13.09.2019

Eigene Leistung „riesig“, Ergebnis „zum Kotzen“: BU leidet an „Claus-Tor-Phobie“

Vicky siegt 4:2 und ausgerechnet ein Ex-Barmbeker trifft dreifach

Aller guten Dinge sind drei: Ian-Prescott Claus avancierte mit drei Treffern gegen seinen Ex-Club zum Matchwinner. Foto: Küch

Bei so einer Zahl kann man schon durcheinander kommen. Ian-Prescott Claus, der nach dem Abpfiff im Video-Interview (siehe Text) Rede und Antwort stand, hatte im Spiel des SC Victoria gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst (Hier gibt’s die Highlights im Live-Tcker) gerade den Platz verlassen, da entbrannte auf der Tribüne zwischen Stadionsprecher Peter Kraft und Jürgen Stars, dem Ex-HSV-Keeper, der im Hamburger Amateurfußball als Torwart-Trainer unterwegs ist, eine Diskussion, wie oft der Mann mit der Nummer sieben auf dem Trikot denn getroffen hatte. Nun, Kraft und Stars einigten sich schnell, dass es ein „Dreierpack“ war, den Claus geschnürt hatte – und das genau der Vicky im Top-Duell des bis dahin Rangdritten gegen den Sechsten den „Dreier“ eingebracht hatte. 

Oder wie es BU-Schlussmann Johannes Höcker nach dem Match treffend auf den Punkt brachte: „Letztlich muss man sagen, es lag nur an einem Spieler, der den Unterschied gemacht hat.“ An Ian-Prescott Claus eben. Ausgerechnet er, der in der letzten Spielzeit noch selbst das BU-Trikot trug, hatte mit seinen Teamkollegen dem Widersacher gezeigt, „wo der Hammer hängt und wer der Chef hier bei Vicky zuhause ist“ (O-Ton Claus). Und dafür gab's nach dem Abpfiff vor den 476 zahlenden Zuschauern jede Menge lob für Claus – tatsächlich aus dem Barmbeker Lager, obwohl dort die Stimmung, wie Höcker nach der „Claus-Tor-Phobie“ der Gäste bekannte „direkt nach dem Spiel zum Kotzen“ war. 

Stier: „Wir haben nicht geliefert, dann müssen wir irgendwann mit dem Fernglas nach oben schauen“

Julian Schmid (re.) - hier gegen Louis Mandel - bereitete die ersten beiden Vicky-Tore vor. Foto: Küch

„Die Tore hat er stark gemacht. Ich kannte ihn bislang nicht, aber ich hatte gehört, dass er ein guter Kicker und ein schneller Spieler ist. Wie er trifft, ist unglaublich. Für uns ist das Pech. Wir müssen uns den Mund abputzen und weiter geht’s. Wir haben in der ersten Halbzeit ein riesiges Spiel gemacht. Das Ergebnis wirft uns nicht um, wir müssen so weitermachen und die kleinen Fehlerchen abstellen. Dass wir Fußball spielen können, hat man in den letzten zwei, drei Wochen gesehen. Jetzt müssen wir nur noch konzentrierter und sicherer über die 90 Minuten spielen“, so Höcker. Dinge, die auch Marco Stier so sah. „Unter meiner Regie war das die beste erste Halbzeit, die ich je gesehen habe. Wir haben die Chanen mal wieder nicht genutzt, müssen 3:1 oder 4:1 führen. Bis zur 50. Minute haben wir 80 Prozent Ballbesitz – aber das zählt nicht. Es zählen Ergebnisse. Da haben wir nicht geliefert, dann müssen wir irgendwann mit dem Fernglas nach oben schauen“, sagte der BU-Coach im Anschluss an die Begegnung. 


Vicky war – wie jeder ander Gegner gegen uns auch – brutal effektiv. Sie machen aus vier Chancen vier Tore. Davon können wir uns eine Scheibe von abschneiden. Wir haben leider nur einen Spieler, der aus dem Spiel heraus Tore schießt, die anderen kriegen es nicht gebacken. Ich selbst kann auch keine mehr schießen“, lautete die Analyse der 90 Minuten aus Stiers Sicht.  Insgesamt aber sei er „trotzdem zufrieden“, lediglich die Abwehr-Leistung sei „wieder katastrophal“ gewesen. Dass ausgerechnet Claus die BU-Defensive dreifach narrte, „tut nicht besonders weh. Das ist mir egal. Ian ist jetzt Spieler von Vicky. Er macht die Tore super. Sahnemäßig! Da kann man nur gratulieren. Es ist nicht so, dass meine Jungs ihn nicht kennen und ich vorher in der Besprechung nichts gesagt habe. Sie haben es trotzdem nicht hinbekommen“, gab der BU-Übungsleiter auf der Pressekonferenz zu Protokoll.

Ebbers: „Das war Werbung für die Oberliga“

Ian-Prescott Claus (re.) wird nach seinem Dreierpack von Teamkollege Felix Schuhmann gefeiert. Foto: Küch

Claus selbst lauschte den Worten hinten in der letzten Reihe des Presseraumes – und bekam so auch mit, wie sein Coach das Spiel gesehen hatte. „Hier waren von der ersten Minute an zwei Mannschaften auf dem Feld, die absolut gute Qualität in ihren Reihe hatten. So eine Partie wünscht man sich, das war ein geiles Spiel von beiden Seiten. BU hat fantastisch gespielt, wir haben es gerade in der zweiten Halbzeit auch richtig gut gemacht“, befand Marius Ebbers und fügte hinzu: „Ob BU jetzt 80 Prozent Ballbesitz hatte, weiß ich nicht...“ Richtig aber sei, dass seine Mannschaft es „30, 35 Minuten in der esten Hälfte ordentlich gemacht“ habe, im Anschluss an das 1:0 dann aber „Probleme hatte, was aber nur an uns lag, weil wir Unkonzentriertheiten gezeigt haben. Ich hatte mehr Kompaktheit gefordert. Kompaktheit heißt für mich nicht, hinten am Sechzehner stehen und das Tor zu verriegeln, sondern auch offensiv zu verteidigen. Das haben wir in den letzten 15 Minuten der ersten Hälfte vor der Pause nicht mehr so gut hinbekommen.“ Aber: „Gerade nach der Halbzeit haben wir es richtig gut umgesetzt. Ich bin sehr zufrieden“, konstatierte Ebbers und lobte die Begegnung abschließend: „Das war Werbung für die Oberliga.“

Jan Knötzsch 

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