alle waren willig, haben defensiv gearbeitet, Spielwitz und tolle Kombinationen gezeigt. In meinen Augen ein auch in der Höhe völlig verdienter Sieg.“

Buchholzer Hoffnung: „Jetzt haben wir sie“

Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Denn die „Kreuzkirchler“ ließen gegen harmlose und eigentlich zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise an die Überraschung glaubende Nordheider von Anfang an nichts anbrennen und keinen Zweifel aufkommen, dass der Sieger ausschließlich die Titze-Truppe sein könnte. Nach Treffern von Felix Vobejda, der ein feines Zuspiel von Vincent Boock veredelte (10.), und Nikolas Mallwitz, der einen Boock-Eckball einköpfte (32.), hieß es schnell 2:0 für den Favoriten. Dabei witterten die Buchholzer unmittelbar vor dem zweiten Gegentreffer kurzzeitig Morgenluft, als Schlussmann Lennart Brückner einen vom indisponierten Andreas Metzler an Deran Toksöz verursachten und von Davidson Eden geschossenen Strafstoß parierte (31.). „Jetzt haben wir sie“, hallte es von der Bank in Richtung Platz, ehe der Jubel nach der anschließende Ecke prompt verpuffte.

Toksöz serviert vor WC-Gang

Auch Nick Gutmann (li.) - hier im Duell mit Milaim Buzhala - durfte sich in die Torschützenliste eintragen. Foto: Kormanjos

Man hatte das Gefühl, die Hausherren taten nur das Nötigste – und hatten dennoch alles zu jeder Zeit im Griff. Binnen 180 Sekunden sorgte ein „Tor-Hattrick“ schließlich für klare Verhältnisse. Eden spazierte nach einem Gutmann-Pass spielend durch die löchrige und nur zuguckende Hintermannschaft des TSV – 3:0 (73.). Dann krönte Boock seine Performance nach Querpass von Mirco Bergmann (75.), ehe Gutmann mit einem herrlichen Heber den Schlusspunkt setzte (76.). Die Vorarbeit leistete Toksöz, der wenige Sekunden zuvor gen Auswechselbank andeutete, doch mal das Örtliche besuchen zu müssen. Nach seiner Vorarbeit durfte er jenen Gang tätigen. Ersetzt wurde der Ex-Norderstedter von Georgios Cholevas, der sich in den letzten zwölf Zeigerumdrehungen als Mittelstürmer ausprobieren durfte – ohne Torerfolg.

„Dagegen kommen wir momentan nicht an“

„Es waren wieder fünf Minuten, in denen wir neben uns standen“, haderte Meyer. „Das ist derzeit das Problem, dass wir es hinten nicht dicht kriegen.“ Hinzu kommt der fehlende Mut und Glaube – obwohl es lange Zeit „nur“ 0:2 aus Buchholzer Sicht hieß und ein Anschlusstreffer nochmal für brisant hätte sorgen können. „Sicherlich hätten wir zurückkommen können. Aber in dem Moment, wo ein Gegentor fällt, ist schon ein Motivationsabfall da. Das ist zu merken“, erwiderte Meyer – und bilanzierte: „Gegen eine Mannschaft, die bei ihren Bodenverhältnissen genau weiß, wie der Ball läuft, und dieses hohe Tempo sowie das absolut sichere Passspiel hat, dagegen kommen wir momentan nicht an.“ Sein Gegenüber erklärte derweil: „Für mich war heute wichtig, dass wir eine Runde weiterkommen – egal wie. So können wir mit einem guten Gefühl in die Weihnachtszeit gehen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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