03.10.2019

„Es war nicht viel besser als manch andere Mannschaft aus unserer Liga“

Buchholz müht sich bei Bezirksligist eine Runde weiter

Feierte am Mittwoch seinen 32. Geburtstag und eröffnete den Torreigen: Buchholz 08-Routinier Lukas Kettner (re.). Foto: Olaf Both

Es war wahrlich kein Augenschmaus, „aber letztendlich geht‘s ja nur ums Weiterkommen“, hatte Marinus Bester unmittelbar nach dem 5:2-Krampfsieg bei UH-Adler (alle Highlights im LIVE-Ticker) bereits „einen Haken an dieses Spiel“ gemacht. „Wir sind eine Runde weiter und haben uns schadlos gehalten. Das ist das, was wir wollten. Einen Schönheitspreis gibt’s bei solchen Spielen eh nicht zu gewinnen“, fügte der Trainer des TSV Buchholz 08 an – und hat mit seinen Worten sicherlich nicht Unrecht. Wenngleich der Auftritt des Oberligisten an der Beethovenstraße die aktuelle Situation in der Liga perfekt widerspiegelte…

Mit diesem Schuss brachte Lukas Kettner (li.) die Nordheider in Front. Foto: Olaf Both

„Wir hatten in der ersten und über weite Strecken der zweiten Halbzeit gefühlt 75 Prozent Ballbesitz. Aber das, was wir dann daraus gemacht haben, ist natürlich zu wenig“, beklagte Bester. „Wir haben zu viele Chancen liegen gelassen und sind pausenlos ins Abseits gelaufen – da muss man mehr Konzentration an den Tag legen.“ Das derzeitige Hauptproblem aus seiner Sicht: „Wir kriegen diesen letzten Pass oder die letzte Aktion noch nicht hin.“ Aber: „Letztlich ist das der Unterschied zwischen Ober- und Bezirksliga, dass du so ein Spiel ohne Applaus mit 5:2 gewinnst.“ Große Lorbeeren verdienten sich die Nordheider mit ihrer Performance wahrhaftig nicht. Im Gegenteil. „Es war jetzt nicht viel besser als manch andere Mannschaft aus unserer Liga, die oben spielt“, befand UH-Trainer Simon Ebert. „Von einer Oberliga-Mannschaft erwartet man da ja schon nochmal ein deutliches Stück mehr“, führte er aus – und konstatierte: „Je länger das Spiel gedauert hat, desto offener wurden sie und desto mehr Fehler haben sie gemacht. Hätten wir am Ende noch mehr Power gehabt, hätten wir vielleicht auch noch ein paar Akzente mehr setzen können“, nahm er das Ausscheiden als „ärgerlich“ wahr.

„Im Endeffekt haben wir uns selbst geschlagen“

Tim Stelter (re.) holte sich eine völlig unnötige Gelb-Rote Karte ab und schwächte sein Team damit. Foto: Olaf Both

Denn zweimal kam der Bezirksligist zurück. Das erste Mal – Lukas Kettner, der seinem Trainer jubelnd in die Arme lief (37.), und Dustin Jahn, dessen lange Hereingabe über den sehr unglücklich aussehenden Flynn-Niclas Seidel hinweg segelte (43.), brachten Buchholz mit 2:0 in Front – sogar in Unterzahl. Kurz vor der Pause sah Tim Stelter wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte (43.). Und dennoch schloss Tim Finkeldey einen blitzsauberen Angriff nach Querpass von Nils Heinsohn zum 1:2 ab (58.), ehe Matthias Jänicke nach einem ruhenden Ball aus dem Hinterhalt das 2:3 besorgte (79.). „Aber im Endeffekt haben wir uns selbst geschlagen“, urteilte Ebert. „Wir machen die Anschlusstore, sind dran und kassieren im Gegenzug durch individuelle Fehler direkt die Gegentore. Keine 240 Sekunden nach dem 1:2 vollendete Marc Eisenberg ein Zuspiel von Niklas Jonas (62.), der sich elf Zeigerumdrehungen darauf ohne Fremdeinwirkung verletzte und nicht weiterspielen konnte, woraufhin die Gäste – das Wechselkontingent war bereits ausgeschöpft – die Partie ebenfalls zu zehnt beenden mussten. Während keine 120 Sekunden nach dem 2:3 ein weiterer kapitaler Bock in der Defensive von Milaim Buzhala und Jakob Schulz, der schließlich per Lop vollstreckte (81.), bestraft wurde. Den Schlusspunkt setzte der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Buzhala nach uneigennützigem Querpass von Marius Landowski zum 5:2-Endstand (86.).

Große Aufregung nach vermeintlichem Handspiel

Jakob Schulz (li.) machte den Deckel drauf und traf zum 4:2. Foto: Olaf Both

Doch wer weiß schon, welche Wendung das Viertrunden-Duell im „LOTTO-Pokal“ genommen hätte, wenn die „Uhlen“ in Minute 28 in Front gegangen wären. Nach einem Finkeldey-Eckball, den der oftmals unsicher wirkende Kennett-Julian Wentzien unterschätzte, beförderte Routinier Sven Drews das Spielgerät aufs Tor, ehe ein Buchholzer auf oder doch hinter der Torlinie klärte – und wohl auch noch mit der Hand am Ball war. Die Aufregung des „Underdogs“ war jedenfalls riesengroß. „Ich habe es aus meiner Position gar nicht gesehen. Aber da die Proteste ziemlich eindeutig und vehement waren, auch von Spielern, die normalerweise komplett ruhig sind, gehe ich davon aus, dass da was gewesen sein muss“, so Ebert. Während seine Akteure auf den Schiedsrichter einredeten, den Buchholzer doch zu fragen und an dessen Ehrlichkeit zu appellieren, ging es ohne Bestrafung oder Konsequenz – zum Entsetzen der Hausherren – weiter.

„Hatte nicht das Gefühl, dass das Spiel hätte kippen können“

So wurde der Oberligist seiner Favoritenrolle am Ende gerecht. Und Bester sah den Sieg auch zu keiner Zeit in Gefahr: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass die uns so unter Druck gesetzt haben. Punktuell hatten sie auch gute Spielzüge dabei gehabt und haben das erste Tor richtig schön rausgespielt – aber das wirst du auch nicht immer zu 100 Prozent verteidigen können. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sie das ganz gut gemacht. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das Spiel hätte kippen können.“

Autor: Dennis Kormanjos

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