19.09.2019

„Bevor wir uns Woche für Woche quälen, ist die Abmeldung der richtige Schritt“

Hüseyin Aydin bezieht Stellung zum „Aus“ des FC Elazig Spor

Bitteres Ende: Hüseyin Aydin und der FC Elazig Spor sind nicht mehr im Spielbetrieb der Bezirksliga Ost vertreten. Foto: Bode

Das letzte Zeichen, das zum Aus noch fehlte, kam um kurz nach 15 Uhr. In Form einer Nachricht des Vereins, gegen den der FC Elazig Spor am kommenden Sonntag in der Bezirksliga Ost eigentlich ran sollte. Sven Reinke, der Coach des SC Schwarzenbek, war vom Hamburger Fußball-Verband (HFV) vie Mail darüber informiert worden, dass das Schlusslicht nicht an der Schützenallee antreten werde. Wenig später bestätigte Hüseyin Aydin, derzeit Interimstrainer und in den Jahren zuvor neben Obmann Burhanettin Celik so etwas wie der „Mr. Elazig Spor“, uns gegenüber: „Ja, es stimmt. Das Schreiben an den Verband ist raus. Wir treten nicht an, der FC Elazig Spor wird abgemeldet.“ 

Schon an den beiden vorherigen Wochenenden gegen den TSV Glinde und den ETSV Hamburg liefen die Kicker des einstigen Landesligisten nicht auf. Kein Ende mit Schrecken also – sondern eines, das absehbar war. Das sieht auch Hüysein Aydin so. „Das geht mir sehr ans Herz. Aber man muss auch die Realität betrachten: Wir kämpfen jetzt schon seit drei Jahren – und das nicht nur sportlich sondern auch vereinstechnisch. Bevor wir uns Woche für Woche quälen, ist die Abmeldung der richtige Schritt“, sagt der Mann, der den Club einst in die Landesliga Hansa führte und anschließend immer mal wieder als Interimstrainer einsprang, wenn die Not groß und die Zahl der Alternativen klein war – so wie zuletzt nach dem Ausscheiden von Can Ersen als Coach nach der 1:9-Pleite am zweiten Spieltag gegen den MSV Hamburg.

„Die Spieler können am allerwenigsten etwas dafür“

Die aktiven Kicker wie Ramazan Güler können nach Aydins Aussage nichts für das Aus des Clubs von der Wendenstraße. Foto; Bode

„Ich bin sehr sehr traurig, das ist sehr schade für den Verein, Wir haben auch lange gute Zeiten gehabt, in denen es viel Spaß und Freude gab. Viele Spieler, Trainer und Funktionäre sind mir ans Herz gewachsen“, blickt Aydin mit – wie er selbst sagt – „einem lachenden und einem weinenden Auge“ zurück. Letztlich aber hätte man „nicht die Unterstützung bekommen, die wir gebraucht hätten“, so der 60-Jährige. Was er damit meint? „Es fehlte die Unterstützung von den Personen, die nicht nur als normale Zuschauer draußen stehen. Also von den Sponsoren“, präzisiert er. Kurzum: Es fehlte an Geld? „Auf gut Deutsch würde man das so nennen“, erklärt Aydin, der hofft, dass das kickende Elazig-Personal so schnell wie möglich bei anderen Vereinen unterkommen kann. „Die Spieler“, stellt er unmissverständlich klar, „können am allerwenigsten etwas dafür, wie die Situation jetzt ist.“

Was seine eigene Zukunft betrifft, sagt der 60-Jährige: „Wenn man so viele Jahre im Fußball unterwegs ist, dann kann man nicht sagen: 'Aus, Schluss und vorbei, ich hab jetzt das Fußball-Rentenalter erreicht. Das war's.' Ich werde auch in der Zukunft sicher immer mal wieder auf dem einen oder anderen Fußballplatz auftauchen.“ Und die Zukunft des FC Elazig Spor? „Es kann sein, dass wir alles ganzheitlich von unten neu aufbauen werden. Wir haben jetzt viel Zeit, uns das zu überlegen und gegebenenfalls ein Konzept auf die Beine zu stellen. Aber da ist viel von Burhan Celik abhängig, mit dem ich auch bei Kurdistan Welat und dem FC Bingöl zusammengearbeitet habe. Er ist genauso wie ich ein Fußball-Verrückter. Aber man muss abwarten, ob er da noch Bock drauf hat.“

Jan Knötzsch 

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