06.10.2019

„Heißer Scheiß“ in Lila-Weiß: „FIFA-Fabi“ & Co „fressen uns vorne und machen uns hinten platt“

HR-Coach Barthel sieht bei der 0:3-Niederlage „einen himmelweiten Unterschied – das sind Welten“

Achtung, Gegenspieler: HEBC-Akteur Lasse Peters (li.) sieht sich einem HR-Kicker gegenüber. Foto: Knötzsch

Zwei Sätze, so die Ansage von Heiko Barthel nach dem Abpfiff des Landsliga Hammonia-Spiels zwischen dem HEBC und der SV Halstenbek-Relligen (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker), würden reichen, um das Geschehen zusammenzufassen, dass die rund 170 Zuschauer soeben gesehen hatten. So ganz aber konnte sich der Coach der Gäste an seine eigene Vorgabe nicht halten, als er nach der 0:3-Pleite seiner Elf im Spiitzenspiel die 90 Minuten analysierte. Es waren ein paar Worte mehr, die Barthel fand – keine kritischen an seine Elf, dafür aber jede Menge lobende für den HEBC. Kurzum: Der HR-Coach war schlichtweg begeistert vom Auftritt des Spitzenreiters und hatte erkannt: Seine Elf konnte den Lila-Weißen einfach keine Gegenwehr leisten. 

„Wir waren in allen Belangen unterlegen. Wir haben nicht einen Torschuss. Unsere Stürmer wurden vorne aufgefressen und hinten haben sie uns platt gemacht“, fasste Barthel das zusammen, was HEBC-Torwart-Trainer Stefan Knauß zumindest für die erste Hälfte als eine „Machtdemonstration“ beschrieb. Was auch immer HR versuchte – es misslang oder blieb in den Kinderschuhen stecken. Ganz anders der nach wie vor ungeschlagene „Leader“ der Liga. Zunächst versenkte Lionel von Zitzewitz einen Freistoß (5.), dann ging fünf Minuten später mit vollem Temo die Post vorm Gästetor ab, Juro Julardzija bediente Tjorven Köhler – 2:0 (10.). Dass letztlich im zweiten Durchgang dann nach einem Zuspiel des von der Bank gekommenen Janosch Rinckens mit Kapitän Chris Flick auch noch ein Derfensivspieler, der nicht unbedingt der geborene Torjäger ist, zum 3:0 traf (76.) – es passte einfach ins Bild an diesem Vormittag, in dem die Begegnung dem berühmten „Katz-und-Maus-Spiel“ glich: Die Eimsbütteler machten mit den „Baumschulern“, was sie wollten. Kurzum: „Heißer Scheiß“ in Lila-Weiß!

Kocadal: „Oben gibt’s nur zwei Teams, aber ein Gegner reicht ja schon, um nicht Erster zu werden“

Laufduell: Tjorven Köhler (li.) gegen den Halstenbeker Cherno Nije. Foto: Knötzsch

Mit einer minimalen Eisnchränkung: Im zweiten Durchgang spielte der HEBC die Sache dann eigentlich eher gekonnt runter, statt weiter wie in der ersten Hälfte komplett auf die Tube zu drücken. „Ich bin ja eh immer am motzen“, lachte Özden Kocadal, als nach dem Abpfiff die Sprache auf jenen eben Fakt kam und erklärte: „Es gibt Sachen, die wir auf jeden Fall verbessern können und auch müssen. Unser Umaschaltspiel allgemein, wie wir teilweise die Konter gefahren haben... – es sind kleine Sachen, an denen wir im individual-taktischen Bereich noch arbeiten müssen.“ Unter anderem auch mit einem Mann, der zwar nicht unter den Torschützen auftauchte, aber wie so oft ein klase Spiel ablieferte: Fabian Lemke. „Er ist überragend. Wenn man sich ihn anguckt, dann ist es teilweise so, dass er FIFA mit seinen Gegenspielern spielt. Auch bei ihm ist aber noch ganz viel, was wir mit ihm noch besser machen können und müssen. Ich hoffe, dass wir beim ihm noch mehr Konstanz einkriegen“, so der HEBC-Coach über seine Nummer 21, die eben noch nicht ganz so funktioniert, wie ein Kicker an der Konsole.

