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Erneute Spuck-Vorwürfe im „Gift-Gipfel“ - aber ASV-Ausrufezeichen vor „Schlagerspiel“

„Er hat mir geschworen, dass er gar nichts gemacht hat“

01. November 2019, 23:53 Uhr

Der Siegerkreis des ASV Hamburg nach dem Spiel. Foto: Kormanjos

Sie kämpften in der Vorsaison die Bezirksliga-Meisterschaft aus, lieferten sich heiße und hitzige Duelle - in der Liga sowie im Pokal. Teilweise sogar über die Grenze des Erlaubten hinaus. Nun trafen der Oststeinbeker SV und der Meister der vergangenen Spielzeit in der Bezirksliga Ost, der ASV Hamburg, erstmals als Landesligisten aufeinander. Und obwohl das Ergebnis am Ende eine klare Sprache sprach (alle Highlights im LIVE-Ticker), fand eine "Privat-Fehde" ihre Fortsetzung...

Es lief die 79. Spielminute, als es nach einem Foulspiel von Serhat Cayir an Youssef Sbou urplötzlich hoch her ging am Meessen. Es kam zu einer Rudelbildung, in der Youssef-Bruder Youness auf einmal kräftig mitmischte und mit Cayir aneinander geriet. Das Duo, das sich bereits im letzten Jahr an die Wäsche gehen wollte, nachdem ein Spuck-Vorwurf vom ASV-Linksfuß in Richtung des Oststeinbekers im Raum stand. Als sich die Situation so langsam beruhigte, rief Schiedsrichter Torben Kunde (SCALA), wahrlich kein souveräner und fehlerfreier Spielleiter, die beiden Streithähne zu sich, zeigte Cayir für das Foul an Youssef Sbou die Gelbe Karte und Youness Sbou für das Heraufbeschwören der Auseinandersetzung die Ampelkarte. Doch dabei soll es (mal wieder) nicht geblieben sein. Beim Verlassen des Platzes machte Cayir, der schon wenige Augenblicke zuvor ausgewechselt und für das Gipfeltreffen am kommenden Samstag in Lohbrügge geschont werden sollte, deutlich, dass Youness Sbou erneut körperliche Flüssigkeiten in seine Richtung ausgeschieden haben soll. Was er nach der Partie zu sagen hatte, seht Ihr im Video!

Alex Kaya, Co-Trainer des OSV, nahm das vermeintliche Gespucke seines Spielers wie folgt wahr: „Ich habe gesehen, dass er gespuckt hat. Aber nicht auf ihn, sondern zur Seite weg. Er hat das dann gleich genutzt, um aufgrund der Aktion vom letzten Mal zu sticheln. Das hat das Ganze nochmal aufgebauscht.“ Und weiter erklärte er: „Ich habe Youness auch nochmal gefragt und er ist offen und ehrlich zu mir, weil ich eine besondere Beziehung zu beiden Brüdern habe. Er hat mir geschworen, dass er gar nichts gemacht, zur Seite gespuckt und mit sich selbst gesprochen hat. Serhat ist ja auch aufbrausend. So durchzudrehen, tut wirklich nicht Not. Das ist eine private Fehde zwischen den beiden. Ich finde das total unnötig!“ ASV-Coach Ghazi Mustapha ahnte bereits, „dass es ein provokantes und aggressives Spiel werden wird“. Deshalb sagte er seinen Mannen bereits im Vorfeld, „dass sie einfach ruhig bleiben und sich darauf nicht einlassen sollen.“ Während Youness Sbou dem OSV nun fehlen wird, muss auch Cayir im Topspiel in der kommenden Woche zuschauen. Denn es war seine fünfte Gelbe Karte. „Das ist natürlich ganz blöd gelaufen für uns“, ärgerte sich auch Mustapha. Traurig, dass über so etwas überhaupt und wiederholt berichtet werden muss – und die Leistung der Gäste in den vorangegangen 90 Minuten dadurch ein Stück weit in den Hintergrund rückte. Denn: Rein sportlich betrachtet setzte der ASV, mit diversen Ex-Oststeinbekern in den eigenen Reihen, das nächste Ausrufezeichen – auch Serhat Cayir, der einst ebenfalls am Meesen aktiv war.

