Kolumne

Donnerwetter, Dersim! – Chaos-Cordi?

09. Dezember 2019, 08:00 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um die 1:10-Niederlage von Concordia am Freitagabend beim SC Victoria und das bisherige Abschneiden des Oberligisten vom Bekkamp sowie die Entwicklung von Hansa-Landesligist Dersimspor im Laufe der Saison. 

Das letzte Mal, dass Concordia an dieser Stelle Thema war, liegt noch gar nicht so lange zurück. Es war am 21. Oktober 2019. Nach der 3:4-Niederlage, die die Mannschaft von Trainer Frank Pieper-von Valtier beim Hamburger SV III hinnehmen musste, ging es darum, wann die Arbeit und der Umbruch, den der Traditionsverein vor dem Start in die Spielzeit betrieben hatte, endlich Früchte tragen würden. Wie nahezu immer bei dieser Kolumne – egal, welches Thema sie hat – gab es anschließend Feedback handelnder Personen. In diesem Fall vom „Chef“ höchstpersönlich. Er würde die Lage in der Kolumne gut analysiert sehen, konstatierte Pieper-von Valtier damals und berichtete, er hätte für die am Sonntag danach erscheinende Stadionzeitung der Concorden ebenso eine Analyse betrieben und sei zu einem ganz ähnlichen Schluss gekommen, Nämlich dem, dass die Saison der Concorden nicht optimal, aber eben auch nicht katastrophal laufe.

Cordis Zwischenbilanz – nicht optimal, aber auch immer noch nicht katastrophal

Coach Frank Pieper-von Valtier kassierte mit Cordi am Freitag bei Vicky eine derbe Packung. Foto: KBS-Picture.de

Nun, das besagte Spiel gegen Osdorf danach verlor Cordi. Ein Gefühl, dass – wenn es nach Trainer. Manager, Umfeld und Mannschaft geht – der Verein in dieser Saison schon zu häufig erlebt hat. Letztmals eben nun am vergangenen Freitag. Und wie: Was war das für eine „Hammer-Klatsche“, die sich Cordi da beim 1:10 an der Hoheluft abholte? Ein Auftritt zum Vergessen, „über 60 Minuten das Schlechteste, was ich je gesehen habe“, wie Pieper-von Valtier am Wochenende in der Nachtebrachtung gegenüber der FussiFreunde-Redakton feststellte. Moment: Erst gut, dann schlecht – das kennt man von Concordia doch schon, oder? Ja, richtig: Eine Woche vorher ließ das schwarz-rote Ensemble daheim den TSV Sasel zunächst wenig bis gar nicht zur Entfaltung kommen, um dann in der zweiten Hälfte nachzulassen und am Ende gerade noch 1:1 zu spielen. So etwas wie Schadensbegrenzung oder aber das Ergebnis im Rahmen zu halten gelang Cordi bei Vicky frelich nicht – dafür sprechen die Zahlen eine zu deutliche Frage. Doch nach diesem Spiel den Coach in Frage zu stellen, ist zu kurz gedacht. Klar, die Situation am Bekkamp ist weiterhin nicht optimal, aber eben auch noch nicht katastrophal. Auf die Abstiegsränge hat man acht Punkte Vorsprung, die Plätze sieben bis neun, wo Cordi realistisch landen kann und will, sind ebenso nach wie vor noch in Reichweite. Das Chaos hat bei Cordi noch nicht Einzug gehalten, es steht allenfalls lauschend und wartend an der Tür. Was der Club – respektive Trainer Pieper-von Valtier und Team – aber dennoch tun müssen, ist eine neuerliche Analyse der Sorgen, Nöte und Probleme zu betreiben.

Zwar ist es erwartbar, dass ein Team, das in dieser Größenordnung wie Cordi vor der Saison umgebaut wurde, hier und da Rückschläg einstecken muss und nicht jedes der berühmten Rädchen sofort ins andere greift, wie man sich das vorstellt. Aber: Wir haben nun immerhin schon mehr als eine halbe Saison hinter uns, eine gewisse Entwicklung sollte oder muss man da schon sehen. Mit dem Wunsch nach selbiger gehen bei Cordi aber eben auch Faktoren einher, die die Entwicklung hemmen und zurückwerfen. Der Mannschaft fehlt es an Lautstärke. Sie ist zu ruhig. In Situationen wie am Freitag oder in der zweiten Hälfte gegen Sasel stemmt sich keiner dagegen und reißt positiv in einem Maß mit, das ausreicht. In sich ist der Kader zwar stimmiger und homogener besetzt, als noch in der Saison davor, doch dem Team mangelt es an Konstanz. Die Ausschläge zwischen Hochphasen und Tiefpunkten sind noch zu groß. Dies sind Situationen, in denen alte Hasen gefordert sind, vorweg zu gehen. Die vielen jungen Spieler, die Cordi im Sommer dazu geholt hat, sind zwar talentiert, man darf aber nicht vergessen, dass es für manche das erste Herrenjahr ist und für wieder andere der Sprung aus der bisherigen Liga in die Oberliga einer ist, den man nicht mal eben im Vorbeigehen erledigt. Schon gar nicht, wenn das ganze Konstrukt bisweilen angeschlagen ist. Andere, die als „Leader“ vorgesehen waren, schwanken in ihren Leistungen oder leiden an Verletzungen. Letztere plagen Cordi beharrlich. Beispielsweise auf der so wichtigen Innenverteidiger-Position, wo Alternativen fehlen. Dort war die Lage teils prekär. Insgesamt ist sie dies noch nicht – wenn man denn sämtliche Visionen von der „Regio“ außen vor lässt. Das 1:10 gegen Vicky war ein Schuss vor den Bug. Nicht mehr, nicht weniger. Einer zur rechten Zeit. Einer, den man schon im Pokal beim ASV Hamburg vergessen machen muss...


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