LL Hammonia

Nach sechster Pleite in Folge: Ramelow hält Brandrede ab - während Rantzau wieder rockt!

„Fürste“ bricht Bann, „Phänomen“ trifft, „Leben macht wieder Sinn“

17. November 2019, 14:26 Uhr

Die Gäste aus Rantzau (blaue Trikots) waren als Team in sich stimmiger und traten mehr als Einheit auf. Foto: Kormanjos

Der Abpfiff war erst wenige Sekunden alt (alle Highlights im LIVE-Ticker), da trommelte Jan Ramelow seine Mannen zusammen und ließ eine wahrhaftige Brandrede folgen. Minutenlang machte er seinen Schützlingen lautstark klar, was er vom Auftritt seiner Elf halten würde. Ein kleiner Auszug: "Wollen wir Fußballspiele gewinnen oder will weiter jeder für sich alleine spielen?!", schimpfte er. "Hört auf, eine One-Man-Show abzuziehen. Hier sind Leute, die sich seit vier, fünf Jahren den Arsch aufreißen. Ich will gar nicht wissen, wie die sich fühlen", kritisierte er die Einstellung einiger seiner Jungs scharf - und nahm die Arrivierten wie Keeper Constantin Lustermann oder auch Yannick Sahs aus der Schusslinie.

NTSV II-Coach Jan Ramelow hielt nach dem Spiel im Teamkreis eine wahre Brandrede ab. Foto: Küch

Nachdem die U23 des Niendorfer TSV in den vergangenen Jahren stets zu den Top-Teams der Hammonia-Staffel gehörte, ist man nun mitten im Abstiegskampf angekommen. Auch Rantzau-Coach Marcus Fürstenberg wunderte sich und hatte im Vorfeld sogar bedenken, "wenn man mal sieht, mit welchem Kader wir hier angetreten sind und auf der anderen Seite zwei Spieler aus der Oberliga und zwei aus der A-Bundesliga auf dem Platz stehen." Während die angesprochenen Oberliga-Spieler Evailton Fernandes, der etliche Hochkaräter auf leichtsinnigste Art und Weise nahezu verschenkte, und Dennis Thiessen auf ganzer Linie enttäuschten, machten es auch Ahmed Cevdet Ak, immerhin Kapitän der A-Bundesliga-Mannschaft, sowie Jeff Amoah Mensah nicht wesentlich besser. Auch Fürstenberg gestand anschließend: "Von Thiessen hätte ich mehr erwartet. Der war bis vor zwei Jahren noch mein Lieblingsspieler in Hamburg." Doch auch der Mittelfeldstratege konnte keine entscheidenden Akzente setzen, scheiterte sogar - wie auch seine Teamkollegen mehrfach und zum Teil kläglich - aus zwei Metern am überragenden SSV-Rückhalt Malte Ladehof. "Da sieht man seine Entwicklung. Er macht das die ganze Saison schon so. Heute hat er uns im Spiel gehalten. Von daher muss man ihm ein Extra-Lob zollen", so Fürstenberg, der auch den eigentlich in der Zweiten aktiven Klaas Thieme hervorhob.

„Er ist wirklich ein Phänomen und immer für diesen Luckypunch gut“

„Phänomen“ Marvin-Jay Gibau war wieder zur Stelle und erzielte das wichtige 1:0 acht Minuten vor Schluss. Foto: KBS-Picture.de

"Wir haben natürlich in ein, zwei Phasen ein bisschen Glück gehabt, dass wir nicht in Rückstand geraten", konstatierte Fürstenberg, der vor dem späten Führungstreffer seiner Barmstedter so viele Chancen auf beiden Seiten wahrnahm, dass es "auch 5:5 stehen kann - das wäre jedenfalls in Ordnung gewesen". Doch dann bestätigte ein Akteur, der bis dato kaum in Erscheinung trat, mit seinem achten Saisontreffer die Einschätzung seines Trainers: "Er ist wirklich ein Phänomen. Eigentlich hätten wir ihn schon runternehmen müssen, aber wir wussten, dass er immer diesen Luckypunch setzen kann. Das ist typisch für ihn. Er macht sein achtes Tor - und zum achten Mal ging's um Punkte. Er hat letzte Saison noch Kreisliga bei Hemdingen-Bilsen gespielt. Da muss man ihm Respekt zollen - auch wenn er noch viele Sachen lernen muss", lautet Fürstenbergs Meinung über Marvin-Jay Gibau, der die bis dato eigentlich kleinste Chance des Spiels auf große Art und Weise zum 1:0 nutzte. Eine Linksflanke von Marvin Jensen beförderte Gibau vom rechten Strafraumeck per Volley in die lange Ecke - Lustermann war noch dran, sah nicht allzu gut aus, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern (82.). Kurz darauf sorgte der starke Jensen nach einer Kopfballverlängerung von Björn Lefenau für die Entscheidung, weil Edvin Isic, der im ersten Abschnitt diverse Chancen versemmelte, im Duell zu passiv zu Werke ging (85.).

Fürstenberg bricht Niendorf-Bann - „Jetzt macht das Leben wieder einen Sinn“

Hat den Niendorf-Bann gebrochen und durfte sich mal wieder über einen Sieg freuen: Rantzau-Trainer Marcus Fürstenberg. Foto: KBS-Picture.de

"Wir waren die letzten Wochen auch nie die schlechtere Mannschaft, haben immer doof durch ein Tor verloren. Heute hatten wir ein kleines bisschen mehr Glück", bilanzierte "Fürste", der sich insbesondere über die Tatsache freute: "Wie wir uns mit dem Potenzial, was wir heute zur Verfügung hatten, dagegen gestemmt haben, darüber bin ich echt mega zufrieden." Auch wenn er befand, dass man "gewisse Dinge in den letzten Wochen sicher etwas anders machen und lösen kann", ohne jedoch ins Detail zu gehen. Dafür war's auch für ihn selbst ein anstrengender Sonntagvormittag: "Ich habe echt Kopfschmerzen, weil ich wieder so viel coachen musste. Jetzt muss ich jetzt erstmal eine Tablette nehmen und dann kann ich mich freuen." Darüber, dass "das Leben jetzt wieder einen Sinn macht" nach zuvor drei Pleiten am Stück. Und das ausgerechnet an einer Wirkungsstätte, die für den Rantzau-Trainer beileibe nicht zu den Lieblingsplätzen zählt, wie er abschließend verriet. Denn: "Ich habe noch nie bei Niendorf gewonnen. Ich weiß nicht, ob's irgendwann einmal mit TuRa der Fall war. Aber ansonsten habe ich schon damals im Pokal-Halbfinale mit Bramfeld II gegen die Truppe von Dennis Mitteregger, der im Jahr darauf den Pokal mit dem ETV gewonnen hat, durch einen blöden Freistoßtrick verloren." Der 17. November 2019 war aber wohl ein guter Zeitpunkt, um jene Negativserie zu brechen...

Autor: Dennis Kormanjos

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