Oberliga

Sahne, Sensation, Stier: Erst stierisch geladen, dann stierisch erfolgreich

BU-Coach schwärmt nach Sieg in Niendorf

04. November 2019, 13:13 Uhr

Bejubelten den Auswärtsdreier: Marco Stier (re.) und sein Co-Trainer Yusuf Akbel. Foto: Bode

Er habe „ein richtig tolles Fußballspiel von beiden Mannschaften“ gesehen, so Marco Stier, der nach dem 2:1-Erfolg in Niendorf „sehr froh“ über die Tatsache war, „dass wir die absolut unnötige Niederlage bei Teutonia so gut weggesteckt“ und mit zwei Triumphen zurück in die Erfolgsspur gefunden haben. „Langsam muss ich wirklich den Hut vor meinen Jungs ziehen, wie sie Woche für Woche die Spiele gewinnen und auch mit welcher Souveränität“, war Stier im Nachgang voll des Lobes.

Dabei erlebte er hintenraus noch einmal hochbrisante Minuten am Sachsenweg – was aus Stiers Sicht vor allem an einer Szene lag: 64 Zeigerumdrehungen waren vorüber, als Abdel Hathat aus halbrechter Position nach innen zog und den Ball scharf reinbrachte. Dieser wurde abgefälscht und landete am zweiten Pfosten bei Edison Sa Borges Dju, der keinerlei Mühe mehr hatte und zum vermeintlichen 3:0 vollstreckte. Die Fahne des Assistenten blieb unten, der Treffer zählte zunächst – bis einige Niendorfer Spieler beim Schiedsrichter-Assistenten eine vorliegende Abseits-Situation reklamierten. Als dieser eine neue Spielsituation wahrnahm, wurden die Proteste der Niendorfer immer lauter. Gegenüber „Hafo“ äußerte sich Referee Fabian Porsch (Barsbütteler SV) hinterher erfrischen ehrlich: „Das war ein Wahrnehmungsfehler. Es lag keine neue Spielsituation vor.“ Aus diesem Grund nahm er nach Rücksprache mit dem Mann an der Linie den Treffer zurück – und es blieb beim 2:0 für BU. Stier: „Nach dieser Aktion und den zuvor vier ausgelassenen Riesenchancen wusste ich, dass es nochmal wild werden würde. Eigentlich wäre der Gegner mausetot gewesen.“ Und weiter: „Leider hat sich der Schiri, der bis dahin alles richtig gemacht hat, davon anstecken lassen...“

„Ich habe erst gedacht, er pfeift ein Foulspiel von Dennis Thiessen“

Abdel Hathat sorgte mit einem "Sensations-Tor", so Stier, für das 2:0 vor der Pause. Foto: Bode

Denn es sollte tatsächlich noch einmal spannend werden, nachdem Porsch ein regelwidriges Vergehen von Arnold Hoeling gegen Dennis Thiessen erkannt haben wollte und auf den Elfmeterpunkt deutete. „Das war ein Geschenk“, ärgerte sich Stier. Während selbst Niendorf-Trainer Ali Farhadi anschließend zugab, dass dies kein Strafstoß gewesen sei („Ich habe erst gedacht, er pfeift ein Foulspiel von Dennis Thiessen“), nahm nicht nur Stier jene Szene wie folgt wahr: „Unser Spieler spitzelt seinem Gegenspieler, der gefühlt zehn Minuten zu spät kommt, den Ball vom Fuß und wird anschließend von ihm am Fuß getroffen“, machte er ein klares Offensivfoul aus. Thiessen war dies jedoch herzlich egal und verkürzte auf 1:2 (80.). Erstmals war Oliver Gaedtke an diesem Nachmittag geschlagen. Der 20-Jährige vertrat einmal mehr den angeschlagenen Johannes Höcker – und verdiente sich im Nachgang sogar ein Sonderlob vom Übungsleiter: „Er hat das sehr gut gemacht, extrem souverän gewirkt und in der ersten Halbzeit zwei 100-prozentige rausgeholt.“

Erst ein "Sahne-", dann ein "Sensations-Tor"

Apropos erste Halbzeit: „Wir haben mit brutal offenem Visier gespielt, da wir wussten: Wenn wir Niendorf vorne aggressiv anlaufen, können wir sie zu Fehlern zwingen. So war es dann auch.“ BU kam zu Chancen, aber auch Niendorf habe „zwei, drei sehr gute Konter gefahren, wo Olli Geadtke hellwach war.“ Von Beginn an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch und ein temporeiches sowie höchst intensives Spiel, indem die Gäste die ersten Ausrufezeichen setzten. Mit „einem Sahne-Tor“ eröffnete Elias Saad, der erst hängenblieb, um dann im zweiten Anlauf das Spielgerät mit der Pike in den Winkel einzuschweißen (30.), das Spektakel. Noch spektakulärer wurde es kurz vor der Pause, als Hathat von der rechten Seite nach innen zog und die Kugel aus gut 30 Metern im Giebel einschlagen ließ (42.)! „Ein Sensations-Tor“, geriet Stier aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus – und befand: „Zur Halbzeit hätte es auch 5:3 stehen können.“

"Wir haben eine mega Leistung abgerufen"

Dennis Thiessen sorgte mit einem Elfer-Geschenk für Niendorfer Hoffnung. Foto: Bode

Sein Team führte mit 2:0 – doch das, was dann kam, beeindruckte den BU-Dompteur noch viel mehr: „Die zweite Halbzeit war von unserer Seite grandios! Ich habe wirklich selten so eine gute zweite Halbzeit von uns gesehen“, war Stier regelrecht aus dem Häuschen. „Wir kommen raus und haben vier Bretter auf dem Fuß, die der Torwart alle hält.“ Es folgte das nicht gegebene 3:0, ehe es noch einmal spannend und hitzig wurde. In den Schlussminuten machten die Barmbeker noch einen Ellbogenschlag von Marvin Karow gegen Nico Schluchtmann aus. „‚Schluchi‘ liegt noch immer im Krankenhaus“, monierte Stier, der am Ende jedoch bilanzierte: „Wir haben nicht eine Torchance zugelassen in der zweiten Halbzeit, hochverdient gewonnen, und eine mega Leistung abgerufen.“ Farhadis Fazit gegenüber „Hafo“ fiel ernüchternd aus: „Wir haben ein paar gute Sachen gemacht. Aber eben nicht so gute Sachen, um zu gewinnen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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