Regionalliga Nord

Pleiten, Pech und Pannen gegen „EN“, doch der AFC-Optimismus bleibt: „Wir sind noch längst nicht weg“

Altona kassiert letztlich in doppelter Unterzahl vor 1000 Zuschauern eine 0:3-Niederlage

10. November 2019, 18:06 Uhr

Alle Mann antreten zum Jubeln: Die Norderstedt-Spieler freuen sich über das 3:0 durch Michael Kobert. Foto: KBS-Picture.de

Wenn man in der Partie zwischen Altona 93 und Eintracht Norderstedt (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) ein Sinnbild für den Nachmittag aus Sicht des AFC gebraucht hätte, wäre Marco Schultz die Idealbesetzung für genau diese Rolle gewesen: Altona lag mit 0:1 im Hintertreffen, spielte nach einer „Ampelkarte“ gegen Ridel Monteiro zu zehnt und hatte die Eintracht noch nicht weiter wegziehen lassen. Dann sah Schultz nach einem Foul an ihm im Strafraum „Gelb“, weil er mit Widersacher Yannik Nuxoll aneinandergeriet. Wenig später kam es im Mittelfeld zu einem Zweikampf, Schultz packte die Grätsche aus, kam zu spät – und Schiri Kevin Rosin (SV Lieth) zeigte „Gelb-Rot“. Der AFC musste das Spiel zu neunt beenden – und kassiere just, als Schultz auf dem Weg in die Kabine war, das 0:2. 

„Der Verlust von Marco und dann im selben Moment das 0:2 – das ist das, was passiert, wenn man unten steht. Das ist bitterböse, da muss man stark sein und durch. Dass jetzt ausgerechnet Lübeck der nächste Gegner ist, wo wir so viele Verletzte und Gesperrte haben, ist keine glückliche Situation. Unser Ziel ist es, dass wir noch vier bis sechs Punkte bis zur Winterpause holen. Durch diese saure Zeit müssen wir jetzt gehen“, sagte Berkan Algan nach dem Spiel. Seinem Kapitän wollte er für den Platzverweis allerdings keinen großen Vorwurf machen. „Das passiert halt, wenn du unten stehst und alles dagegen tun willst, dass du verlierst. Marco ist ein schlauer Spieler. Es war aber keine schlaue Situation. In der ersten Szene wird er provoziert und lässt sich mitreißen. Dass er diese Emotionen dann reinwirft, um sich zu wehren und bedingungslos zu sein, war richtig. Dass er einen Schritt zu spät kommt, ist das Paradebeispiel für einen Aufsteiger, der sich eine blutige Nase holt. In der ersten Situation muss er einfach weiterlaufen, bei der zweiten kann ich nur sagen: Shit happens“, so der AFC-Trainer.

Nyarko: „Altona hat es uns mit den beiden Platzverweisen leicht gemacht“

Norderstedts Evans Nyarko (re.) im Zweikampf mit dem Altonaer Erdogan Pini. Foto: KBS-Picture.de

Eigentlich könnte man spätestens hier ein gutes altes Sprichwort abändern in: Des einen Shit ist des anderen Freud. Denn mit zwei Mann mehr machte Norderstedt nach Johann von Knebels Führungstreffer aus Durchgang eins und Jan Lüneburgs 2:0 dank des 3:0 durch Michael Kobert den berühmten Sack endgültig zu. „Wir haben unsere Chancen genutzt und drei Tore gemacht, wobei man sagen muss: Altona hat es uns mit den beiden Platzverweisen leicht gemacht, sie waren dann einfacher zu bespielen. Von draußen war das vielleicht nicht gut anzusehen, aber bei so einem Derby ist es wie im Pokal: Letztlich zählt der Sieg, alles andere ist egal“, bilanzierte Evans Nyarko nach dem Schlusspfiff des Spiels vor 1000 Zuschauern. Auch wenn Norderstedt keine wirklich zwingende AFC-Chance zuließ, „hatten wir trotzdem Angst. Man kennt das ja, wenn man vorne nicht trifft, dann kassiert man hinten auch mal einen. Wir waren die ganze Zeit in Hochspannung“, sagte Norderstedts Mittelfeldmann und ergänzte: „Ein großes Lob an die Mannschaft. Wir haben das gut gemacht. Wir wussten, dass der Platz nicht gut und Altona eine Kampf-Mannschaft ist. Darauf waren wir eingestellt.“

