19.10.2019

"Schubi" und Co schocken Buchholz: "Das regt mich extrem auf"

Curslack dreht einen 0:2-Rückstand zum 4:2-Sieg und macht den Gästetrainer wütend

Mit zwei Treffern avancierte Marco Schubring zum Matchwinner für den SVCN. Foto: Bode

Der Jubel beim TSV Buchholz 08 war im Spiel gegen den SV Curslack-Neuengamme (Hier gibt's die Highlights im Live-Ticker) groß - zumindest zwischenzeitlich. So groß, dass bei der Freude über die 2:0-Führung, die die Equipe von Trainer Marinus Bester herausgeschossen hatte, ein weißer Plastikstuhl dran glauben musste. Simon Beecken hatte das Sitzmobiliar auf dem Gewissen. Nachdem der Manager der Gäste einen der beidem Buchholzer Treffer bejubelt hatte, wollte er sich gerade wieder hinsetzen - doch genau in diesem Moment krachte es einmal laut und der Stuhl brach in seine Einzelteile zusammen. So, wie der TSV im zweiten Durchgang zusammenbrechen sollte.

Denn wer gedacht hatte, dass die Gäste mit der 2:0-Führung im Rücken das Duell der beiden Abstiegskandidaten für sich entscheiden würde, der sah sich allerspätestens beim Schlusspfiff des souveränen Schiedsrichters Falah Abed Saad (VfL 93) eines Besseren belehrt. Die Punkte wanderten nicht etwa in die Nordheide, sondern blieben am Deich. Weil "wir sie in der zweiten Halbzeit total dominiert haben", bilanzierte Marco Schubring nach dem Schlusspfiff. Und der Angreifer der Hausherren, selbst mit zwei Treffern am Sieg beteiligt, hatte Recht: Nach dem Seitenwechsel brachte der TSV, offenbar vom Anschlusstreffer der Gastgeber kurz vor der Pause noch immer derartig enorm beeindruckt, nach vorne nichts weiter außer einem Schuss von Milaim Buzhala (siehe Video-Interview) mehr zustande. Hinten klingelte es drei weitere Male hinter Keeper Lennart Brückner und die Niederlage der Nordheider war perfekt.

Buchholz-Offensivspieler Milaim Buzhala im Video-Interview

Bester: "Es ist offenbar in der DNA dieser Mannschaft, mit Führungen nicht umgehen zu können"

Bedienter Blick: Buchholz-Trainer Marinus Bester (Mitte). Foto: Bode

Dinge, die Marinus Bester ordentlich missfielen - und so holte der Coach der Gäste auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu einer verbalen Grätsche aus. "Unsere erste Hälfte fand ich gut , aber der Sieg für Curslack ist aufgrund einer beherzten zweiten Halbzeit und unter der gütigen Mithilfe des TSV Buchholz 08 hochverdient. Wir haben zunächst nicht viel zugelassen, gehen anschließend sogar in Führung - doch dann ist es offenbar in der DNA dieser Mannschaft oder einiger Spieler so, dass sie mit einer Führung nicht umgehen können. Die fangen dann mit 'Hacke, Spitze - eins, zwei, drei' an. Das regt mich extrem auf, weil es nicht das erste Mal ist. So kommt dann auch der Angriff zu Curslacks 1:2 zustande", ärgerte sich der Buchholz-Trainer.

Was danach passierte sei, so Bester weiter, für ihn "unerklärlich. Das ist das Phlegma dieser Mannschaft, das man ganz schnell ausmerzen muss. Das geht nur über personelle Konsequenzen - und das wird in der nächsten Woche sicherlich passieren", verkündete der Ex-Profi unmissverständlich und räumte zugleich auch ein, dass der Platz unter den Top Sechs, den er vor der Saison als Ziel ausgegeben hatte, ebenso wie der von Manager Beecken in der vergangenen Woche noch als realistisch eingestufte einstellige Tabellenplatz aktuell kein Thema mehr sei. "Im Moment brauchen wir nicht darüber zu diskutieren, ob wir auf Platz sechs, sieben oder acht landen, sondern darüber, dass wir da unten wegkommen. Mit Platz sechs hat das gar nichts zu tun, Abstiegskampf ist derzeit das Ding", stellte Bester klar und ärgerte sich über die neuerliche Pleite.

Wulff: "In so einer Situation das Spiel zu drehen, ist aller Ehren wert"

Jubelpose: SVCN-Coach Matthias Wulff und sein Team durften sich über den wichtigen "Dreier" freuen. Foto: Bode

Und das, wo doch selbst Marco Schubring nach dem Rückstand des SVCN nicht mehr damit gerechnet hatte, dass die Deichkicker noch einmal so aufdrehen würden. "In unserer Situation so einen Doppelschlag zu bekommen, ist hart. Da waren bei jedem von uns die Köpfe unten. Es gab keinen Spieler, der auf dem Platz das Kommando in die Hand genommen und uns mitgerissen hat. Aber wir haben uns relativ gut gefangen", sagte der zweifache SVCN-Torschütze, der nun 15 Saisontreffer auf seinem Konto hat, mit Blick auf das zwischenzeitliche 0:2 und gab zu Protokoll: "Der Sieg war extrem wichtig, das merkt man auch an der Reaktion, Normalerweise dürften wir gar nicht feiern wegen der vielen Spiele, die wir schon verloren haben. Aber es wurde Zeit!" Dass dies ausgerechnet nach einem Rückstand passierte und der SVCN mal keinen Vorsprung aus der Hand gab, nahm "Schubi" dabei zum Anlass für eine Portion Humor: "Vielleicht müssen wir einfach immer zurückliegen..."

Und auch Matthias Wulff konnte "erst einmal durchpusten, vielleicht atmen wir irgendwann heute Abend auch wieder mal ein", wie der Trainer der Hausherren auf der Pressekonferenz lachend feststellte. "Anfangs haben wir in den ersten Situationen die Missstände in der Buchholz-Abwehr nicht nutzen können, dann kassieren wir innerhalb von zwei Minuten die beiden Gegentore. Das war extrem hart. Da hat man uns angemerkt, dass wir verunsichert waren. Wir haben sicher Glück gehabt, dass wir uns nicht auch noch das 0:3 einfangen haben. Der Anschlusstreffer vor der Pause war unheimlich wichtig für uns", konstatierte der Übungsleiter der Curslacker und erklärte abschließend: "Klasse, wie präsent wir in der zweiten Halbzeit dann aufgetreten sind und wie kalt wir auch zu den richtigen Zeitpunkten vorm Tor waren. Wenn man 0:2 hinten liegt und in so einer Situation ist, wie wir, dann ist es aller Ehren wert, das Spiel noch zu drehen. Das kriegen nicht viele Mannschaften hin."

Jan Knötzsch

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