BZ Nord

„Karten-Flut“ und Selbsterkenntnisse: Sperber trotzt Alsterbrüdern „dreckig erkämpften Punkt“ ab

Ereignisreiches Nachholspiel am Heubergredder

12. November 2019, 23:41 Uhr

Dustin Vespermann (Mi., grünes Trikot) erzielte die zwischenzeitliche 2:1-Führung für den Außenseiter. Foto: Kormanjos

Am Ende wurde es so richtig turbulent. Erst zeigte Schiedsrichter Christian Henkel dem meckernden Dominik Seeger die Ampelkarte (82.), ehe Stephan Wulf nach einem Foulspiel an der Seitenauslinie ebenfalls vorzeitig zum Duschen geschickt wurde (90. +4) und der FC Alsterbrüder das Gastspiel beim SC Sperber mit neun Mann beenden musste (alle Highlights im LIVE-Ticker). Nachdem wenige Augenblicke später der Schlusspfiff ertönte, ging die „Karten-Flut“ jedoch weiter. FCA-Coach Gunnar Hitscher bekam den roten Karton aufgedrückt, auch sein Kapitän Max Janta soll „eine Rote Karte eingetragen bekommen“, wie Hitscher hinterher verriet. Doch was war geschehen?

„Ein Spieler, dessen Namen ich jetzt nicht nennen kann, hat sich nochmal mit dem Schiedsrichter unterhalten und ihm wohl gesagt, was ihm nicht so gepasst hat. Er wollte dann von mir wissen, wer das ist. Ich habe dann, und so bin ich einfach, um mich auch vor meinen Spieler zu stellen, gesagt, dass er das selbst rausfinden muss. Daraufhin sagte er mir: ‚Dann gebe ich dir jetzt die Rote Karte.‘“ Da auch Janta anschließend schwieg, soll ihm wohl dasselbe Schicksal blühen. „Ich weiß es nicht“, rätselte Hitscher, dessen Elf in der Schlussphase diverse strittige Situationen lautstark monierte. „Es war zum einen das Zeitspiel – wobei wir da auch gesagt haben, dass man damit leben muss. Aber man kann dann auch mal erwarten, dass man das irgendwann mit einer Karte ahndet, um zum Beispiel auch den Torwart dazu zu bringen, sich etwas mehr zu beeilen.“ Hinzu kam die aus Alsterbrüder-Sicht zu geringe Nachspielzeit von knapp vier Minuten: „Wenn man mal auf die Nettospielzeit gucken würde und sieht, dass der Ball gefühlte achtmal hinten auf dem Tennisplatz war, dann ist das zu wenig.“ Allerdings nahm Hitscher auch sich selbst und sein Team nicht aus der Kritik raus: „Wir waren selbst von draußen zu laut – auch ich war ab und zu ein bisschen drüber.“ Und weiter: „Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir in der Tabelle weiter vorne stehen wollen, aber auch in der Fairplay-Tabelle. Da haben wir heute wieder bewiesen, dass wir noch Potenzial haben, uns weiterzuentwickeln und zu lernen.“

Hitscher: „Ein kleiner Rückschlag“

Die beiden Platzverweise während des Spiels stufte Hitscher als „absolut richtig“ ein und meinte sportlich-fair: „Wenn man Gelb hat, muss man eben ruhig sein. Und bei der zweiten Karte sehe ich ja von der anderen Seite, dass das ein gelbwürdiges Foul ist. Das ist dann der Frust, auch über sich selbst und weil man die Tore nicht gemacht hat.“ Allerdings kam es von Seiten der Gäste auch zu der einen oder anderen kritischen Szene im Sperber-Strafraum. Zweimal ging Noah Freyer zu Boden, einmal kam Felix Niebuhr zu Fall. „Noah sagt, dass er in beiden Situationen einen Kontakt gespürt hat“, so Hitscher, der aber auch wiederum bemängelte: „Wir labern, sind laut und fordern – dann gibt er die nicht. Das ist halt so.“ Rein sportlich betrachtet sprach der Alsterbrüder-Trainer – nach dem Triumph seiner Equipe beim HFC Falke und dem Lauf der letzten Wochen – von einem „kleinen Rückschlag“. Wenngleich er bereits im Vorfeld wusste, dass die Aufgabe beim Drittletzten alles andere als ein Selbstgänger werden würde: „Dass es auf dem Platz schwer wird, war klar. Wir wussten natürlich, dass Sperber unten drin steht, mit Mann und Maus verteidigt – und Standardsituationen für sich nutzen will. Wir laden sie zweimal ein, müssen zweimal zurückkommen, machen das auch und haben noch brutale Torchancen, sind dann aber im Abschluss zu kompliziert.“