Ohne Torjäger Farahi und Aschenbrenner: „Unser Matchplan ist voll aufgegangen“

Serhat Cayir (3. v. li.) geht gegen Jibril Adamou zum Kopfballduell hoch. Foto: Kormanjos

Der ehemalige Altonaer war es, der nach einer kurz ausgeführten Ecke mit seiner scharfen Hereingabe den Kopf von Tammim Yousofzai fand – 0:1 (37.). Nach der Pause erhöhte der bärenstarke Rathwan Al Radi nach toller Vorarbeit von Lamin Jawla (54.). Letzterer nutzte kurz darauf einen dicken Fehler von Miguel Gimeno Hinrichs und eine Energieleistung des ebenfalls glänzend aufgelegten Mike Appiah zum 3:0 (57.). In der Nachspielzeit ließ jener Appiah sogar noch den vierten Streich folgen – nachdem Nazar Masharqi und Vedat Barlak die linke Abwehrseite der Hausherren abermals düpierten (90. +5). „Unser Matchplan ist voll aufgegangen. Wir wollten früh und aggressiv pressen, sie zu Fehlern zwingen. Das haben wir sehr gut gemacht“, jubelte ASV-Coach Ghazi Mustapha – und fügte an: „Wir haben gerade einen Lauf!“ Und ein „starkes Teamgefüge“, wie er meinte. „Wir hatten heute zwei absolute Leistungsträger und unsere beiden Top-Torschützen mit Abdul Farahi und Timo Aschenbrenner nicht dabei. Aber wir kriegen sie ersetzt und können das kompensieren. Das macht uns diese Saison so stark. Alle geben im Training Gas, die Jungs pushen sich gegenseitig. Es bringt großen Spaß, zurzeit passt einfach alles!“

„Der OSV hat gute Spieler verloren, wir gute Spieler mit Erfahrung dazu bekommen“

Gut gelaunt verlässt 1:0-Schütze Tammim Yousofzai (li.) das Spielfeld. Foto: Kormanjos

Derweil sprach Kaya, der seinen nicht reden wollenden Chef-Dompteur Simon Gottschling vertrat, von einem „hintenraus auch in der Höhe verdienten Sieg“ des Tabellenzweiten. „Man hat gesehen, dass die Qualität beim ASV am Ende ein bisschen höher war. Da sind wir noch zu grün. Sie haben das richtig gut gemacht und wir müssen das jetzt so hinnehmen.“ Dennoch sei „nicht alles verkehrt gewesen, was wir gemacht haben“, befand er. Lieferte man sich in der vergangenen Spielzeit noch ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen, scheint die Kluft zwischen beiden Teams nun ein Stück weit auseinanderzugehen. Laut Kaya liegt das an den unterschiedlichen Vereins-Konzepten: „Man kann diesen Weg mit gestandenen Spielern gehen. Wir sind den anderen Weg gegangen und haben elf Spieler im Kader, die Jahrgang 1999 oder jünger sind. Natürlich merkt man das dann in solchen Spielen, wo die abgezockter und cleverer sind.“ Der eigene Weg sorge dafür, „dass man zwar kurzfristig noch nicht den großen Erfolg erntet, aber auf Dauer ist das vom Konzept her schöner“. 


Sein Gegenüber machte auch den Umbruch als Grund für inzwischen 16-Punkte-Unterschied aus: „Der OSV hat gute Spieler verloren und baut auf jüngere Spieler, wir haben gute Jungs mit Erfahrung dazu bekommen und uns in der Breite besser aufgestellt.“ Abschließend verriet der ASV-Übungsleiter, dass man zuletzt in drei Etappen gedacht habe. „Zunächst hatten wir das schwierige Spiel gegen Altenwerder (6:1, Anm. d. Red.), wo wir uns gesagt haben: Das könnte so ein Knacksspiel werden, weil sie nichts zu verlieren hatten und gut drauf waren. Heute haben wir die zweite Etappe gemeistert mit einem starken Spiel. Jetzt kommt die dritte Etappe mit dem Bonusspiel in Lohbrügge.“

Autor: Dennis Kormanjos

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