Landesliga Hansa

Sieger Billstedt zeigt „definitiv kein gutes Spiel“, aber Hoffmann zerstört die SVA-Hoffnungen

Keeper der Gäste verhindert beim V/W-Gastspiel in Altengamme den 2:2-Ausgleichstreffer

02. November 2019, 18:43 Uhr

Und ab geht die Post: Altengammes Jonas Buck (Mi.) entwischt auf dem Flügel seinen Gegenspielern. Foto: Knötzsch

Alexander Bogunovic hatte die Szene eigentlich schon abgeschrieben und reklamierte, dass er im Auswärtsspiel des SC V/W Billstedt beim SV Altengamme (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) da gerade eben ja wohl gefoult worden sei. Doch Schiedsrichter Gerrit Breetholt (GW Eimsbüttel) und sein Assistent vor den Trainerbänken hatten es anders gesehen. Sie ließen das Spiel laufen – die Vorteilsregel lässt grüßen, wie der Assistent später Bogunovic erklären sollte. Und Billstedts Abwehrspieler dürfte insgeheim froh gewesen sein, dass es weiterging. Denn Bogunovic schlug den Ball trotz Bedrängnis nach vorne und schickte ihm verbal die Worte „das ist ein geiler Ball“ hinterher, als er die Flugkurve der Kugel sah. Selbige landete bei Teamkollege Sid Ziskin, der im Strafraum den Angriff erfolgreich vollendete.

Ziskins Treffer bedeutete nach 53 Minuten das 2:0 für die Gäste, die nur vier Zeigerumdrehungen zuvor erstmals zugeschlagen hatten, als Mazlum Oruk nach einer Ecke von rechts am ersten Pfosten das Leder irgendwie über die Linie stocherte. „In den ersten zehn, 15 Minuten nach der Halbzeit machen wir das nicht gut. Bei der Standardsituation vorm 0:1 sind wir komplett unorganisiert und der Ball flippert da irgendwie hin, so dass der Billstedter ihn nur noch einschieben muss“, ärgerte sich Jan Krey, „und dann kriegen wir auch noch das 0:2.“ Eigentlich ein Moment, in dem die Hausherren die Köpfe hätten hängen lassen können. Denn just in den vom SVA-Coach angesprochenen ersten 15 Minuten passierte das, was eine alte Fußballer-Weisheit treffend beschreibt: Wenn du vorne die Dinger nicht machst, dann kassierst du sie hinten...

Krey: „Wir müssen in der ersten Halbzeit mit 2:1 oder 3:1 in Führung gehen“

Zu spät gekommen: Philipp Heitmann (re.) kann nicht verhindern, dass der Billstedter David Agyiri Osei den Ball weiterleitet. Foto: Knötzsch

„In der ersten Hälfte verpassen wir es, Tore zu machen. Beide Mannschaften hatten gute Möglichkeiten, trotzdem müssen wir mit 2:1 oder 3:1 in Führung gehen“, war auch Krey nicht verborgen geblieben, dass es bei seiner Elf mit der Chancenverwertung haperte. Das, was in dieser Hinsicht im ersten Durchgang daneben ging, klappte dann nach dem Billstedter Doppelschlag – allerdings nur ein Mal. „Nach dem 0:2 waren wir kurz geschockt, aber dann war es wieder dieses Altengammer Spiel: Wir haben nichts zu verlieren und spielen Vollgas“, so Krey. Der einzige Haken: Außer Philipp Zeyns, der nach 68 Minuten den Anschlusstreffer erzielte, traf kein weiterer SVA-Kicker mehr ins Netz. Dabei hätte Zeyns selbst sogar der Held und „Retter“ des Unentschiedens werden können: Nach 77 Minuten wurde er von Philipp Heitmann mit einer klasse Flanke im Straraum bedient, drehte sich um die eigene Achse, zog ab – und fand seinen Meister in V/W-„Goalie“ Martinique Leon Hoffmann, der zur Ecke abwehrte.

