Oberliga

Konjunktiv „killen“ mit Dylan: Williams und das Abseits sind Torneschs Do(h)rn im Auge

Union verliert beim Meiendorfer SV mit 2:4, weil der Schiri es anders sieht und der US-Boy „dreiert“

26. Oktober 2019, 19:36 Uhr

Meiendorfs Dreifach-Torschütze Dylan Williams (li.) gegen Union-Keeper Norman Baese. Foto: KBS-Picture.de

Die Situation lag mehr als eine Stunde zurück – und doch hatte Thorben Reibe sie noch genau vor Augen. „Eigentlich hätten wir das 2:0 machen und mit dem Ergebnis in die Pause gehen müssen. Für mich war das kein Abseits. Da laufen zwei Mann allein auf den Torhüter zu und einer hätten den rein gemacht. Dann wäre das Spiel anders verlaufen. Stattdessen kriegst du 20 Sekunden später das Gegentor zum 1:1. Das war sehr bitter für uns und ein echter Nackenschlag“, ärgerte sich der Trainer des FC Union Tornesch nach dem Spiel beim Meiendorfer SV (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) über eine, nein genau genommen zwei Situationen, die in der 44. Minute der Begegnung geschahen und aus Sicht Reibes maßgeblich dafür waren, wie das Spiel danach weiterlief.

Und um diese Momente ging es: Zunächst flog ein Pass von Maik Stahnke nach vorne, die beiden Union-Offensiven Björn Dohrn und Oliver Pracht starteten durch – und Schiedsrichter Johannes Mayer-Lindenberg (Harburger TB) pfiff. Abseits! Weder Dohrn noch Pracht konnten allein auf MSV-Keeper Jonas Köhler zugehen. Tendenziell wohl eine richtige Entscheidung (Dassendorf-Trainer „Jonny“ Richter auf der Tribüne: „Für mich war's Abseits!“), weil Pracht wohl tatsächlich ein paar wenige Zentimeter im Abseits gestanden hatte. Aus der eigenen Hälfte jedenfalls, wie einige Tornescher reklamierten, waren die Union-Stürmer nicht gestartet. Und da des einen Leid bekanntlich ja des anderen Freud ist, schlug Meiendorf zu und egalisierte den Führungstreffer der Gäste, den Dohrn nach 34 Minuten besorgt hatte, in Person von Dylan Williams. Der stand nach einer Flanke von Özgür Bulut am zweiten Pfosten genau richtig und drückte das Leder, scheinbar von seiner Freiheit und dem Ballgewinn selbst ein wenig überrascht, über die Linie (44.).

Reibe: „Gerade auf unserer rechten Seite haben wir das Spiel nicht mehr in den Griff bekommen“

Ja, wer darf denn nun den Ball spielen? Der Meiendorfer Alexandar Mucunski (li.) und Torneschs Christian Kulicke sind sich uneinig. Foto: KBS-Picture.de

Und weil das Ganze ein Mal so gut klappte, spielte sich Williams fast wie in einen Rausch und betrieb das muntere Spiel „Konjunktiv killen mit Dylan“. Denn statt des 2:0, dass Tornesch laut Reibe hätte machen müssen, „netzte“ Williams im zweiten Durchgang zunächst noch ein weiteres Mal ein, als er von Tüter bedient wurde (50.), dann bereitete er das 3:1 von Theodoros Ganitis mit viel (Lauf-)Einsatz und einem klugen Pass vor (64.) und versenkte die Kugel schließlich noch Mal hinter Tornesch-Torsteher Norman Baese (71.). „Das war sein erster Hattrick – zumindest in Deutschland, Hier hat er sicher noch keinen erzielt“, grinste Baris Saglam nach dem Match. Der MSV-Coach hatte den US-Boy mit der Nummer 18, der aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach Deutschland kam und hier mit Teamkollege Sean Paul Vinberg (gegen Tornesch gesperrt) zusammen in einer WG lebt, erst im Laufe der Hinserie an die B75 gelotst.

Williams Wille und die Sache mit dem Abseits aber waren auf Seiten Unions, wo Björn Dohrn noch das 2:4 erzielte (89.), nicht die einzigen Ursachen für die Niederlage. „Was uns noch mehr den Zahn gezogen hat, waren die Ausfälle unserer erfahrenen Leute Lennart Dora und Flemming Lüneburg“, konstatierte Thorben Reibe, der die beiden Angesprochenen im Spielverlauf auswechseln musste und sowieso schon nur ganze drei Ersatzspieler auf der Bank hatte, weil „bei uns schon vorm Spiel 14 Spieler aus unterschiedlichsten Gründen gefehlt haben.“ In der zweiten Halbzeit habe man dann, so Unions Übungsleiter, „gesehen, dass uns diese Erfahrung gefehlt hat. Gerade auf unserer rechten Seite haben wir das Spiel nicht mehr in den Griff bekommen. Aber ich mache den Jungs keinen Vorwurf. Einige mussten auf ungewohnten Positionen spielen. Es fehlte einfach die Abstimmung. Knackpunkt war letztlich die erste Halbzeit.“

Saglams personelle Puzzlepspiele: „Manchmal denke ich, auf uns liegt ein Fluch“

Und drin ist das Ding: MSV-Spieler Theodoros Ganitis (re.) bezwingt Norman Baese. Foto: KBS-Picture.de

Das mit den Verletzungen übrigens kennt Baris Saglam ebenso nur allzu gut aus leidlicher Erfahrung. Ursprünglich wollte der MSV-Coach gegen Union in der Innenverteidigung auf Kevin Heitbrock setzen. Der aber meldete sich am Spieltag mit Magenproblemen ab. „Ich würde gerne mal ein paar Spiele mit der gleichen Formation spielen und nicht immer wieder Ausfälle kompensieren müssen. Ganz ehrlich: Ich bin es langsam leid. Manchmal denke ich, auf uns liegt ein Fluch. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir zum Beispiel mal vier Wochen am Stück mit der gleichen Innenverteidigung spielen können“, konstatierte der Trainer der Gastgeber nach dem Spiel und erklärte: „Somit war unser Plan, zumindest einmal auf eine stabile Achse zu setzen, wieder dahin und wir mussten einige Spieler hin und her schieben.“ Letztlich mit Erfolg.

Dennoch: „Das waren zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten von uns. Gut war, dass unsere Jungs nach dem 0:1 nicht eingeknickt sind, sondern weiter ihr Spiel gespielt haben. Wir haben uns auch durch Fehlpässe nicht verunsichern lassen. Das 1:1 hat uns natürlich sehr gut getan. In der Pause haben wir die Jungs dann gute zehn Minuten bequatscht und ihnen aufgezeigt, was wir sehen wollen“, sagte Saglam, dessen Kicker ihrem „Chef“ offenbar hervorragend zugehört hatten: „Das, was wir wollten, wurde in der zweiten Halbzeit zu 100 Prozent umgesetzt.“ Und damit noch einmal zurück zum MSV-Lazarett: „Das sorgt dafür, dass wir manchmal nicht nur den Gegner analysieren müssen, sondern zuerst auch uns selbst intern: Wen haben wir? Wer kann wo spielen? Wie machen wir was?“, so Saglam, der noch einen weiteren Wunsch für die nahe Zukunft formulierte: „Wir wollen den Schwung aus dem heutigen Spiel mit in die wichtigen nächsten Wochen nehmen.“

Jan Knötzsch 

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