Landesliga Hansa

„Mein Arzt meinte zu mir, es wäre besser, wenn ich mir nur das Kreuzband gerissen hätte“

Lohbrügges Boris Lastro spricht über seine Verletzung, die Pause und Gedanken ans Aufhören

24. Oktober 2019, 14:26 Uhr

Boris Lastro wird mindestens noch ein halbes Jahr brauchen, bis er wieder ins Training einsteigen kann. Foto: Heiden

Sein Verein dominiert derzeit die Landesliga Hansa und läuft als Primus der Konkurrenz davon. Doch Boris Lastro ist beim VfL Lohbrügge im Monent außen vor – und das seit geraumer Zeit. Ende 2018 zog sich der Torhüter eine schwere Verletzung am Knie zu, die ihm seitdem und auch noch für einige weitere Monate außer Gefecht setzt. Wir haben mit dem Schlussmann, der dementsprechend auch seine Karriere im Tor der Futsaler von den HSV-Panthers derzeit ruhen lassen muss, über die Verletzung, die lange Leidenszeit, den Zeitpunkt für ein mögliches Comeback, seine Rolle innerhalb der Truppe und die Aufstiegschancen der Mannschaft vom Binnenfeldredder gesprochen.

Der Einstieg ins Gespräch bringt ihn ins Grübeln. „Das ist ein richtig gute Frage“, sagt Boris Lastro, „da muss ich lange drüber nachdenken. Am Ende muss ich wahrscheinlich nachschauen, weil ich es nicht mehr weiß. Ich weiß nur, wann ich mir die Verletzung zugezogen habe.“ Und so bleibt das Datum, wann der Torhüter zum letzten Mal auf dem Fußballplatz oder in der Halle zwischen den Pfosten gestanden hat, im Dunkel. Dafür aber kann „Boki“, wie Lastro genannt wird, genau sagen, welcher Tag daran die Schuld trägt, dass er schon seit geraumer Zeit nicht mehr die Torwarthandschuhe übergestreift hat. „Das war am Tag vor Silvester 2018“, erinnert sich der 26-Jährige und zählt dann auf, was bei einem privaten Unfall alles in seinem Knie kaputtgegangen ist: „Erst hieß es nur, dass die Kniescheiben-Sehne gerissen ist und das Gelenk einen Schaden hat. Ich dachte nur: Hauptsache nicht der Meniskus und das Kreuzband! Das war aber letztlich nicht die finale Diagnose. Der Meniskus ist beschädigt, das Innen- und das Außenband sind gerissen, ich habe einen Knorpelschaden und die Kniescheiben-Halte-Apperate sind gerissen.“

„Je länger die Verletzung dauert, desto schwieirger wird es, damit umzugehen“

Trotz seiner Verletzung ist der Keeper (re.) bei vielen Spielen des VfL an der Seitenlinie dabei. Foto: Bode

Klingt nicht gerade gut, ist es auch nicht. „Mein Arzt meinte zu mir, es wäre alles besser, wenn ich mir nur das Kreuzband gerissen hätte“, erzählt Lastro, der hofft „in einem halben Jahr wieder mit dem Training beginnen zu können.“ Bis dahin heißt es warten – und natürlich auch ganz viel nachdenken. Über das, was einem da widerfahren ist und die lange Zeit ohne Fußball, die man schon hinter, andersherum aber eben auch noch vor sich hat. „Am Anfang war der Schreck über das, was passiert ist und über die Verletzung riesengroß. Ich habe zwei Tage später meinen neuen Job angefangen. Da bin ich am ersten Tag auf Krücken und mit einer Schiene am Bein angekommen und wurde erstmal direkt wieder nach Hause geschickt. In diesem Punkt habe ich mir erstmal die größten Sorgen gemacht. Es ist ja nicht so, dass ich vom Amateur-Fußball lebe, sondern vom Job“, sagt „Boki“, der allerdings dann auch schnell merkte: „Der Fußball fehlt einem schon. Gerade, weil die Jungs mit dem VfL Lohbrügge momentan ja sehr erfolgreich sind. Bei den Panthers steht übernächstes Jahr die Futsal-Bundsliga an. Es ist alles zu einem unglücklichen Zeitpunkt passiert. Je länger die Verletzung dauert, desto schwieirger wird es, damit umzugehen.“

