LOTTO-Pokal

BU-„Bratwürste“ fast abgekocht - doch HEBC-Elferschachzug geht nicht auf

15. Dezember 2019, 18:26 Uhr

Der siegbringende Elfmeter: Elias Saad überwindet Moritz Junge und schießt BU ins Pokal-Viertelfinale. Foto: KBS-Picture.de

Als beiden Mannschaften die Zeit davon lief und immer mehr auf ein Elfmeterschießen hindeutete, zog Özden Kocadal sein letztes Ass aus dem Ärmel. Der Trainer des HEBC wechselte im bis dato torlosen und nicht minder trostlosen Pokalduell mit Oberligist BU (alle Highlights im LIVE-Ticker) den Torhüter aus, brachte Moritz Junge für Patrick Meins. „Einfach einen halten - du machst das!“, sprach Meins seinem Torwartkollegen beim Verlassen des Platzes noch Mut zu und akzeptierte die Entscheidung seines Coaches sportlich-fair. Als eine Entscheidung vom Punkt unumgänglich war, um den dritten Viertelfinalisten im LOTTO-Pokal zu ermitteln, parierte Kocadals „Joker“ tatsächlich einen Elfer von Samuel Hosseini - und dennoch reichte es am Ende nicht zur Überraschung, weil seine Teamkameraden wenig Präzision an den Tag legten...

Johannes Höcker (li.) pariert gleich den ersten Elfer von HEBC-Torjäger Janosch Rinckens. Foto: KBS-Picture.de

Marco Stier war „not amused“. Ganz im Gegenteil. Der Trainer des HSV Barmbek-Uhlenhorst war mächtig bedient und angefressen. „Ihr spielt wie Bratwürste“, schimpfte er während des ersten Abschnittes - und bemängelte wenig später die fehlenden Optionen auf der Bank. Eine davon war Stephan Obst, seines Zeichens Co-Trainer der Barmbeker Zweitvertretung und Stürmer der Alten Herren von BU. Umso bezeichnender fürs Spiel, dass eben jener Obst in der 115. Minute tatsächlich eingewechselt wurde und in seiner 300-sekündigen Spielzeit mehr Torgefahr versprühte, als die komplette Mannschaft des Oberliga-Vierten bis zu diesem Zeitpunkt. „Wir waren nicht spritzig, nicht frisch, hatten nicht die nötige Galligkeit, Dynamik und Zielstrebigkeit. Die werfen sich mit Mann und Maus rein und verteidigen das sehr gut. Dafür kann man HEBC nur ein Kompliment machen“, so Stier, der allerdings auch betonte: „Wir sind ein bisschen angeschlagen hier hergekommen. Nicht nur aufgrund einiger Ausfälle, sondern auch, weil drei, vier Spieler die ganze Woche über gar nicht trainiert haben. Das sieht man dann auch.“

Höcker avanciert zum Matchwinner - "Das war definitiv auch ein Kopfproblem"

Kapitän Niklas Sabas (re.) eilt als erster Gratulant nach dem entscheidenden Elfer von Saad herbei. Foto: KBS-Picture.de

Mit der sportlichen Leistung über die 120 Zeigerumdrehungen sei er „auf jeden Fall nicht zufrieden“, erklärte Stier, „aber letztendlich sind die Körner bei den Jungs raus. Das habe ich schon die letzten zwei Trainingswochen gemerkt - das war nichts mehr. Die Jungs sind fertig und mit dem Kopf nicht mehr richtig da - auch wenn du sie für so ein wichtiges Pokalspiel nochmal heiß machst. Aber letztendlich zählt der Spruch: Eine Runde weiter - scheißegal wie. Und ich denke, wenn wir Altona als Gegner gehabt hätten, dann hätten wir bestimmt nicht so gespielt. Das war definitiv auch ein Kopfproblem“, befand der BU-Dompteur, der sich im Elfmeterschießen auf seinen Keeper Johannes Höcker verlassen konnte. Der Routinier war vom Punkt aus nur von Ilias Ide, der mächtig im Glück war, da Höcker noch die Füße an den Ball bekam, und Juro Julardzija, der in der regulären Spielzeit den Siegtreffer auf dem Schlappen hatte, aber am ehemaligen Norderstedter hängenblieb, zu bezwingen. Da „Höcki“ jedoch gegen Janosch Rinckens glänzend parierte, den Versuch von Mirko Wiedemann an die Latte guckte, und die Barmbeker Ronny Buchholz, Chris Pfeifer, Louis Mandel sowie Elias Saad, der den Deckel draufmachte, souverän ihre Hausaufgaben erledigten,
durfte der Favorit doch noch feiern.

"Wahrscheinlich muss ich mir die Niederlage selbst ankreiden"

Mehr Glück als Verstand: Trotz schwacher Leistung zieht BU am Reinmüller ins Pokal-Viertelfinale ein. Foto: KBS-Picture.de

„Ein doofes Ende!“, haderte Kocadal mit dem unglücklichen Ausscheiden - und nahm sich selbst in die Pflicht: „Wahrscheinlich muss ich mir die Niederlage ankreiden, weil wir keine Elfmeter geübt haben.“ Doch das wäre sicherlich zu einfach als Begründung. Schließlich konnte er seiner Truppe kaum etwas vorwerfen. „Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass wir sie über fast 90 Minuten weg von unserem Tor halten und keine nennenswerten Chancen zulassen. Das ist immerhin ein top Oberligist mit Regionalliga-Ambitionen.“ Und weiter: „Wenn man sich das Spiel anguckt, dann sieht man, dass wir auf einem richtig guten Weg sind, aber auch noch viel Arbeit vor uns haben.“ Viel fehlte an jenem Sonntagvormittag allerdings nicht - und der Sieger hätte lila-weiß getragen…

Der entscheidende Elfmeter von Elias Saad und der anschließende Jubel im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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