„Billstedt kann sich beim Torwart bedanken, dass sie hier als Sieger vom Platz gehen. Das sagt schon alles“, befand Krey und ließ die Szene, die sich 13 Minuten vorm Ende zugetragen hatte, noch einmal Revue passieren. „Den hält er sensationell“, schrieb Altengammes Coach dem Keeper der Gäste ins Stammbuch, lobte aber auch Zeyns für den Abschluss: „Er macht alles richtig. Nur, dass der Torwart den Ball eben einfach noch irgendwie aus dem Eck kratzt...“ Letztlich, so schloss Krey sein Fazit nach den 90 Minuten am Gammer Weg, „ist das Einzige, was wir uns vorwerfen lassen können, dass wir in der ersten Halbzeit nicht in Führung gehen und in der zweiten Hälfte nicht direkt von Anfang an so spielen, wie wir das nach dem 0:2 getan haben.“ Und so gewann am Ende „die schwächere von beiden Mannschaften“, wie SVA-Ligaobmann Philipp Mohr nach dem Abpfiff beim Handschlag mit Onur Ulusoy konstatierte. 

Ulusoy: „Wir nehmen den Sieg mit, wissen aber, dass wir noch viel an uns arbeiten müssen“

Engagiert an der Seitenlinie: Billstedts Trainer Onur Ulusoy. Foto: Knötzsch

„Das kann man so unterschreiben“, befand Jan Krey im Nachgang des Spiels – und auch Ulusoy hatte es so gesehen. „Ihr wart besser“, hatte der Coach der Billstedter Mohr auf dessen Aussage geantwortet, und stellte anschließend im FussiFreunde-Gespräch fest: „Das war definitiv kein gutes Spiel von uns. Es war von vielen Fehlern geprägt. Wir haben nicht unser gewöhnliches Spiel gezeigt. Normalerweise sind wir dafür bekannt, dass wir den Ball und den Gegner laufen lassen. Das haben wir diesmal nicht geschafft. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat, ob wir mit dem Rasenplatz nicht zurecht gekommen sind – aber wir haben gewonnen. Das ist wichtig. In den Wochen zuvor haben wir immer gut gespielt und keine Zähler mitgenommen.“ Diesen Sieg, so der Übungsleiter der Billstedter, „nehmen wir so mit. Aber wir wissen, dass wir noch viel an uns arbeiten müssen.“ Mit dem „Dreier“ am Gammer Weg kamen die Billstedter übrigens als Vierter (28 Punkte) bis auf einen Zähler an die drittplatzierten Altengammer (29 Zähler) heran.

Den Blick noch ein paar Plätze weiter nach oben – und damit in Richtung Oberliga – will Ulusoy aber dennoch nicht wagen. „Für die Oberliga ist es für uns definitiv noch zu früh. Siehe das Beispiel Bramfeld. Ich glaube, dass wir Minimum noch ein Jahr bräuchten, bis wir uns richtig gefunden haben“, sagte er nach der Begegnung, „wir sind auch in dieser Saison wieder eine zusammengwürfelte Mannschaft und hatten relativ viele Abgänge. Die musst du erst einmal kompensieren. Jetzt läuft es gut, aber wir hatten anfänglich auch unsere Schwierigkeiten.“ Also tatsächlich kein Gedanke ans Hamburger Fußball-Oberhaus? „Für die Oberliga würde es defnitiv nicht langen. Da brauchen wir Zeit und müssten ein paar Spieler transferieren. Unser Kader ist relativ dünn, wir wollen im Winter nochmal schauen, dass wir drei, vier Neuzugänge bekommen“, erläuterte Ulusoy und finalisierte sein Statement wie folgt: „Wenn der Aufstieg kommt, dann ist es okay. Aber eher ungerne...“

Jan Knötzsch

Kommentieren