15.09.2019

Getraut, (ein)geflogen, getroffen: Genialer Winkel tanzt mit Tornesch

„Vielleicht kann er die Trauung nochmal auffrischen lassen“

Zwei Tore, zwei Vorlagen und einen weiteren Treffer eingeleitet: Stefan Winkel war der überragende Mann beim TSV Sasel. Foto: Bode

Letzte Woche Donnerstag ist er in den Bund der Ehe eingetreten, am Freitag verhalf er seinem Team – nach 0:2-Rückstand – mit einem Treffer zu einem Punktgewinn bei BU (2:2), ehe es mit seiner frisch vermählten Gattin in die Flitterwochen ging. „Am Freitag zum Abschlusstraining ist er wieder eingeflogen, hat mittrainiert, es hat für die erste Elf gereicht – und er hat durchaus da weitergemacht, wo er sich gerade bei uns in der Mannschaft befindet“, so sein Trainer Danny Zankl – nämlich in absoluter Topform. Die Rede ist von Stefan Winkel. 

Gegen Union Tornesch (alle Highlights im LIVE-Ticker) schraubte er sein persönliches Torekonto nicht nur um zwei weitere Treffer auf mittlerweile acht Buden in die Höhe, sondern verbuchte auch noch zwei Assists – und was für welche! Bezeichnend für die derzeitige Verfassung des 29-Jährigen war jene Szene, die zum zwischenzeitlichen 4:0 führte. Dort nämlich bat Winkel die Gäste-Defensive einmal zum Tänzchen, spielte erst Maik Stahnke, der sich auf den Hosenboden begab, einen Knoten in die Beine, ehe er Jan-Philipp Zimmermann umkurvte und dann auch noch das Auge für den mitgelaufenen Lukas-Gabriel Kourkis hatte (60.). „Vielleicht kann er die Trauung ja nochmal auffrischen lassen“, scherzte Zankl anschließend in Anlehnung an die augenblickliche Gala-Form seines Offensivakteurs, der mit Kourkis ein kongeniales Tandem bildete. Vor dem 1:0 lockten die Saseler den Kontrahenten bei einer Eckenvariante auf den ersten Pfosten, während Winkel den Ball lang reinspielte und in Kourkis, der im Fünfmeterraum sträflich frei stand, einen dankbaren (Kopfball-)Abnehmer fand (25.).

„Nach dem Gegentor war ein Bruch im Spiel“

Auch Lukas Kourkis (re.) hatte nach seinen zwei Treffern gut lachen. Foto: Kormanjos

„Wir sind eigentlich ganz gut reingekommen“, konstatierte Tornesch-Kapitän Zimmermann, der sogar „das Gefühl hatte, dass Sasel nicht wusste, wie sie uns jetzt ausspielen beziehungsweise wie sie ihr Spiel aufziehen sollen“. Doch dann sei „das unglückliche Gegentor nach einem Standard gefallen. Ab da war ein kleiner Bruch im Team und wir haben nicht mehr so weitergespielt wie vorher“, drückte es der Innenverteidiger noch human aus. Denn: Bis zur 25. Spielminute verteidigte es Tornesch mit einer unheimlich kompakten 5-3-2-Ausrichtung zwar erfolgreich, aber Akzente nach vorne konnten keine gesetzt werden. Während Sasel nach dem Führungstreffer langsam aber sicher ins Rollen kam. Jonathan Zinn, der wenige Augenblicke zuvor noch eine Ansage von Zankl bekam, mit „mehr Selbstvertrauen“ zu agieren, nachdem ihm die eine oder andere Aktion misslang, ließ ein Geschoss aus der zweiten Reihe ab, das Norman Baese zwar noch entschärfen, aber eben nicht aus der Gefahrenzone befördern konnte. Nutznießer war Winkel, der am schnellsten schaltete und das Runde im Eckigen unterbrachte (30.).

„Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine“

Auch wenn er beim 3:0 nicht als direkter Vorlagengeber fungierte, hatte Winkel mit seiner kurz und in den Rücken der Abwehr gespielten Ecke ebenfalls einen großen Anteil daran. Denn der darauffolgende Schussversuch von Zinn landete am langen Pfosten bei Andranik Ghubasaryan, der easy vollendete (45.). „Das darf so niemals fallen und war auch vorher angesprochen“, ärgerte sich Zimmermann über die Schlafmützigkeit nach dem schnell ausgeführten Standard. Gegentore, die auch seinen Trainer in der Art und Weise auf die Palme brachten. Die Halbzeitpause war keine fünf Minuten alt, da kehrte Thorben Reibe schon wieder auf den Platz zurück und nahm auf seiner Bank Platz. „Was in der Kabine passiert, bleibt auch in der Kabine“, wollte Zimmermann nicht so recht mit der Sprache raus, was genau sich dort abspielte. „Wir haben drüber gesprochen, was wir nachjustieren können – und wollten es besser machen“, fügte er an. Es sollte ein Aufbäumen geben, man wollte sich dagegenstemmen. Doch: „Sasel ist einfach eine gute Mannschaft. Ich zähle sie zu den ‚Top Fünf‘ der Oberliga.“

„Logisch tut das weh und ist nicht geil“

Tornesch-Kapitän Jan-Philipp Zimmermann ärgerte sich über die Entstehung der Gegentore und die Höhe der Niederlage. Foto: KBS-Picture.de

Warum das so ist, stellten die „Parkwegler“ dann einmal mehr unter Beweis. Nicht nur bei Winkels „Zirkus-Nummer“, die zum 4:0 führte, wurde der Aufsteiger vorgeführt. „Logisch tut das weh und ist nicht geil“, so Zimmermann. „Kein ‚Fussi‘ verliert gerne. Ich kann das auch nicht ab. Aber man muss das so hinnehmen.“ Auch TSV-Neuzugang Jon Hoeft strotzte nun vor Spielfreude und leitete viele Angriffe ein. Den Schlusspunkt setzte aber wieder der „Man of the Match“ nach einer Stafette über Kourkis und Tolga Celikten (71.). 5:0! „Das ist ein Tick zu hoch und darf so nicht passieren“, resümierte Zimmermann. „Aber wir sind bisher trotzdem gut unterwegs, müssen den Mund abwischen und weitermachen.“ Leichter gesagt als getan. Aber es wartet nun ja auch nicht jede Woche ein Stefan Winkel auf die Unioner…

Wie die beiden Trainer das Spiel gesehen haben und wie sich Danny Zankl die Top-Form von Stefan Winkel erklärt - hier gibt’s die PK im Video!


Autor: Dennis Kormanjos

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