Funktionieren aber ist das richtige Stichwort: Wer soll diesen HEBC, bei dem augenschenlich ein Rädchen ins andere gfeift, denn eigentlich auf dem Weg zurück in die Oberliga noch stoppen – wenn das noch nichtmal dem bisherigenTabellendritten gelingt!? Verfolger TuRa Harksheide, der seit Wochen gleichauf mitmarschiert vielleicht noch – aber sonst? „Ich sage immer noch, dass man den ETV auf der Rechnung haben muss. Vor denen haben wir großen Respekt. Auch vor der Art, wie sie Fußball spielen. Auch Niendorf II kann richtig ekelhaft und gut sein, wenn sie Leute aus ihrer Oberliga-Mannschaft runterholen. Und selbst Nienstedten hat uns ja Punkte gekostet. Es gibt Mannschaften, die uns wehtun können. Klar: Oben ist die Luft nicht allzu dünn. Es sind einfach nur zwei Teams. Aber ein Gegner reicht ja schon, um am Ende nicht Erster zu werden“, konstatierte HEBC-Coach Kocadal, dessen Elf in dieser Spielzeit nun zehn Siege und ein Remis auf dem Konto hat.

Barthel: „Nach unserer Leistung gegen den HEBC gehe ich das Spiel gegen Harksheide nüchtern an“

Was will man da machen? HR-Coach Heiko Barthel sah seine Equipe auf vollkommen verlorenem Posten. Foto: Knötzsch

Um in der Materie zu bleiben: Der nächste Gegner von HR heißt am kommenden Sonntag Harksheide. „Nach unserer Leistung gegen den HEBC gehe ich das Spiel ganz nüchtern an“, verriet Heiko Barthel. „Wir hatten heute eine fast 90-prozentige Quote an verlorenen Zweikämpfen und Fehlpässen. Aber ich kann meinen Spielern gar nichts vorwerfen. Das war einfach ein Klassenunterschied. Ein Spiel, wo alles so klar ist, würde ich erwarten, wenn wir gegen Eintracht Norderstdt spielen“, sagte der Coach der Halstenbeker nach dem Schlusspfiff und resümierte: „Wir hatten einen Plan, wie wir Fußball spielen wollten und wie wir sie anlaufen wollten. Aber davon war nichts zu sehen, Wir waren einfach hilflos überfodert. Und dabei war die Stimmung bei uns vorher echt gut: Wir waren ein paar Spiele ungeschlagen, hatten letzte Woche eine gute Partie gezeigt und uns auch im Pokal durchgebissen.“

Einige seiner Spieler, so Barthel, „haben es auf den Schiedsrichter geschoben. Aber der nimmt die Rote Karte (nach 42 Minuten gegen Cevin Clausen, Anm. d. Red.) zurück, von daher will ich nichts in diese Richtung sagen. Wir waren einfach nicht konkurrenzfähig. Ich hann niemandem die Schuld geben. Wir waren von vorne bis hinten schlechter. Daniel Diaz Alvarez hat vielleicht ein paar Zweikämpfe gewonnen, aber dann muss ich lange suchen, ob da noch einer war. Die haben uns angelaufen, wir haben uns versteckt – da klappte nicht viel.“ Zwischen seiner Elf und dem HEBC, habe es einen „himmelweiten Unterschied“ gegebens, so Barthel, „da waren Welten zwischen uns. Es gibt nur zwei gute Aspekte: Dass wir zur Pause nur 0:2 hinten gelegen haben und dass der Schiri den Platzverweis zurücknimmt. Man hat ja immer die Hoffnung, dass mal ein Ball durchrutscht, aber selbst das ist nicht passiert. Die hätten schon ein Eigentor erzielen müssen, sonst wäre das mit einem Treffer für uns nichts geworden. Ich habe keine Erklärung, was das war: Angst nicht und Übermotivation auch nicht...“

Jan Knötzsch 

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