29.09.2019

Mit Herz, auch wenn das (Zentrums)-Herz fehlt: „Wir haben uns den Sieg erfightet“

Vicky-Reserve siegt in Unterzahl bei Paloma II und steht wieder an der Spitze

Blau-Gelber Jubel nach dem Treffer von Oguzhan Senol zum zwischenzeitlichen 2:0. Foto: Knötzsch

Am Dienstag war er auf einmal weg – der Platz an der Spitze, auf dem die Zweitvertretung des SC Victoria in der Bezirksliga Nord so lange gestanden hatte. Weil der USC Paloma II beim Duvenstedter SV triumphierte, musste die Mannschaft des Trainer-Duos Michel Massing und David Eybächer die Rolle als „Leader“ der Liga erst einmal abgeben. Und dann wartete mit jenem USC Paloma II am heutigen Sonntag als Gegner auch noch ein „dicker Bocken“. Ausgerechnet in dieser Begegnung (Hier gibt's die Highlights im Liveticker) mussten Massing und Eybächer mit Mert Özel und Steen Schimmelpfennig zwei wichtige Kicker ersetzen. Denkbar ungünstige Vorzeichen also – am Ende aber strahlten die Vicky-Kicker dennoch.

„Mit Mert und Steen mussten wir auf zwei Drittel unseres Zentrums verzichten. Uns fehlte das Herz des Spiels“, verdeutlichte Massing, wie schwer die beiden Verluste wogen. Und als ob das nicht schon bitter genug gewesen wäre, handelte sich sein „Trainer-Spezi“ Eybächer nach elf Minuten auch noch die Gelbe Karte ein. Eine Verwarnung, die Folgen haben sollte. Denn: Nachdem Eybächer in der 52. Minute zum zweiten Mal verwarnungswürdig Foul spielte, schickte ihn der Unparteiische mit der „Ampelkarte“ vom Feld. Nur gut aus Sicht der Victorianer, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits mit 2:0 führten und die USC-Reserve in der Folgezeit aus der numerischen Überzahl zwar ein Plus an Spielanteilen und Chancen generieren konnte, aber keinen Ball über die Linie brachte. Auch nicht, als Lion Mandelkau, der zuvor zum 1:2 erfolgreich war, in der 73. Minute im Anschluss an ein vermeintliches Handspiel im Strafraum vom Elfmeterpunkt aus ran durfte: Er scheiterte an Kevin Adler

Massing: „Ich fand den Elfer fragwürdig, aber wenn der Schiri ihn gibt, muss man damit leben“

SCV II-Coach Michel Massing hatte seine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Elfmeters, den Paloma II dann vergab. Foto: Both

„Ich finde den Elfmeter fragwürdig. Nach den neuen Handspiel-Regeln ist das für mich kein Handspiel. Wenn der Schiri den Elfer gibt, dann muss man damit leben. Zum Glück hält Kevin ihn. Es gehört in einem Spitzenspiel auch dazu, dass du einen starken Keeper hast“, konstatierte Massing. Dass der Vicky II-Übungsleiter nach der Begegnung und dem „Dreier“ zufrieden war, versteht sich von selbst. „Wir haben die Tabellenführung zurückerobert – und das insgesamt verdient. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, in der wir sehr viel von dem umsetzen konnten, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben sowohl im Pressing als auch im Spielaufbau das, was wir unter der Woche trainiert hatten und was der Plan war, realisiert“, bilanzierte Massing, der zunächst Chancen auf beiden Seiten sah, ehe seine Elf dann durch Philipp Wolpers in Führung ging. „Das war eine sehr gute Umschaltsituation und dann ein starker Lupfer von Wolpers“, lobte der Vicky II-Trainer. 


Noch vorm Seitenwechsel legte der Gast nach, als Oguzhan Senol (Massing: „Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht“) mit einem Schuss ins linke untere Eck Paloma II-Keeper Dennis Gansel, der den Ball spät sah, überwinden konnte. „In der zweiten Hälfte war es dann durch die Gelb-Rote karte ein ganz anderes Spiel. Wir mussten darauf reagieren und umstellen. Danach ging es für uns in einem Spiel, das bis dahin taktisch geprägt war und in dem wir einen guten Auftritt hingelegt haben, nur noch um das Kämpferische und die Leidenschaft. Das haben wir angenommen und uns den Sieg als Team erfightet“, sagte Massing und befand: „Meiner Meinung nach ist der Sieg verdient. Die Ausfälle haben wir gut aufgefangen und andere Spieler wie Simon Witt oder Joshua Freude haben sich in die Bresche geschmissen.“

Nitsch: „Der Auftritt in der zweiten Hälfte zeigt dass wir auf einem guten Weg sind“

Trotz der Niederlage seiner Elf sag USC II-Übungsleiter Marius Nitsch eine starke zweite Hälfte seiner Equipe. Foto: Both

Sein Gegenüber hatte nach eigener Aussage ein „in der ersten Halbzeit ausgeglichenes Spiel gesehen, in dem beide Seiten nach einer Phase des Abtastens Hochkaräter hatten.“ Dabei habe sich, so Marius Nitsch. „Vicky ein bisschen reifer und cleverer im Spielaufbau gezeigt. Es war schon schwer, da Zugriff zu kriegen und unser Angriffspressing durchzusetzen. Das hat nicht immer funktioniert. Vicky hat in der ersten Halbzeit viel Ruhe bewahrt.“ Die Reaktion der Palomaten darauf und auf den 0:2-Rückstand? „Wir haben von 4-4-2 auf 4-3-3 umgestellt, weil wir einfach einen Spieler mehr im Zentrum haben wollten. Das hat uns in der ersten Halbzeit gefehlt“, erklärte der USC II-Übungsleiter, der zusammenfasste: „Die Situationen vor den Gegentreffern hätten wir besser verteidigen oder da mal ein taktisches Foul ziehen können. Auch wenn wir mit einem Rückstand in die Pause gegangen sind, hatten wir ein gutes Gefühl und sind in der zweiten Hälfte auch viel besser zurechtgekommen. Natürlich haben wir dabei von der Gelb-Roten Karte profitiert.“

Mit einen Mann mehr auf dem Feld habe sich seine Elf „von Minute zu Minute Torchancen erspielt“, so Nitsch. „auch wenn die Enttäuschung nach einer Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um die vorderen Plätze natürlich da ist, fand ich das positiv. Vor allem wenn man sieht, dass der Gegner in der zweiten Hälfte sehr destruktiv war. Klar kann man da mit der Unterzahl argumentieren, aber wir haben uns auch den Respekt der Gegner erspiel, das sie gegen uns so auftreten.“ Die Niederlage „tut zwar weh, aber der Auftritt in der zweiten Hälfte zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und mit den Teams von oben mithalten können“, schloss Nitsch seine Spielanalyse.

Jan Knötzsch 

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