Selbst der Gedanke, die Fußballschuhe und die Torwarthandschuhe an den berühmten Nagel zu hängen war daher durchaus schon da, gibt Lastro zu: „Bis vor Kurzem sind die Gedanken, ob ich weitermache, bei mir hin und her gesprungen. Ich habe mich gefragt, was ist, wenn sowas nochmal passiert und ob es sich dann lohnt, wieder drei, vier Monate oder länger mit der nächsten Operation und dem Drumherum zu plagen, im Bett zu liegen und nicht arbeiten zu können“, berichtet er, „aber ich habe mir dann andere Leute angesehen die – nicht nur im Profibereich – nach zwei Kreuzbandrissen oder ähnlich schweren Verletzungen nochmal zurückgekommen sind. Dann habe ich mir gedacht: Ich gebe nochmal Gas, das schaffe ich auch!“ Den Sprung zurück zu schaffen, ist allein schon schwer, doch im Falle von Lastro würden beim VfL dann gleich drei Konkurrenten warten: Alen Brandic, Bünyamin Bulanik und Leo Hebbeler, der nach einem Aufenthalt im Ausland inzwischen zurück ist. „In erster Instanz mache ich mir derzeit um mögliche Einsatzzeiten gar keine Gedanken“, verrät uns „Boki“, „das ist mir momentan egal. Mir geht es darum, dass ich schnell wieder fit bin, schnell wieder trainieren und den Ball am Fuß haben kann.“

„Ich fahre gern zu den Spielen, weil ich Spaß daran habe, zwei Stunden mit den Jungs zu verbringen“

Zwischenzeitlich, so der 26-Jährige (hier noch im Billstedt-Trikot) habe er auch übers Aufhören nachgedacht. Foto: Heiden

Natürlich aber, so Lastro weiter, „würde ich mich freuen, bei Lohbrügge weiterzumachen. Momentan sieht alles gut aus. Der Vertrag wurde verlängert, als schon klar war, was ich für eine Verletzung an Knie habe. Auch rein von meiner Leistung mache ich mir keine Sorgen, dass ich mittelfristig wieder spielen werde.“ Und so lange ist der Keeper eben Gast – draußen an der Linie. Bei nahezu jedem Lohbrügger Heimspiel. „Da ich mich sowieso mit jedem in der Mannschaft gut verstehe, habe ich auch die Lust, den Weg Fuhlsbüttel nach Lohbrügge zu machen. Das ist zwar schon eine weite Strecke, aber ich tue das gerne, weil ich Spaß daran habe, zwei Stunden mit den Jungs zu verbringen. Es profitieren natürlich auch die Spieler auf dem Platz davon, wenn sie sehen, dass die Verletzten mit draußen stehen und das Team anfeuern. Das schweißt zusammen und motiviert nochmal mehr. Die Mannschaft ist geil“, berichtet Lastro. Und da wäre ja auch noch was anderes, was den Jungs auf dem Platz ebenso wie dem Lazarett am Rand „Fun“ bringt: Der Erfolg, den die Mannschaft des Trainer-Duos Sven Schneppel und Elvis Nikolic aktuell hat.

Seit Wochen steht die Equipe vom Binnenfeldredder an der Spitze der Tabelle, zieht dort einsam ihre Kreise und steuert zielgerichtet genau auf das Ziel zu, das der Verein vor der Saison ganz unmissverständlich ausgegeben hat: den Aufstieg in die Oberliga. In den letzten zwölf Spielen verließ der VfL jeweils als Sieger den Platz, nur zu Beginn gab es in der Liga gegen den ASV Hamburg und beim Ausscheiden aus dem LOTTO-Pokal gegen den SV Hamwarde zwei Aussetzer. Den Sprung ins Oberhaus können sich die „Wild Boys“ quasi nur noch selbst verbauen. „Wir haben einfach die perfekte Mischung aus Spielern, die schon höherklassig gespielt haben, und solchen, die jünger sind. Auf der einen Seite hast du Youngster wie Mert Akkus oder Tim Santelmann, auf der anderen Leute wie Mohamed Labiadh, Seyhmus Atug, Onur Saglam oder Adam Hamdan, die die Jungs führen. Es gibt keinerlei Grüppchen-Bildung. Jeder kümmert sich um jeden“,erzählt Lastro, der also vermutlich noch eine große Aufgabe in dieser Saison hat: Er und Hamdan sind die Party-Planer des Teams und als solche auch für die möglichen Aufstiegsfeierlichkeiten verantwortlich. Boris Lastro wird also gebraucht. Wenn vorerst auch weiterhin ohne Fußballschuhe und Torwarthandschuhe...

Jan Knötzsch 

Kommentieren