05.10.2019

Ein Versprechen unter Freunden: „Diggi“ ärgert „Bro“ Nikroo mit doppelter Jubel-Pose

Nach Pokalfight: Vicky beweist gegen den HSV III den längeren Atem

Dennis Bergmann (li.) bejubelt eines seiner beiden Tore mit der typischen Jubelpose, die er sich mit Sepehr Nikroo "teilt". Foto: KBS-Picture.de

Vorher schien die alles entscheidende Frage zu lauten: Wie lange würden die Kräfte beim SC Victoria nach dem 120-minütigen Pokalfight am Mittwoch gegen Altona 93 (6:7 n. E.) reichen? Die Antwort lieferten die Mannen von der Hoheluft in eindrucksvoller Manier. „Wir haben gezeigt, dass wir hintenraus mal wieder ein paar Körner mehr drin hatten und haben dadurch das Spiel für uns entschieden“, strahlte Chefcoach Marius Ebbers über drei späte Tore binnen 180 Sekunden. Damit feierte Vicky einen 5:2-Erfolg über den HSV III (alle Highlights im LIVE-Ticker) – doch die Partie hätte eine ganz andere Wendung nehmen können, wenn nicht gar müssen…

Sepehr Nikroo (re.) konnte nicht die entscheidenden Akzente setzen. Foto: KBS-Picture.de

„Er war wahrscheinlich auch kaputt“, mutmaßte Christian Rahn. Während sein Trainer-Kompagnon Marcus Rabenhorst feststellte: „Er hat selten über 90 Minuten gespielt.“ Die Rede war von Maximilian Danzer. Der Mittelfeldspieler hatte fünf Zeigerumdrehungen vor Ultimo die Riesenchance zum vermeintlichen „Luckypunch“. Von der Mittellinie startete der ehemalige Niendorfer seinen Sololauf ohne Gegnerdruck. Freistehend umkurvte Danzer schließlich Vicky-Keeper Hendrik Rabe, zögerte anschließend etwas zu lange und scheiterte dann im Abschluss an Tim-Julian Pahl, der zurückeilte und sich vor dem „Rothosen“-Akteur aufbaute. Statt der 3:2-Führung für die Gäste, liefen diese fortan ins offene Messer. Keine 60 Sekunden später schlug es nämlich auf der anderen Seite ein, als Dennis Bergmann einen Querpass des starken Julian Schmid zum 3:2 für Victoria verwertete (86.).

„Diggi“ ärgert „Buddy“ Nikroo doppelt

Magnus Hartwig (li.) brachte Vicky nach 25 Minuten per Flugkopfball nach einer Stegmann-Ecke in Front. Foto: KBS-Picture.de

Apropos Dennis Bergmann: Der Torjäger von der Hoheluft pflegt ein besonders enges und freundschaftliches Verhältnis zu HSV III-Offensivakteur Sepehr Nikroo. „Gestern Abend saßen wir noch zusammen, am Morgen vorm Spiel waren wir auch gemeinsam frühstücken“, verriet Bergmann hinterher. Untereinander hat man sich sogar „versprochen“, denselben Torjubel zu zelebrieren – und das nicht nur im direkten Aufeinandertreffen, sondern generell. Dementsprechend groß war die Vorfreude auf das Duell. „Nicht nur, weil wir so eng befreundet sind. Es war auch ein besonderes Spiel, weil er ja eine Vicky-Vergangenheit hat, ich fast meine komplette Jugend beim HSV verbracht habe und den einen oder anderen aus der Truppe kenne“, so Bergmann, der nach 90 Minuten mehr Grund zum Jubeln hatte und gleich zweimal die einstudierte „Tor-Pose“ – stehen bleiben und mit der flachen Hand über den Augen in die Ferne blicken – zum Besten geben durfte. Denn nachdem Michele Morrone die zwischenzeitliche 1:0-Führung der Hausherren durch Magnus Hartwig (25.), der vor dem 1:1 am eigenen Sechzehner von Morrone einen Beinschuss verpasst bekam (42.), egalisierte, schlug Bergmann ein erstes Mal zu. Über Schmid und Ian-Prescott Claus kam die Kugel zu „Diggi“, wie Bergmann nur genannt wird. Der hatte keine Mühe mehr (57.).

„Wir kriegen einfach zu viele und zu einfache Gegentore!“

Setzte den Schlussakkord: Joshua Freude (re.) feiert seinen Torerfolg. Betrübte Gesichter bei den Rothosen. Foto: KBS-Picture.de

Zwar besorgte Danzer nach einem Angriff über Christopher Rieder und Dominik Jordan, der keine richtige Kontrolle mehr über den Ball bekam, den erneuten Ausgleich (73.) – doch kurz vor dem Ende vergab er den „Hundertprozenter“ zum möglichen Auswärtscoup. „Klar hatten wir die große Möglichkeit, haben sie nicht genutzt – und dann tut es mir einfach extrem leid für unseren Torhüter, der wieder fünfmal hinter sich greifen muss“, bemängelte Rahn das Abwehrverhalten seiner Elf. „Wir kriegen einfach zu viele und zu einfache Gegentore.“ Aber „mehr als es anzusprechen und im Training darauf einzugehen, können wir nicht machen. Vielleicht sollten wir einfach mal den Ball in die Mitte werfen, sodass die Jungs selbst ein bisschen kicken und wir stehen dann daneben und gucken zu. Auch wenn das nicht unser Ansatz ist, aber anscheinend können sie es nicht so umsetzen, wie wir es gerne hätten.“ Denn nach Bergmanns 3:2 ließen Hartwig (88.) und Joshua Freude, der eine Stafette über Bergmann und Schmid zum krönenden Abschluss brachte (89.), noch zwei weitere Treffer folgen.

„Für mich als Cheftrainer der erste Sieg gegen den HSV“

Fünf Treffer, davon drei in den Schlussminuten, durfte Vicky an der Hoheluft bejubeln. Foto: KBS-Picture.de

Dennoch habe man „gemerkt, dass Vicky müde wurde durch die 120 Minuten im Pokal“, befand Rahn. „Aber wenn man sieht, wenn sie nochmal zusätzlich von der Bank bringen können, dann zeigt das ja, wie gut die Mannschaft ist“, sprach er auf die Einwechselungen von André Monteiro Branco und Alexander Borck im zweiten Durchgang an. „Wenn man das Sasel-Spiel als Maßstab nimmt, dann haben wir heute nicht gut gespielt. Letzte Woche war’s spielerisch unsere beste Saisonleistung, heute haben wir auf unerklärliche Weise total passiv agiert und sind nicht gut angelaufen, was wir letzte Woche gut gemacht haben und wieder machen wollten. Aber das haben wir in keiner Phase des Spiels geschafft“, lautete Rahns Fazit. Während Marius Ebbers, der mit Rahn einst in Köln zusammenspielte, zu Protokoll gab: „Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit dem Spiel nicht. Wir lassen einfach noch zu viel zu“, erklärte Ebbers, ehe er mit einem Schmunzeln hinterherschrie: „Für mich als Cheftrainer ist es das erste Mal, dass ich als Ex-St. Paulianer gegen den HSV gewonnen habe.“ Auch dank der zwei Tore von Dennis Bergmann, der einem „Buddy“ Sepehr Nikroo abschließend noch mit einem Augenzwinkern auf den Weg gab: „Jetzt ist er gerade etwas niedergeschlagen. Aber ich denke, er hat sich für mich und meine Tore gefreut.“

Autor: Dennis Kormanjos

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