Martens: „Insbesondere in der ersten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft“

DIe Szene, die zum zweiten Platzverweis führte: Marco Schultz (li.) mähte den Norderstedter Lennart Keßner um. Foto: KBS-Picture.de

Sein Coach erklärte nach dem Match, er könne sich „kurz und einfach“ fassen, was die Analyse der 90 Minuten angehe. „Wir haben aus meiner Sicht einen hochverdienten Sieg eingefahren. Insbesondere, als in der ersten Hälfte noch Elf gegen Elf gespielt haben, waren wir die bessere Mannschaft und haben das Spiel kontrolliert. Nach dem ersten Platzverweis machen wir, obwohl wir es deutlich angesprochen hatten, es nicht tun zu wollen, den Schritt weniger, den man in Überzahl macht. Altona hat es zu zehnt dann richtig gut gemacht. Wir haben eine Zeit gebraucht, um das Spiel wieder zu kontrollieren. Der zweite Platzverweis ist uns dann natürlich entgegengekommen“, konstatierte Jens Martens. „Wir haben die Überzahl gut ausgespielt und sind nicht nur deswegen sehr zufrieden. Wir haben jetzt 28 Punkte, das ist toll. Hätte mir die vor der Saison jemand für diesen Zeitpunkt prognostiziert, hätte ich das unterschrieben, ohne zu spielen. Mit unserer jungen Mannschaft und bei zwölf Zugängen im Sommer ist das eine tolle Bilanz. Auch die Serie von jetzt fünf Auswärtssiegen am Stück ist für uns toll“, freute sich der Eintracht-Ünbungsleiter nach der Begegnung.

Barthel: „Wir werden alles daran setzen, in der Regionalliga zu bleiben“

Bedienter Blick nach dem Abpfiff: AFC-Trainer Berkan Algan (re.) mit Manager Andreas Klobedanz. Foto: KBS-Picture.de

Berkan Algan hingegen war bedient. „Das ist eine bittere Niederlage für uns, weil wir 60 Minuten zu zehnt spielen mussten. Das können wir in unserer Situation gar nicht gebrauchen. Es war schon aufgrund der Tabellensituation klar, dass es eine schwierige Situation gegen eine bärenstarke Norderstedter Mannschaft wird. Dessen waren wir uns bewusst“, gab der AFC-Coach nach der Partie zu Protokoll. „Dass dann das 0:1 aus mangelnder Konsequenz und einem nicht gelungenen Befreiuungsschlag passiert, passt zur Kategorie, in der wir uns derzeit befinden: Pleiten., Pech und Pannen. Die erste Gelb-Rote Karte hat uns aus den Fugen gerissen. In der zweiten Hälfte waren wir nach einer Umstellung taktisch gut im Spiel. Wir haben das gemacht, was wir wollten: Norderstedt die Ballhoheit geben. Das ist uns gelungen – bis zur zweiten Gelb-Roten Karte“, analysierte Algan, der schon vor Beginn der Pressekonferenz Aufmunterung von seinem Präsidenten bekommen hatte: „Wir sind noch längst nicht weg. Wir werden alles daran setzen, in der Regionalliga zu bleiben. Jedes Spiel muss erstmal gespielt werden. Mit der Einstellung fahren wir auch nach Lübeck“, begab sich Dirk Barthel verbal in die Rolle des Altonaer Mutmachers.

Jan Knötzsch 

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