Doppelter Susemihl egalisiert zweimalige Sperber-Führung

Erst war es Melf-Christian Stark, der eine perfekt getimte Hereingabe von Marcel Willert aus dem Halbfeld schulbuchmäßig zum 1:0 ins lange Toreck köpfte (16.). Dann stellte Dustin Vespermann nach einem nur unzureichend geklärten ruhenden Ball von Stefan Ruhm die erneute Sperber-Führung her (55.). Für die Alsterbrüder war Maximilian Susemihl zweimal erfolgreich und egalisierte die jeweiligen Torerfolge der „Raubvögel“ – zunächst nach einem kurz ausgeführten Freistoß und schneller Stafette über Carl Janta sowie Stephan Wulf (32.), ehe der ehemalige ETV-Akteur nach einer Hereingabe von Gian Luca Verago und missglückter Rettungsaktion der Hausherren aus der Drehung seinen zwölften Saisontreffer markierte (63.). Während die eingewechselten Florian Bünger (80.) und Bastian Nendza (83.) den Luckypunch für die Alsterdorfer auf dem Fuß und Kopf hatten, drückten die Gäste in der Schlussphase – trotz Unterzahl – auf den Sieg. Felix Niebuhr scheiterte am stark reagierenden Valentin Mai (87.) sowie am Pfosten (89.), während Susemihl sein drittes Tor am Abend verwehrt blieb, als Mai erneut im Weg stand (90. +1). Und so bilanzierte sein Trainer, der nach der Roten Karte am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Wellingsbüttel von seinem jungen „Co" Mark Pohle vertreten wird: „Natürlich wollten wir hier unbedingt gewinnen. Dass es schwer wird, weil Sperber eine Mannschaft ist, die gut verteidigen kann und sich in alles reinwirft, war auch klar. Aber wir hatten eben die Chancen – und wenn man die hat, aber nicht nutzt, ist man nicht wirklich glücklich.“

Assmann: „Das ist eine richtig gute Mannschaft, vor der ich mehr gewarnt habe, als vor Paloma II“

Hitschers Pendant Knut Assmann nahm den „dreckig erkämpften Punkt im Abstiegskampf, in dem wir uns ganz klar befinden“, gerne mit. Zumal er überaus lobende Worte für den Gegner parat hatte: „Das ist eine richtig gute Mannschaft, vor der ich mehr gewarnt habe, als vor Paloma II oder sonst wem, weil ich ganz viel von Alsterbrüder halte in dieser Saison. Das ist eine starke, eingespielte Truppe, aus der der Trainer viel gemacht hat.“ Deshalb sei er „letztendlich zufrieden mit dem Punkt“, so Assmann, der seinen Schützlingen von der Leidenschaft her nichts vorwerfen konnte: „Kämpfen tun sie immer und heute haben sie sich mal wieder mit einem Punkt belohnt. Aber wir machen immer noch zu viele individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen. Heute waren es zum Glück nicht so viele wie in der letzten Wochen.“ Und so stand am Ende ein Zähler, der im Kampf um den Klassenerhalt noch von großer Bedeutung sein könnte…

Autor: Dennis Kormanjos

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